Hirata durchsucht das Anwesen von Fürst Mori, mit dem Verdacht auf Hochverrat. Was er dabei findet, ist wesentlich schockierender als erwartet, denn in Fürst Moris Schlafgemach sitzt eine völlig verwirrte Reiko, ebenso nackt und blutverschmiert wie der erstochene und entmannte Fürst Mori, über den sie sich beugt. Da Reiko selbst nicht wirklich sagen kann, was passiert ist und was von dem an das sie sich erinnert Wirklichkeit war, sieht es ziemlich schlecht für sie aus. Auch ihr Mann Ichiro kann in seiner Stellung als Kammerherr nicht viel tun um sie zu schützen, noch dazu werden auch ganz schnell Unmengen an Aussagen und absurden Geschichten über ihn laut, die besagen, dass auch er ein Hochverräter ist. Weder der Shogun noch Fürst Matsudaira glauben wirklich an die Unschuld von Reiko und Ichiro, und Hoshina hetzt natürlich gegen sie, so gut er eben kann. Werden jetzt die Köpfe der Beiden wirklich fallen? Sicher nicht, der nächste Band ist in den USA ja schon erschienen, aber wie kommen die Beiden aus, mal wieder, so aussichtslosen Situationen heraus?
Das eigentliche Thema dieses Romans ist Pädophilie im alten Japan, dabei kommt mir aber nicht genug heraus, dass Homosexualität, auch mit Jugendlichen, in Japan eigentlich nichts Schlimmes war, echte Pädophilie aber überhaupt nicht angesehen war. Kinder in Bordellen waren zwar nicht unüblich, schließlich muss ja auch der frisch eingekaufte Nachwuchs an die zukünftige Arbeit herangeführt werden, aber normal wären sie nie im Angebot für sexuelle Dienste gewesen, wie es in Frau Rowlands "Blasrohrstand" scheinbar normal ist. Aber Pädophilie gab es immer und ich befürchte, die wird die Menschheit auch nicht so bald ausgerottet bekommen, somit kann man den "Blasrohrstand" wohl als ausgesprochene Ausnahme ansehen.
Da Yanagisawa aber langsam wieder auf dem Spielplan des Romans auftaucht, habe ich das Gefühl, dass auch Frau Rowland bemerkt hat, dass Ichiro auf dem Platz des Kammerherrn keine so gute Wahl war und nicht mehr genug glaubhaften Stoff für weitere Romane liefern kann, denn immer eine Ausrede zu finden, damit er wieder Ermittler spielen kann, das ist auf die Dauer nichts Halbes und nichts Ganzes. Andererseits macht sie einen Schritt weiter ins unsinnig Übernatürliche mit Hirata, denn der lernt jetzt eine mystisch überzogen dargestellte Dim-Mak Version um einen Ausgleich für sein verletztes Bein zu haben. Auch wenn Ichiro am Ende dieses Romans endlich mal feststellt, dass der Bushido, der Ehrenkodex der Samurai, eben nur eine auslegungsfähige "Richtlinie" ist, die man niemals voll erfüllen kann, war Ichiro mir als treu-doofer Trottel, der immer versucht dem Bushido treu zu bleiben, lieber, als wie der Griesgram am Ende dieses Romans. Humor hat übrigens auch noch immer niemand von Frau Rowlands Protagonisten entwickelt, was zu schade ist, bei dem trockenen japanischen Humor, der zu der Zeit üblich war und der früher auch gelegentlich bei Yanagisawa mal anklang, somit bleiben mal wieder alle gewohnt steif dargestellt.
Ich habe langsam das Gefühl, dass die Autorin von dieser Serie ein wenig übersättigt ist und nicht mehr mit dem gleichen Elan schreibt wie früher einmal, andererseits habe ich schon öfter gedacht, dass ihr die Luft ausgeht und sie hat sich doch wieder gefangen. Vielleicht hatte sie auch einfach nur Zeitnot, es zum vereinbarten Termin fertig zu bekommen, denn als sie es schrieb fegte ja Kathrina über ihren Wohnsitz New Orleans, was sie sicherlich aus dem gewohnten Trott gebracht hat. Dieses Buch bleibt also etwas arg verworren, ist historisch noch unglaubwürdiger als die meisten Vorgänger (Frei nach: In Japan wäre das nicht passiert!), aber trotzdem recht spannend, obwohl ihre Protagonisten noch immer wie fremdländische Schachfiguren auf ihrem Japan-Spielbrett erscheinen, aber wen das in den früheren Romanen nicht so sehr gestört hat, wird auch in diesem Roman damit leben können. Am Ende gibt es nur einen kleinen Logikfehler (Reikos Dolch, der ihr am Anfang runterfällt und dann an ihrem Arm entdeckt wird.), ansonsten wurden tatsächlich alle Verwicklungen auch aufgeklärt. Für einen Unterhaltungsroman ist er wirklich nicht schlecht, aber als Historische Romane darf man die ganze Serie nicht bewerten, dafür guck ich dann auch weitaus lieber "Fuurin Kazan" auf der Mattscheibe, auch wenn da nicht so herrlich effekthascherisch in Tabuthemen rumgewühlt wird.
Fazit: Durchaus spannender als der letzte Band, aber scheinbar unter Zeitdruck geschrieben und dadurch erscheint er nicht so wohl überlegt, flüchtig recherchiert und ziemlich verworren. Da ich bei Unterhaltungsromanen Spannung recht hoch bewerte, gleicht es sich irgendwie aus, daher erhält dieser Band ebenfalls 3 Sterne von mir.