Welche Art von Idee bist du? Eine Frage, die Salman Rushdie immer wieder in seinem Buch stellt. Und die doch nie beantwortet wird, nicht beantwortet werden kann.
Was für eine Art Art meinst du, möchte man zurückfragen. Gut oder böse? Materiell oder spirituell? Film oder Fleisch? Nein. (oder doch: engelhaft oder satanisch -- wie ist das Lied?) Er meint: kompromißfähig oder unbeugsam, ehern, spitz. Wie sie in neunundneunzig von hundert Fällen bricht oder zerdrückt wird oder untergeht. Aber im hundertsten Fall die Welt verändert.
Welche Art von Idee bist du? Das ist die erste Frage. Und die zweite -- aber damit läßt sich auch der Autor Zeit.
Wovon handelt dieses Buch eigentlich, von dem seit fast zehn Jahren die ganze Welt gelegentlich ihre Nachrichtensprecher reden läßt? Tja, schwer zu sagen.
Da wäre auf der einen Seite die Story: Ein Flugzeug wird entführt. Die Bhostan Flug AI 420 der Indian Airways gerät in die Gewalt extremistischer Sikhs. Landet im Irgendwo. Mit Zermürbetaktik wird das Entführerquartett offenbar erfolgreich genervt. Nach der Erschießung einer Geißel startet das Flugzeug, das den Namen eines der Paradiesgärten trägt. An Bord kommt es irgendwo über dem Ärmelkanal zu Differenzen zwischen den Entführern, in deren Verlauf die mitgebrachten Bomben explodieren. Aus 8.000 Metern Flughöhe gibt es keine Überlebenden. Offiziell.
Weil es offiziell ja keine Wunder gibt. Aber von Wundern, Göttern, mehr noch von Engeln und ihren Propheten handelt das Buch. Jetzt erst recht.
Es bleiben zwei Überlebende: Da wäre Gibril Faristha, geb. als Ismail Najmuddin. Faristha ist der Künstlername. Junge eines Essenausträgers in Bombay, hat er sich durch Fleiß, Glück und gutes Aussehen zu einem Filmstar des uns unbekannten indischen Kinos entwickelt. Was der normale Mitteleuropäer mangels Interesse nicht weiß: Dort laufen Seifenopern über Götterlegenden, die sogenannten Theologicals besser als bei uns jene Kitschserien, die alle verachten aber dennoch ansehen. Und Faristha ist der Star vieler dieser Theologicals. Er spielt (und das ist in jenem Indien, in dem die Auseinandersetzungen zwischen Hindus, Sikhs und Muslim Millionen Todesopfer forderten, schon etwas Eigenartiges) alle Götter, ohne Ansehen der Person. Für Monotheisten ist er somit quasi eine Umkehrung: Dem Gott, vor dem alle Menschen gleich sind, entspricht hier der Übermensch (Filmstar) vor dem alle Götter gleich sind. Und da er in jeden Haushalt flimmert, hat sowas auch etwas -- ja kann man sagen: Friedenstiftendes, Integrierendes, Nation (der vielen Völker) Schmiedendes? Und dazu noch einer, der eigentlich aus dem Nichts kam, der Gibril, dem aber nun die ganze Nation, zumindest die weibliche, zu Füßen liegt. Und dessen Geliebte ihm alles verzeihen, weil sie aus irgendeinem Grund genau dies tun müssen. Ein Strahler, der Gibril, der Engel Gabriel. Leute die mit Engelnamen Bescheid wissen, wissen sofort, daß Gibril (die, hä hä, anglisierte Form von Gabriel) der Engel der Botschaft und des Gerichts ist. Ein wenig zu kurz gefaßt also der Engel der Gerichtsbotschaft. Jedenfalls kriegt der Gibril erst das große Lieben und zwar dummerweise zu einer mit einem Industriellen verheirateten Frau: Rekha Merchant, und dann eine tödliche, fallsuchtartige Krankheit, die er nur knapp überlebt, aber dabei jede Form eines Restglaubens verliert.
Was tut ein Muslim, wenn er seinen Glauben verliert? Genau. Frißt Schweinefleisch. Wobei ihm beiläufig eine neue Frau, die Mt.-Everest- Bezwingerin Allelujah Cone antrifft und ihm verklickert, daß das Entscheidende doch sei, daß er sein Leben wiederhabe. Grund genug, in dieser Frau die neue, entscheidende Liebe zu finden. Die verlassene Rekha Merchant besteigt daraufhin den Mega-Wolkenkratzer, in dem sie und Gibril in unterschiedlichen Penthouses wohnen, (natürlich heißt das Gebäude "Everest-Vilas") wirft zunächst ihre beiden Kinder und danach sich selbst in den Tod. Fürderhin begleitet sie, engelsgleich, das Gewissen des Farishta mit ihren Einflüsterungen.
Und da wäre Salahuddin Chamchawala, anglisiert Saladin Chamcha, der zweite Held. Aus gutem Hause, nicht so überkanditelt wie Gibril, kämpft er den Kampf seines Lebens gegen seinen Vater, der ihm zum Über-Vater mutiert. Im Verlauf dessen gelten ihm London und England als die zu erstrebenden Ideale. Dort will er wohnen und dort wohnt er. Und wer je Franz Fanon gelesen hat, versteht ihn.
Natürlich ist seine englische Frau überblond und all so was. Und ein wenig frigid. Und natürlich will Chamcha konservativer und korrekter als der konservativste und korrekteste Engländer sein. Beruflich ist er -- nomen est omen -- Stimmenimitator. Chamcha besucht mal irgendwann wieder Indien und findet in der linken Ärztin Zeeny Vagil eine Partnerin, die ihn entwickelt. Und steigt auf dem Rückflug in die "Bhostan".
Beide, Gibril und Chamcha, mutieren während ihres Sturzes. Gibril bekommt Engelattribute (Heiligenschein), Chamcha teuflische (stinkender Atem, Hörner, riesiges Geschlechtsteil, Haare, Schauergestalt). An der Kanalküste im Haus der uralten Rosa Diamond finden sie Unterschlupf.
Gibril wird der Geliebte der hexenartigen Alten. Chamcha aber wird, indes Gibril konsterniert zuschaut, von Einwanderungspolizisten aufgespürt, geschlagen, gefoltert und schließlich in ein Spezialkrankenhaus für Mutanden gebracht, aus dem er mit Hilfe einer Krankengymnastin ausbricht. Chamchas Frau, Pamala Anderson, sorry: Lovelance wird indessen ihre Prüderie in den Armen von Chamchas linksalternativem Freund Jumpy Joshi los.
Chamcha, von ihr nicht mehr als lebendes Wesen anerkannt, findet Unterschlupf im Ethno- Kaffee Shandaar, wo er solange weiter mutiert, bis er in einer Rap-Disco seinen Haß auf Gibril (den zuschauenden Verräter-Glückspilz) so sehr steigert, daß er, quasi aus der Haut fahrend, seine menschliche Gestalt wieder annimmt.
Gibril indes fährt nach Rosa Diamonds Tod im Zug nach London, findet im Engelswahn seine Allejujah Cone (kommt aus dem Hebräischen und bedeutet: Priester) wieder und lebt mit ihr exzessiven Sex und Eifersucht. Unterbrochen wird die Romanze lediglich dadurch, daß Gibril, immer deutlicher schizophrenierend, der Stadt versucht, per tagelanger Wanderung seine Gerichtsbotschaft beizubiegen.
Und dadurch, daß Chamcha in einem Anfall von Rache und Eifersucht, mittels seiner verstellbaren Stimme perversen Telefonterror gegen das Paar betreibt.
Logisch, daß das Verhältnis immer wieder bricht.
Irgendwann brennt dann Brighton (d.h. Brixton), jener Stadtteil, in dem weiße Arroganz jahrzehntelang farbige Identitäten unterdrückte.
Bei der Gelegenheit rettet Gibril den Chamcha, obwohl er in ihm den Urheber der Anrufe erkennt, vorm sicheren Flammentod. Und bei der Gelegenheit bringen weiße Polizeischergen mal eben Jumpy und Pamela um. Die beiden waren einem Machtzirkel innerhalb der Polizei ein wenig zu nahe gekommen.
Letzter Akt der Story: Wieder in Indien findet Chamcha eine Versöhnung mit seinem Vater, indes Gibril ebendort Allelujah vom Everest stürzt, und sich dann, in Chamchas Haus, eine Kugel in den Kopf schießt, sich so von seinen Schizophrenien befreiend.
Unterbrochen wird diese story von den eigentlichen Geschichten des Buches: Jenen Träumen, die Gibril träumt.
Da ist der Traum, wie er als Engel Gabriel vom Propheten Mohammed (Mahound) zu Offenbarungen gezwungen wird, die ihm selbst, als Ich = Engel, so fremd sind.
Der Prophet -- das wird immer wieder die gleiche Geschichte werden -- benutzt den Offenbarungsengel als Medium für seine Obsessionen, die ihm (immer noch dem Propheten) vorher fremd sind. Offenbarung ist Offenbarung aus den Tiefen des eigenen Ichs, vermittelt durch ein Medium: den Verkünder Engel.
Das ist die eigentlich scharfe Aussage des Buches, die die fundamentalistischen Muslim dem Salman Rushdie übelnehmen. Der Kampf der Offenbarung ist derart intensiv, daß da quasi homoerotische Ambitionen -- "[E]r kommt überall hin, seine Zunge in mein Ohr seine Faust an meine Eier" -- nur Gipfel oder Vorwand sind. Glaubensangreifend ist die These: Die Botschaft kommt nicht von außen. Sie kommt von innen.
Und trotzdem kann man dem Rushdie nicht wirklich solche Aussage vorwerfen. Es bleibt bei ihm ein Rest. Das Ungewisse, das Unerklärbare, das, was vielleicht doch Gott ist. Er subtrahiert nur schon mal das Erklärbare, auch das psychologisch gar zu Durchschaubare weg, um das Übrigbleibende, so gering es auch ist, um so echter stehen zu lassen. Dieser Rest reicht natürlich nicht zu einer Theologie oder gar zu einer Religion. Aber er besteht. Angefochten nicht von Atheisten. Sondern von Religiösen.
Da wird in der Mohammed-Story die Geschichte von den Satanischen Versen ausgebreitet, die jedem besseren Muslim bekannt ist: Als sich die Mekkaner zunächst weigerten, die Idee von einem einzigen Gott gegen ihre vielen Götter aufzunehmen, wurde Mohammed ein Koranvers inspiriert, der drei Tochter- Göttinnen "deren Fürbitte wahrhaft erwünscht ist" denkbar macht. Damit schien der Revolution der Religion die Spitze genommen -- viele Anhänger waren enttäuscht. Mohammend änderte den Vers nach wenigen Tagen in sein Gegenteil. Im Buch ist Mohammeds Widersacher zunächst die Grande Dame Mekkas: Hind, und der Dichter: Baal. Später noch sein einstiger Mitstreiter: Khalid. Baal spottet. Erst mit Versen, später, im Alter, organisiert er einen Puff um, so daß dort ein Spiegel von Mohammeds Harem entsteht. Jede Frau Mohammeds hat im Puff ihr Double, mit dem sich die Männer Mekkas vergnügen können. Baal selbst spielt Mohammed.
Doch Mohammed-Mahound gewinnt schließlich alle Auseinandersetzungen. Und da kommt die zweite Frage: Was passiert, wenn du gewinnst? Mohammed vergibt. Vergibt allen, auch Khalid, auch Hind. Nur Baal und die Huren müssen sterben.
Oder jener andere Offenbarungstraum in der Jetzt-Zeit. Wo im Zimmer eines Londoner Exils jener unsäglich prüde Gelehrte, der Imam, seine Islamische Revolution ausbrütet. Der als einziges Bild, das seiner innig gehaßten Feindin -- wo? -- ja, in seinem innersten Zimmer hat. Der Imam erscheint dem Ajatollah Chomeini etwas zu ähnlich, um so ohne weiteres als schriftstellerische Freiheit durchgehen zu können. Und die Haßliebe, die hier schon mal Aischa (wie die Lieblingsfrau des Propheten bzw. ihre Spiegel-Hure) heißt, könnte doch glatt die Frau des Schahs von Persien sein, deren Schönheit dazumal alle monetäre Welt besang. Auch der Imam bringt den Offenbarungsengel Gibril in seinen Träumen als Medium in seine Gewalt. Er reitet auf ihm zu "seiner Stadt", die er in blutigste Rache-Revolution stürzt. Vor Gibril prahlt er mit der Liebe, die ihm das Volk entgegenbringt, indem es für ihn verblutet und verbluten läßt. Kann schon sein, daß man da nochmal an die zweite Frage denkt, die Mahound noch ein wenig anders beantwortete.
In einem dritten Offenbarungstraum wird Gibril von einem indischen Bauernmädchen gezwungen, ihr beizuschlafen und dabei unterderhand ebenfalls Offenbarungen abzusondern, die Gibril nimmermehr als seine eigenen Botschaften begreift. Das Mädchen, übrigends auch eine Aischa, führt eine Pilger- Bauernhorde vom Landesinneren ans Meer. Dort verspricht sie die Teilung der Wasser, um trockenen Fußes nach Mekka gelangen zu können. Ein vermögender Landbesitzer, Mirza Said, schließt sich dem Zug nur unter ständigen Protest an, weil er so hofft, seine geliebte Frau, die, krebskrank, zu den Gläubigen gehört, aus dem Zug herauszueisen. Und weil er gleichzeitig hoffnungslos jene Aischa begehrt, die -- vom Allerfeinsten -- als gezeigtes Wunder nur von lebenden Schmetterlingen bekleidet ist. Jenes wundersame Schmetterlingsphänomen, die Begleider und Bekleiter der Aischa, wirbelt jenen ganzen unsäglichen Traum hindurch, bis die Gläubigen ins Wasser gehen, und nur der Ungläubige das Wunder nicht erlebt, sondern alle ertrinken sieht. Mirza Said geht als gebrochener Mann nach Hause und findet erst in den Flammen seines Familiensitzes Anschluß an den Sehnsuchts-Glauben der anderen.
Schließlich sei auch jene Rosa Diamond nochmal erwähnt, die Alte am Kanalrand.
Auch sie zwingt Gibril in dessen Träumen zu Offenbarungen. Aber nicht religiöser Art. Sie schreibt, indem sie ihn als Offenbarer benutzt, kurzerhand ihre eigene Geschichte, insbesondere einen Seitensprung in Argentinien, so um, daß aus dem erträumten Leben, erlebtes Leben wird.
Und wenn man jetzt den Überblick noch nicht ganz verloren hat, sollte man sich das Buch nochmal auf gewisse Themenstellungen ansehen, die die Geschichten der Geschichte durcheinanderwirbeln; durchziehen kann man wahrlich nicht sagen.
Das Thema Prophetie und ihre Träger tauchte ja schon reichlich auf. Mit darin enthalten ist bei Rushdies Prophetieverständnis ständig mitschwingend auch das Thema Mutationen, das aber auch selbstständig Seiten füllt.
Menschen mutieren. Nicht nur im Karneval. Sie verändern sich. Und sie werden verändert.
Und im Idealfall werden sie zu ihren Möglichkeiten verändert: Entwicklung! Im gegenteiligen Fall auch. Entwicklung! -- ein zweischneidiger Begriff.
Während des Sturzes aus 8.000 Metern Höhe, im sicheren Tod also, mutieren Saladin und Gibril rasant: Der eine zum scheinbar Guten, der andere zum scheinbar Bösen. "Um wiedergeboren zu werden, mußt du erst sterben" -- der erste Satz des Buches. In den beiden Helden inkarnieren sich Wünsche und Vorstellungen der Menschen.
"Sie beschreiben uns. Das ist alles. Sie haben die Macht der Beschreibung, und wir sind den Bildern unterworfen, die sie sich von uns machen." Das sagt ein anderer Mutand im Krankenhaus zu Saladin Chamcha.
Und das sagt der Psychologe Franz Fanon über das Verhältnis von Kolonisten zu Kolonialisierten. Und das kann jeder halbwegs Farbige mit ein bißchen Sensibilität ausgestattete Mitmensch in "weißen" Ländern erleben. Schon wenn ihm ein wildfremder Mensch an der Bushaltestelle mit gütigem Lächeln einen Zehnmarkschein zustecken will. Fremdbestimmung geht dabei sooft in Selbstbestimmung über -- jedenfalls erfordert es einen Kraftakt der letzteren, sich von der ersteren zu lösen.
Warum wird Chamcha zum Teufel? Wie stabil ist eine solche Mutation? Naturgemäß treiben zunächst ihn diese Fragen peinlicher um, als den Gibril die entsprechenden. Der flüssig latein sprechende Kneipier des Café Shandaar legt ihm zwei Lösungen vor: "Der Große Lukrez beispielsweise sagt in De Rerum Natura das Folgende: quodcumque suis mutatum finibus exit, continuo hoc mors est illius quod fuit ante." Übersetzt heißt das, entschuldigen Sie meine wenig elegante Formulierung: "Was, indem es sich wandelt, seine Grenzen überschreitet"; das heißt, über seine Ufer tritt, oder vielleicht seine Schranken überwindet, gewissermaßen seine eigenen Gesetze mißachtet, aber das ist wohl zu frei, ich überlege gerade... "Dieses Ding", so jedenfalls Lukrez, "bringt dadurch seinem ursprünglichen Wesen sofort den Tod".
Aber der Dichter Ovid vertritt in den Metamorphosen die diametral entgegengesetzte Ansicht. Er behauptet: "So wie weiches Wachs" -- erhitzt etwa für das Versiegeln von Dokumenten oder dergleichen, verstehen Sie -- "mit neuen Mustern versehen wird und seine Form verändert und nicht mehr dasselbe zu sein scheint, so bleibt es doch dasselbe, und das gilt ebenso für unsere Seelen." -- Hören Sie? Unsere Seelen! Unser unsterbliches Wesen! "Sie bleiben dieselben, nehmen auf ihrer Wanderschaft aber stets neue Formen an."
Gibril dagegen wird in Gestalt des "Schöpfungswissenschaftlers" Eugene Dumsday in fundamentalistisch dummdreister, aber dennoch handfest anfragender Art mit den physikalisch-biologischen Aspekten der Mutation konfrontiert: "... wenn die natürliche Selektion der Wahrheit entsprach, wo waren dann die Zufallsmutationen, die ausselektiert wurden? Wo waren die Monsterkinder, die deformierten Babys der Evolution? Die Fossilien blieben stumm. Nirgends dreibeinige Pferde." Und das angesichts der sichtbar und fühlbar, ja auch riechbaren Mutation des Gibril zum Engel und des Chamcha zum Scheitan.
Löst man aber die ganze Entwicklungstheorie von ihrem physikalischen Anspruch ab und legt sie -- wie das im Übrigen schon seit viel längeren von ernst zu nehmenden Theologen mit der Schöpfungstheorie geschieht -- in den Bereich des Mythischen, Märchenartigen, psychologisch Greifenden, dann kommt man um einige plötzliche "Aha"-Erlebnisse kaum mehr herum.
Letztlich ja hatte sich schon Darwin von jenem Bischof inspirieren lassen, dessen Sozialtheorie (Kriege sind notwendig, damit die Besten überleben usw.) er auf die Biologie übertrug. Insofern ist ja Sozialdarwinismus ein von hinten aufgezäumter Begriff.
Und letztlich zeigt das auch das Buch: Die Stärkeren (aus gutem Hause, mit entsprechender Sozialisation und Kapitaldecke im Hintergrund) wie Chamcha -- die überleben. Trotz zeitweiliger Mutation zum Scheitan in der Fremde. Trotz allem Ablöseversuch vom Übervater etc.
Die Schwachen (wie der Essenträger Gibril) gehen drauf, auch wenn sie sich zwischendurch mal als Gott oder Engel fühlen dürfen.
Tja, aber ob uns Rushdie wirklich das sagen wollte? --Reinhard W. Moosdorf
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.