Für mich als Liebhaber von Schubert- Liedern gibt es drei erwähnenswerte Interpreten der schönen Müllerin: Dietrich Fischer- Dieskau, Gerard Souzay und- natürlich- Fritz Wunderlich. Deren Aufnahmen stammen aus den Sechziger- und Siebzigerjahren.
Viele Sänger haben seitdem versucht, mit einer neuen Interpretation des Lieder- Zyklus auf sich aufmerksam zu machen. Doch entweder haben Stimme und Musik nicht zusammengepasst, die Interpreten haben nur die bereits bestehenden Aufnahmen immitiert, oder sie schossen gar über das Ziel hinaus.
Nach über dreißig Jahren ist es nun Christoph Prégardien gelungen, eine Neuaufnahme zu veröffentlichen, die diesen Namen auch verdient.
Mit ausdrucksstarker und gleichzeitig schlank geführter Stimme vereinnahmt er den Hörer von Beginn an. Er singt, er erzählt, er schauspielert. Er gestaltet mit einer Lebendigkeit, die an die Grenze der Liedgestaltung geht. Da werden Verzierungen im barock anmutenden Stil eingefügt, die manche Stücke in einem völlig neuen Licht erscheinen lassen. Da wird geseufzt, geschmachtet und getrauert. Ein Gefühlsmarathon eines unglücklich Verliebten. Vorgetragen in perfekter Intonation und ausgefeilter Gesangstechnik.
Unterstützt wird er dabei von dem in jeder Hinsicht gleichwertigen Michael Gees. Ein Unruheherd im positiven Sinne, mal aufbrausend, mal kleinlaut, jedoch in perfekter Harmonie und im Einklang mit dem Solisten. So eigenständig wie möglich, und dabei doch immer dem Sänger gegenüber verpflichtet.
Es mag Hörer geben, denen die Interpretation Prègardiens zu weit geht, denen kann ich lediglich die oben aufgeführten Sänger empfehlen.
Nach meinem Dafürhalten jedoch hat der für mich zur Zeit beste Schubert- Interpret Christoph Prégardien gemeinsam mit Michael Gees eine Aufnahme produziert, die so bald nicht in Vergessenheit geraten wird.