Nach 30 Jahren wieder eine Verfilmung des Klassikers von Kurt Held - das wollte auch ich mir nicht entgehen lassen. Ganz klar: Die Serie aus den Siebziger Jahren mit ihren 13 Folgen kannte ich aus TV und natürlich habe ich auch die DVD-Kollektion als Fan von Zora und eben dieser Serie. Nun war ich gespannt auf das, was Peter Kahane aus dem Stoff gemacht bzw. geschaffen hat.
Was ganz am Anfang sofort auffällt ist die traumhafte Kulisse des Filmes. Hier erkennt man schnell, welche Mühe sich die Filmschaffenden gegeben haben, um den Stoff in eine entsprechend seiner Zeit spielende Umgebung zu legen.
Dass man das gesamte Buch aus dramaturgischen Gründen nicht in 95 Spielfilmminuten unterbringen kann, war mir klar. Doch einiges an sich ist entweder nur Stückwerk geblieben oder wurde zu fatzig behandelt. Spannung kam auch nur an wenigen Stellen auf und vieles wurde mit Humor in gewürzten Zügen unterlegt. Doch die eigentliche Botschaft des Filmes oder Stoffes wurde recht stiefmütterlich behandelt. Leider fehlten einige Figuren aus der Serie oder dem Buch gänzlich, aber wie gesagt: Aus dramaturgischen Gründen musste man einiges weglassen. Und dennoch: Mein Eindruck war, dass man mehr Hauptaugenmerk auf Zora, Branko und Zlata, die Bürgermeistertochter legte, ebenso auf Gorian und Karaman. Duro, Pavle und Nicola kamen mir zu angeheftet weg. Diese Figuren hatten kaum mehr als eine vage Kontur im Ensemble. Hier hätte ich mir wenigstens zwei oder drei Aktionen mehr gewünscht.
Die Rollen von Adort (Gorian) sowie Karaman (Becker) und Horwitz (Bürgermeister) waren gut bis sehr gut. Besonders hat Adorf mir gefallen, der den Gorian mit viel Herzblut und starkem Charakter spielte. Horwitz verkam eher zu einer grotesken Figur, die so überhaupt nicht (zu ihm/ihr) passte und Becker wirkte stellenweise zu durchsichtig, hatte aber auch starke Szenen. Für beide Charaktere hätte ich mir ältere Schauspieler gewünscht, aber gut, Kahane hatte sich ja was dabei gedacht, als er beide besetzte.
Die Kinderdarsteller waren sehr gut bis durchschnittlich. Am besten waren die Charaktere von Zora und Branko. Linn Reusse spielte gegenüber der Serienrolle sehr burschikos und bestimmend und in ihrer Garderobe mit Hemd und Hose sowie Mütze wirkte sie gerade zu fesch und dynamisch. Das war Klasse! Die Rolle des Branko entsprach eher der aus der Serie: jung, verwegen und irgendwo immer auf einem gewissen romantischen Trip wegen Zlata. Am Ende muss man aber schon sagen, dass die jungen Darsteller ihre Rollen gut gespielt haben, auch wenn, wie angesprochen, die ein oder andere tiefer gehende Kontur fehlte.
Aus der Serie hat man nur wenige Spielhandlungen 1:1 übernommen oder dargestellt, vieles wurde aber der künstlerischen Freiheit überlassen und man versuchte, "modern" zu wirken oder es hinzustellen. Für meinen Geschmack war das sehr mutig und das meiste hat mir auch gut gefallen.
Der Film bzw. die DVD ist durchaus zu empfehlen, wenn man keine grossen Ansprüche stellt, was man vom Buch im Detail kennt. Es ist ganz eifnach so, dass vieles was verfilmt wurde, aus dramaturgischen Gründen eben anders aufbereitet wird. Aber das ist beinahe schon normal.
Für einen unterhaltsamen Nachmittag oder Abend, wenn die Langeweile aufkommt, lässt sich der Film durchhaus hergeben. Für mehr aber auch nicht. Die TV-Serie ist mit ihrem kultigen Charme bzw. Status aber immer noch meine Liebste ;-)