Mit der "roten Rakete" beginnt die Tragödie: Ein optisches, wegen seiner Farbe fälschlich abgefeuertes Signal läßt die erste Gruppe von Bergsteigern falsche Schlüsse ziehen, bzw. die Entscheidungen treffen, die beim Abschuß dieser Raketenfarbe vereinbart und vorgesehen waren. Doch das hat fatale Folgen: Am Nanga Parbat wird anders aufgestiegen als vereinbart, und auch der Abstieg erfolgt geändert als geplant. Am Ende reißt eine Eislawine Günther Messner aus dem Leben in den Tod. Reinhold Messner kommt nach Tagen ohne seinen geliebten Bruder, allein, völlig ausgezehrt und "gerade noch so" am Leben vom Berg zurück.
Selbstverständlich kennt man Reinhold Messner. Mir persönlich war er auch sehr bekannt - aber nur dem Namen nach, denn seine Fülle an Expeditionen explizit und en Détail waren es nicht! So mag es vielleicht auch an meinem Jahrgang liegen, daß ich erst kurz vor Lesebeginn erfuhr, daß er nicht nur einen Bruder hatte, sondern auch, daß dieser bei einer gemeinsamen Expedition im Jahre 1970 ums Leben kam.
Das Buch beginnt mit einem überaus langen Vorwort des Autors, das erschrecken kann, wenn man noch keine Ahnung hat, was einen in den kommenden Kapiteln erwartet. Im Hauptteil wird Reinhold Messners Sicht chronologisch erzählt - verteilt auf zwei, drei Ebenen: Während "ein Erzähler" fortan beschreibt, fließen immer wieder Gedankengänge, Persönliches und Empfindungen Messners wie "gerade gelebt" in die Geschichte mit ein. Ergänzt werden die Kapitel durch Mengen an Zitaten verschiedenster Zeitzeugen und Journalisten, bereichert durch ein Mehr an Bildern rund um die EXPEDITION NANGA PARBAT 1970.
Ein hochinteressantes Buch: (Es ist keine Unterhaltungslektüre!) Neben der überaus mitzufühlenden Tragik sollen hier endlich die wahren Hergänge und Ereignisse am Nanga Parbat aufgezeigt werden, die seit der Rückkehr von der Expedition (1970) zunächst der Bekanntgabe untersagt und dann verzerrt und unwahr in die Öffentlichkeit gelangten.
Man ist bewegt, möchte die Geschehnisse nicht wahrhaben, möchte rückwirkend verändern können. Als Laie kann man sich die Weiten und Größen der Berge und den damit verbundenen Anstrengungen dieser Besteigungen nicht ausmalen. Aber das Buch beschreibt sie gut. Selbst wer den Stil ("wie ein Drehbuch geschrieben") nicht mag, das eine oder andere an diesem Buch zu kritisierend findet, kein Bergexperte ist, so bleibt es doch eines ganz sicher: es ist sehr, sehr lesenswert!!
Mir wird es nicht so schnell aus dem Kopf gehen, ich habe die gesamte Geschichte "mitgelebt". - Welch eine Tragödie!! ....