Joschka Fischer, man mag von ihm halten was man möchte, legt mit den "rot-grünen Jahren" den ersten Teil seiner politischen Autobiographie, ein durchaus gelungenes Werk vor. Inhaltlich bezieht sich das Buch, wie der Untertitel verrät, auf die "Deutsche Außenpolitik vom Kosovo bis zum 11. September" - womit schon der Grundstein - für die dann auch 2011 publizierte - Nachfolgebiographie gelegt ist.
Das Buch mag aus zweierlei Gründen zu überzeugen: 1)das Buch ist für den hiesigen politisch-autobiographischen Markt ein kleines Novum. In Amerika mag man derlei von Größen wie Clinton (ausführlich) oder Kissinger (sehr ausführlich!) kennen, aber in Deutschland sind solcherlei persönliche Einblicke in das Politikgeschehen doch eher selten geblieben; sieht man von dem unliebevoll und all zu schnell zusammengeschusterten Sujet Gerhard Schröders ab (2006).
Das Buch ist aber auch 2) gelungen, weil Joschka Fischer, gefeiert als smpathischer und bekehrter Alt-68er, gleichwohl finassierender Außenminister, sehr selbstkritisch zu schreiben vermag. Wir finden auch hier selbstbewusst-arrogante Satzbausteine à la "Ich wusste von Anfang an, dass" oder "Ich war schon immer der Auffassung, dass...", diese aber werden garniert mit zum Teil selbstkritischen Einsichten: etwa dem chaotischen Beginn dieser rot-grünen Koalition, eigenen, persönlichen Fehlern und Naivitäten. Fischer geht auch hier oft auf persönliche Friktionen ein, etwa zu grünen "Parteigenossen" wie Werner Schulz oder auch Hans-Christian Ströbele. Was im zweiten Teil (I am not convinced!), der die Jahre nach 9/11 und dem Irak-Krieg beschreibt, hier aber schon kursorisch erwähnt wird: Fischers schwieriges Verhältnis zu seiner Partei; seine Genervtheit im Hinblick auf ellenlange, seiner Sicht nach unnötig ausufernde Debatten zwischen "Pragmatikern" und "Fundi-Linken".
Gewöhnungsbedürftig ist seine "Schreibe", die sich sicherlich nicht mit der eines gekonnten Historikers oder versierten Redenschreibers messen kann (so findet das Wörtchen "Gewiss" eine geradezu inflationäre Verwendung), aber durchaus dem Anspruch der Deskription ereignisreicher Regierungsjahre gerecht wird.
Abseits der politischen Einstellung, welche man auch immer einzunehmen vermag, eine durchaus inhaltlich ausgewogene, nicht zu apolegetisch daherkommende politische Autobiographie, die auf persönliche Randnotizen - gottlob - zu verzichen weiß.