Marko Theunissen ist ein durch und durch unaufdringlicher Held, ein romantischer Nostalgiker, der gerne in der Vergangenheit schwelgt, und was die Zukunft angeht, vor sich hin sinniert.
In dem Roman >Die romantischen Jahre< geht es um eben diesen Marko, der statt sein Literaturstudium sinnvoll zu nutzen bei der Rheinischen Versicherung als Vertreter gelandet ist. Er lebt auf dem Land im Niederrheinischen, kümmert sich um die kleine Johanna, die täglich bei ihm auf der Treppe sitzt, fängt eine Affäre mit einer verheirateten Frau aus seinem Kundenbestand an, und macht sich nebenbei Gedanken um seine Familie, insbesondere seinen senil werdenden Vater. Als ein mieser Vertreterkollege ihm das Leben schwer macht, ist es vorerst vorbei mit den bequem eingerichteten Lebensumständen.
Paul Ingendaay erzählt in seinem Roman vor sich hin, fängt den Alltag nebst der grauen Realität treffend ein; dabei beschreibt er wenig romantisch, dafür aber leicht ironisch das Leben des Versicherungsvertreters Marko in ausführlichen Einzelheiten. Was den Autor auszeichnet ist seine scharfe Beobachtungsgabe. Dabei nimmt er den Berufsstand als Sinnbild für Seriosität und Langeweile, sowie als Plattform für die zerplatzten Lebensträume seines Helden Marko. Kleinhoeck, der Ort des Geschehens, wird zum Symbol des Kleinbürgerlichen. Sinnfragen nach dem Berechenbaren in den Wechselfällen des Lebens, dem richtigen Zeitpunkt für das Leben und dem Leben an sich geben der Handlung Tiefe. Witzig sind die Tierreime (die Marko der kleinen Jo zuliebe reimt) und mitten in der Erzählung eingestreut sind: "Der Hase steckt in einer schwierigen Phase."
>Die romantischen Jahre< ist eine muntere Erzählung mit alltäglichem, fast banalem Inhalt. Das Buch liest sich allerdings etwas zäh. Nicht nur, weil in der Welt der Versicherungen und Schadensfälle alles seine Ordnung haben muss, sondern auch deswegen, weil man beim Lesen in eine andere Welt eintauchen möchte. Eine Welt die fesselt und ermöglicht, eben aus dem Alltäglichen auszubrechen.
Somit kann ich den Roman nur bedingt empfehlen. Für alle Leser des vorangegangen Buches aus der Feder des Autors ist der Werdegang von Marko ein lesbare Fortsetzung, für alle Neueinsteiger (wie mich) nicht unbedingt ein Muss.