Vor Jahren sind wir, ich muss es zugeben, mit Heinrich Bölls Irischem Tagebuch unter dem Arm oder besser im Koffer nach Irland gereist und unsere Erwartungen und Sehnsüchte wurden übertroffen: Die Menschen, die Musik, die Schafe, die hinter jeder Ecke lauerten, Bed & Breakfast, all das führte dazu, dass wir noch viele Male nach Irland reisten. Hamilton stellt nun in seinem Buch die Erfahrungen und Erlebnisse der frühen Jahre (Böll'schen Jahre) mit der heutigen Zeit gegenüber. Er beschreibt den gesellschaftlichen Wandel. Vom Leid, dem Mitleid, dem Freiheitskampf als gesellschaftlicher Grundströmung bis zur heutigen Gesellschaft der Boomjahre. Obwohl das Buch lange vor der derzeitigen Wirt-schaftskrise geschrieben wurde, erahnt man hinter dem rasanten Aufschwung, den raschen Absturz. "Die Iren genießen ihre materielle Freiheit, aber ich frage mich manchmal, ob sie wissen, was sie sich damit antun. Die Bürger sind europaweit am zweihöchsten verschuldet. ... Ob die Bürger von Mayo auch nur den Preis aber nicht den Wert der Dinge kennen würden." Noch heute signalisiert man mit einer schlichten Kopfbewegung, mit nicken, eine Vertrautheit. Das war damals für uns befremdlich, aber gewöhnt haben wir uns schnell daran, hatten aber immer die Befürchtung, wir könnten "falsch" nicken. Und wer etwas über "comhar" (die Wurzel des irischen Wortes für Nachbar) erfahren möchte lese die Seiten 56/57 der Taschenbuchausgabe. "Vielleicht sind es ja die Hunde von Dookinella, die uns zurufen: Wartet nicht zu lange mit eurem nächsten Besuch." Hugo Hamilton, hat, wie im Klappentext beschrieben, ein irisches und ein deutsches Bein. Das deutsche Bein hat dem irischen Bein eine Liebeserklärung bereitet. Auf jeden Fall hüpfen beide Beine vor Freude.