Dieses Buch ist ein klein wenig anders als die anderen Yalom-Romane, die ich alle durchweg sehr wertvoll und empfehlenswert für alle Leser mit Interesse an Psychologie fand. "Die Rote Couch" ist deshalb mein Favorit, weil es in weiten Teilen einen sehr ironischen Blick auf die Institution Psychotherapie wirft, und eigentlich in allen Handlungssträngen eine bis zum gesunden Sarkasmus reichende Überspitzung die Geschichte in Richtung einer sanften Parodie führt. Nicht falsch verstehen, Yalom meint es wie immer absolut Ernst mit der heilenden therapeutischen Arbeit, der offenen und ehrlichen Begegnung. Aber er richtet seinen Blick auch auf Koryphäen und analytische Institute, die durch Hybris und verkrustete Selbstherrlichkeit genauso schnell in einen Strudel menschlicher, allzumenschlicher Kalamitäten geraten wie ihre Klienten. So muss der junge Therapeut Ernest Lash gleich am Anfang einen einstmals als Lichtgestalt verehrten Kollegen in einem Prozess wegen sexuellen Missbrauchs einer Patientin absägen. Im Folgenden führt Yalom durch eine Vielzahl an Psycho-Schauplätzen und Begebenheiten, die sich nicht so sehr wie z.B. "Die Schopenhauer Kur" oder "Als Nietzsche weinte" in der Hauptsache auf eine Begegnung zweier bestimmter Menschen richtet, sondern viele mehr oder weniger tragende Figuren und Handlungsstränge einführt. Lash hilft einem Mann, sich von seiner herrschsüchtigen und jähzornigen Frau zu trennen, diese beschließt daraufhin, sich an Lash zu rächen, indem sie sich "zum Schein" bei ihm therapieren lassen, ihn dann verführen und ihn vor Gericht bringen will. Währenddessen ist Lashs Supervisor in Führungskämpfe an der Analytischen Gesellschaft von San Francisco verwickelt und läßt sich mehr und mehr vom Macht- und Statusdrang beherrschen, was natürlich nicht gut ausgehen kann. Man spürt beim Lesen, dass Yalom all das, was er beschreibt, wohl in seiner langen Praxis in der einen oder anderen Form wirklich so oder so ähnlich erlebt hat, jedenfalls klingt es bei aller Überzeichnung immer noch irgendwie plausibel, und hält den Leser mit Interesse für dieses Gebiet vorzüglich bei Laune.