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Die rote Antilope: Roman
 
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Die rote Antilope: Roman [Gebundene Ausgabe]

Henning Mankell , Verena Reichel
4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (21 Kundenrezensionen)
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Henning Mankell ist bei uns vor allem als Autor düsterer Kriminalromane bekannt. In diesem neuen Roman widmet sich der in Moçambique lebende Schwede seinem zweiten großen Thema: Afrika.

Die rote Antilope erzählt, wie Henning Mankell in seinem Nachwort schreibt, von dem, "was hätte geschehen können". Durchaus denkbar, dass sich ein junger Schwede ohne Talente 1877 nach Kapstadt einschiffte, um seinem mittelmäßigen Leben einen Sinn zu geben. Hans Bengler hat den Vorsatz, in Afrika ein unbekanntes Insekt zu entdecken und damit unsterblich zu werden. Doch er kehrt nicht nur mit einem Koffer voller toter Insekten, sondern auch in Begleitung eines kleinen Jungen in sein Heimatland zurück. Das Kind -- Bengler nennt es Daniel -- hat ein Massaker überlebt, das deutsche Marodeure an seiner Sippe verübt haben.

Mit den besten Vorsätzen nimmt Bengler den Jungen an Sohnes statt an. Doch Daniel muss als Anschauungsobjekt auf Benglers Vortragsreise durch die schwedische Provinz herhalten. Als sein Pflegevater mit dem Gesetz in Konflikt gerät, kommt Daniel zu einem kinderlosen Bauernpaar. In der streng protestantischen Gemeinde soll er zum Christentum bekehrt werden. Angeregt durch die biblische Geschichte beschließt er zu lernen, wie Jesus auf dem Wasser zu gehen, um über das Meer nach Afrika zurückzukehren. Denn Daniel hat in der Fremde nur ein Ziel vor Augen: den Auftrag seines Vaters zu erfüllen und die von diesem begonnene Felszeichnung, die dem Roman den Titel gibt, zu vollenden.

Die rote Antilope ist ein trauriges und nachdenklich stimmendes Buch. Dem Leser bleibt letztlich als Trost nur der versöhnliche Epilog und die Hoffnung, dass Engstirnigkeit und falsch verstandene Menschenliebe im Verhältnis Europas zu Afrika heute zumindest in Teilen überwunden sind. --Anna Hochsieder

Pressestimmen

"Es ist ein Buch, das einen mit abgrundtiefer Traurigkeit erfüllt und zugleich eines, das man nicht aus der Hand legen kann. ... Mankell erzählt diese Geschichte mit betörender Eindringlichkeit, in Bildern und Sequenzen von jener durchsichtigen Klarheit, wie Träume sie haben. Susanne Mayer, Die Zeit, 32/01 "Das Buch ist eine Geschichte über das Heimweh. Über die Sehnsucht, zu seinen Wurzeln zurückzukehren, dort zu sein, wo man zu Hause ist. (...) Das Buch hat für mich eine ganz besondere Bedeutung (...) Ich erkannte plötzlich, dass die Geschichte dieses einsamen Buben meine eigene war. Ich hatte über mich selbst geschrieben, ohne es zu merken." Henning Mankell

Kurzbeschreibung

Eine Geschichte über das Heimweh und ein erschütterndes Gleichnis über die Wurzeln des Fremdenhasses.

»Ich sehe den Jugen vor mir, mutterseelenallein auf den lehmigen Äckern in Schonen, im Nebel. Wie er dasteht und horcht nach den Trommeln in der Ferne …« (Henning Mankell)

Im Jahre 1877 findet der schwedische Foschungsreisende Hans Bengler am Rande der Kalahariwüste einen verwaisten Eingeborenenjungen und beschließt, für ihn zu sorgen. Dazu muß er ihn nach Europa mitnehmen. Doch obwohl Daniel (der eigentlich Molo heißt) die schwedische Sprache rasch versteht, wird er sich in diesem kalten Land nie heimisch fühlen. Er muß Schuhe tragen, an Türen klopfen und sich pausenlos anstarren lassen: die meisten Schweden haben nie zuvor einen Schwarzen gesehen.

Als sein Ziehvater mit dem Gesetz in Konflikt gerät, kommt Daniel zu einem kinderlosen Bauernpaar, wo man ihn zum Christentum bekehren will. Angeregt durch die biblische Geschichte, beschließt er zu lernen, wie Jesus auf dem Wasser zu gehen, um über das Meer nach Afrika zurückzukehren. Doch diese Sehnsucht wird ihm zum Verhängnis. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .

Der Verlag über das Buch

»Es ist ein Buch, das einen mit abgrundtiefer Traurigkeit erfüllt und zugleich eines, das man nicht aus der Hand legen kann. ... Mankell erzählt diese Geschichte mit betörender Eindringlichkeit, in Bildern und Sequenzen von jener durchsichtigen Klarheit, wie Träume sie haben.« Susanne Mayer, Die Zeit, 32/01

»“Die rote Antilope“ ist ein schön geschriebener, durchaus melancholischer Roman, den es sich zu lesen lohnt.« Giessener Anzeiger

»Dies ist die Geschichte von Molo, dem schwarzen Kind, das im 19. Jahrhundert von einem wohlmeinenden Weißen nach Schweden gebracht wird und sich dort nach seiner afrikanischen Heimat zu Tode sehnt. Der Autor beschreibt es so: „Das Buch erzählt eine Geschichte über das Heimweh. Über die Sehnsucht, zu seinen Wurzeln zurückzukehren. Es hat für mich eine ganz besondere Bedeutung: Ich erkannte plötzlich, dass die Geschichte dieses einsamen Buben meine eigene war. Ich hatte über mich selbst geschrieben, ohne es zu merken.« AOL

»Das Buch ist eine Geschichte über das Heimweh. Über die Sehnsucht, zu seinen Wurzeln zurückzukehren, dort zu sein, wo man zu Hause ist. (...) Das Buch hat für mich eine ganz besondere Bedeutung (...) Ich erkannte plötzlich, dass die Geschichte dieses einsamen Buben meine eigene war. Ich hatte über mich selbst geschrieben, ohne es zu merken.« Henning Mankell -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .

Umschlagtext

"Mit seinem poetischen Realismus vermittelt Henning Mankell mehr vom wahren Kern Afrikas als mehrere Wochen Tagesberichterstattung." (Elmar Krekeler, Die Welt)

Über den Autor

Henning Mankell, geboren 1948 in Härjedalen, ist einer der angesehensten und meistgelesenen Schriftsteller in Schweden. Seit Ende der sechziger Jahre ist er als Autor, Theaterregisseur und Intendant tätig. Allein in Deutschland erreicht die Gesamtauflage seiner Bücher mittlerweile 11 Millionen. Seine Bücher wurden bisher in über 20 Sprachen übersetzt. Für sein umfangreiches Werk erhielt Mankell zahlreiche Preise, u.a. von der Schwedischen Akademie für Kriminalliteratur, den Deutschen Jugendbuchpreis (1993), den Astrid-Lindgren-Preis (1996), die Corinne 2001 und 2002 sowie den Deutschen Bücherpreis (2003). Henning Mankell lebt in Maputo, Mosambique, wo er das Teatro Avenida leitet. Mehrere der Wallander-Romane wurden verfilmt. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Bengler schenkte sich ein Glas Portwein ein, um sich selber für die Zukunft Mut zu machen und um zu feiern, daß der Kohlenschlepper auf der Reise von Rouen nicht untergegangen war. Von draußen hörte man ein zischendes Geräusch und Kinder, die lachten. Er saß mit dem Glas in der Hand auf dem knarrenden Bett, als Daniel plötzlich aufstand und zum Fenster ging. Bengler war schon halb auf dem Sprung, weil er fürchtete, Daniel würde sich hinausstürzen. Aber der Junge ging ganz langsam, fast schleichend, als wäre er auf der Jagd und nähere sich vorsichtig einer Beute. Bengler sah, wie er am Fenster stehenblieb, halb hinter der Gardine versteckt, und beobachtete, was auf dem Hof geschah. Er stand da und rührte sich nicht. Behutsam erhob sich Bengler vom Bett und stellte sich neben ihn.
Unten auf dem Hof hüpften zwei Mädchen seil. Sie waren ungefähr im gleichen Alter wie Daniel. Eins von den Mädchen war dick, das andere sehr schmal. Sie hatten ein Seil, vielleicht eine Schot von einem Segelboot, die sie in der passenden Länge abgeschnitten hatten. Sie wechselten sich beim Hüpfen ab, lachten, wenn sie stolperten, und fingen dann wieder von vorn an. Lange stand Daniel ganz still, wie erstarrt. Bengler beobachtete ihn und versuchte sein aufmerksames Betrachten des Spiels auf dem Hof zu deuten.
Dann drehte sich Daniel zu ihm um, sah ihm direkt in die Augen, und in seinem Gesicht sprang ein Lächeln hervor.

Es war das erste Mal, daß Bengler seinen Adoptivsohn lächeln sah. Ein Lächeln, das kein Grinsen war, keine aufgesetzte Maske, sondern ein Lächeln, das von innen kam. Für Bengler war es, als wäre ein lange erwartetes Wunder endlich geschehen. Jetzt hatte Daniel endlich die unsichtbaren Trosse gekappt, die ihn an den Verschlag in Anderssons Handelsstation banden. Trosse, die ihn an Erinnerungen fesselten, von denen Bengler nichts wußte, außer daß Blut und Grauen darin vorkamen, tote Menschen, zerhackte Gliedmaßen, verzweifelte Schreie und danach die Stille, in der nur der Sand zu hören war, der in der Wüste rieselte.
Sie gingen hinunter auf den Hof. Die Mädchen hörten sofort mit dem Seilhüpfen auf, als sie Daniel erblickten. Bengler wurde klar, daß sie noch nie einen schwarzen Menschen gesehen hatten. Er wußte, daß es eine Schuhcreme gab, deren Deckel ein Mohr mit dicken Lippen und einem Grinsen im Gesicht schmückte. Aber jetzt entdeckten die kleinen Mädchen, daß es den schwarzen Menschen in Wirklichkeit gab. Auf diesem schmutzigen Hinterhof dämmerte es Bengler, daß er gerade Zeuge von etwas wurde, das vielleicht eine neue Aufgabe für ihn bereit hielt. Den unaufgeklärten Schweden zu zeigen, daß es tatsächlich Menschen gab, die schwarz waren. Lebende Menschen, keine Dosendeckel.
Sogleich fing er ein Gespräch mit den Mädchen an. Sie waren ärmlich gekleidet, und vom emsigen Hüpfen rochen sie stark nach Schweiß. Er fragte, wie sie hießen, und verstand nur mit Mühe, was sie sagten. Die eine, die Magere, hieß Anna, und die Dicke hieß vielleicht Elin oder möglicherweise Elina. Bengler erklärte, der Junge neben ihm heiße Daniel, komme aus einer fernen Wüste in Afrika und sei gerade erst in Simrishamn eingetroffen.
- Was macht er hier? fragte das Mädchen, das Anna hieß.
Bengler blieb ihr die Antwort schuldig. Auf diese simple Frage wußte er plötzlich nichts zu erwidern.
- Er ist vorübergehend in Schweden zu Besuch, sagte er schließlich.
Er war sich unsicher, ob die Mädchen überhaupt verstanden, was er sagte. Er sprach einen ausgeprägten småländischen Dialekt.
- Wieso hat er so krause Haare? Hat er sie gekräuselt? Es war immer noch das Mädchen namens Anna, das fragte.
- Sie sind von Natur aus kraus, erwiderte Bengler.
- Darf man sie anfassen?
Bengler betrachtete Daniel. Er lächelte immer noch. Dann nickte Bengler. Vorsichtig näherten sich die Mädchen und berührten Daniels Kopf. Bengler war ständig auf der Hut, als würde er auf einen Hund aufpassen, der ohne Vorwarnung aggressiv werden und beißen könnte. Aber Daniel lächelte. Als das dicke Mädchen, das vielleicht Elin hieß, ihm die Hand auf den Kopf legte, streckte er selber die Hand aus und zog vorsichtig an ihren mausfarbenen Haaren. Sie stieß einen spitzen Schrei aus und machte einen Satz zur Seite. Daniel lächelte weiter.
- Er möchte euch gern beim Seilhüpfen zusehen, sagte Bengler. Könnt ihr es ihm nicht zeigen?
Die Mädchen hüpften. Als die Dicke stolperte, fing Daniel an zu lachen. Es war ein heftiges Lachen, das tief aus dem Inneren aufstieg, ein aufgestauter Vulkan, der endlich zum Ausbruch kam.
- Kann er hüpfen?
Bengler nickte Daniel zu und deutete auf das Seil. Ohne zu zögern nahm Daniel es in die Hand. Er sprang federleicht, machte Doppelsprünge und schlug in raschem Tempo das Seil vorwärts und rückwärts. Bengler war völlig verblüfft. Er wäre nie darauf gekommen, daß Daniel seilhüpfen konnte. Dieses Erlebnis erfüllte ihn mit Scham. Hatte er sich eigentlich vorgestellt, daß Daniel etwas anderes beherrsch-te als Schweigen und Verschlossenheit? Hatte er ihn nicht selbst eher als Tier betrachtet denn als Menschen?
- Er schwitzt ja nicht mal, schrie die Dicke.
Daniel hüpfte weiter. Und er schien nicht müde zu werden. Bengler überkam ein Gefühl, als würde Daniel nicht wirklich auf und ab hüpfen, sondern als sei er irgendwohin auf dem Weg, als würde er in Wirklichkeit rennen.
Er ist zurück in der Wüste, dachte Bengler. Dort ist er. Nicht hier, auf einem verdreckten Hinterhof in Simrishamn.

Auszug aus Die rote Antilope. von Henning Mankell. Copyright © 2001. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Bengler schenkte sich ein Glas Portwein ein, um sich selber für die Zukunft Mut zu machen und um zu feiern, daß der Kohlenschlepper auf der Reise von Rouen nicht untergegangen war. Von draußen hörte man ein zischendes Geräusch und Kinder, die lachten. Er saß mit dem Glas in der Hand auf dem knarrenden Bett, als Daniel plötzlich aufstand und zum Fenster ging. Bengler war schon halb auf dem Sprung, weil er fürchtete, Daniel würde sich hinausstürzen. Aber der Junge ging ganz langsam, fast schleichend, als wäre er auf der Jagd und nähere sich vorsichtig einer Beute. Bengler sah, wie er am Fenster stehenblieb, halb hinter der Gardine versteckt, und beobachtete, was auf dem Hof geschah. Er stand da und rührte sich nicht. Behutsam erhob sich Bengler vom Bett und stellte sich neben ihn. Unten auf dem Hof hüpften zwei Mädchen seil. Sie waren ungefähr im gleichen Alter wie Daniel. Eins von den Mädchen war dick, das andere sehr schmal. Sie hatten ein Seil, vielleicht eine Schot von einem Segelboot, die sie in der passenden Länge abgeschnitten hatten. Sie wechselten sich beim Hüpfen ab, lachten, wenn sie stolperten, und fingen dann wieder von vorn an. Lange stand Daniel ganz still, wie erstarrt. Bengler beobachtete ihn und versuchte sein aufmerksames Betrachten des Spiels auf dem Hof zu deuten. Dann drehte sich Daniel zu ihm um, sah ihm direkt in die Augen, und in seinem Gesicht sprang ein Lächeln hervor.

Es war das erste Mal, daß Bengler seinen Adoptivsohn lächeln sah. Ein Lächeln, das kein Grinsen war, keine aufgesetzte Maske, sondern ein Lächeln, das von innen kam. Für Bengler war es, als wäre ein lange erwartetes Wunder endlich geschehen. Jetzt hatte Daniel endlich die unsichtbaren Trosse gekappt, die ihn an den Verschlag in Anderssons Handelsstation banden. Trosse, die ihn an Erinnerungen fesselten, von denen Bengler nichts wußte, außer daß Blut und Grauen darin vorkamen, tote Menschen, zerhackte Gliedmaßen, verzweifelte Schreie und danach die Stille, in der nur der Sand zu hören war, der in der Wüste rieselte. Sie gingen hinunter auf den Hof. Die Mädchen hörten sofort mit dem Seilhüpfen auf, als sie Daniel erblickten. Bengler wurde klar, daß sie noch nie einen schwarzen Menschen gesehen hatten. Er wußte, daß es eine Schuhcreme gab, deren Deckel ein Mohr mit dicken Lippen und einem Grinsen im Gesicht schmückte. Aber jetzt entdeckten die kleinen Mädchen, daß es den schwarzen Menschen in Wirklichkeit gab. Auf diesem schmutzigen Hinterhof dämmerte es Bengler, daß er gerade Zeuge von etwas wurde, das vielleicht eine neue Aufgabe für ihn bereit hielt. Den unaufgeklärten Schweden zu zeigen, daß es tatsächlich Menschen gab, die schwarz waren. Lebende Menschen, keine Dosendeckel. Sogleich fing er ein Gespräch mit den Mädchen an. Sie waren ärmlich gekleidet, und vom emsigen Hüpfen rochen sie stark nach Schweiß. Er fragte, wie sie hießen, und verstand nur mit Mühe, was sie sagten. Die eine, die Magere, hieß Anna, und die Dicke hieß vielleicht Elin oder möglicherweise Elina. Bengler erklärte, der Junge neben ihm heiße Daniel, komme aus einer fernen Wüste in Afrika und sei gerade erst in Simrishamn eingetroffen. - Was macht er hier? fragte das Mädchen, das Anna hieß. Bengler blieb ihr die Antwort schuldig. Auf diese simple Frage wußte er plötzlich nichts zu erwidern. - Er ist vorübergehend in Schweden zu Besuch, sagte er schließlich. Er war sich unsicher, ob die Mädchen überhaupt verstanden, was er sagte. Er sprach einen ausgeprägten småländischen Dialekt. - Wieso hat er so krause Haare? Hat er sie gekräuselt? Es war immer noch das Mädchen namens Anna, das fragte. - Sie sind von Natur aus kraus, erwiderte Bengler. - Darf man sie anfassen? Bengler betrachtete Daniel. Er lächelte immer noch. Dann nickte Bengler. Vorsichtig näherten sich die Mädchen und berührten Daniels Kopf. Bengler war ständig auf der Hut, als würde er auf einen Hund aufpassen, der ohne Vorwarnung aggressiv werden und beißen könnte. Aber Daniel lächelte. Als das dicke Mädchen, das vielleicht Elin hieß, ihm die Hand auf den Kopf legte, streckte er selber die Hand aus und zog vorsichtig an ihren mausfarbenen Haaren. Sie stieß einen spitzen Schrei aus und machte einen Satz zur Seite. Daniel lächelte weiter. - Er möchte euch gern beim Seilhüpfen zusehen, sagte Bengler. Könnt ihr es ihm nicht zeigen? Die Mädchen hüpften. Als die Dicke stolperte, fing Daniel an zu lachen. Es war ein heftiges Lachen, das tief aus dem Inneren aufstieg, ein aufgestauter Vulkan, der endlich zum Ausbruch kam. - Kann er hüpfen? Bengler nickte Daniel zu und deutete auf das Seil. Ohne zu zögern nahm Daniel es in die Hand. Er sprang federleicht, machte Doppelsprünge und schlug in raschem Tempo das Seil vorwärts und rückwärts. Bengler war völlig verblüfft. Er wäre nie darauf gekommen, daß Daniel seilhüpfen konnte. Dieses Erlebnis erfüllte ihn mit Scham. Hatte er sich eigentlich vorgestellt, daß Daniel etwas anderes beherrsch-te als Schweigen und Verschlossenheit? Hatte er ihn nicht selbst eher als Tier betrachtet denn als Menschen? - Er schwitzt ja nicht mal, schrie die Dicke. Daniel hüpfte weiter. Und er schien nicht müde zu werden. Bengler überkam ein Gefühl, als würde Daniel nicht wirklich auf und ab hüpfen, sondern als sei er irgendwohin auf dem Weg, als würde er in Wirklichkeit rennen. Er ist zurück in der Wüste, dachte Bengler. Dort ist er. Nicht hier, auf einem verdreckten Hinterhof in Simrishamn.

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