Hier schreibt einer, der nichts mehr zu verlieren hat. Weil er alles verlor, was sein Leben lebenswert machte.
Es bleibt auch nach der Lektüre unklar, was schwerer wiegt. Der Verlust der eigenen Gesundheit oder der verlorene Glaube an soldatische Ideale und Vorbilder, an ein System, dem er einst angesichts der deutschen Flagge treues Dienen versprach und das ihn und viele andere schmählich im Stich lässt.
Dennoch ' hier vollzieht sich keine Abrechnung, hier klingt weder Bitterkeit noch Sarkasmus durch.
Hier wird hoch brisante und bis dato der Öffentlichkeit so nicht bekannte Hintergrundinformation über unsere Armee, deren Auslandseinsätze und wichtige politische Verhältnisse geboten, untermauert durch sorgfältig recherchierte Fakten, Zitate und Zahlen, und deren Nachweise.
Vereint wird das Ganze sehr beeindruckend mit der einfühlsamen Darstellung menschlicher Schicksale, dabei lebendig geschrieben, fast möchte man sagen, unterhaltsam, wenn es nicht so traurig wäre.
Aber man meint, dabei zu sein, daneben zu stehen, wenn hier erzählt wird von Anschlägen, von Handgranaten, von Kalaschnikows, von Blut und Beinahe-Sterben, und immer wieder davon, an die Wand, ins Leere zu laufen, mit allen Bemühungen und Bitten um Unterstützung der Führungsebene, Unterstützung nicht nur in Bezug auf Ausrüstung, sondern auch taktisch und vor allem auch psychisch, emotional, vor, aber vor allem während und nach dem Einsatz.
Manches mag dramatisch anmuten, die Träume, die beschrieben werden, das reale Zittern der Hände, die Unfähigkeit, einen Zug zu besteigen, die 'inneren Verrücktheiten', die 'kalten und die heißen Traumatage' ' aber der Leser mag versichert sein, von einer, die auch da war, die es erlebte: Hier ist nichts beschönigt, auch nichts dramatisiert.
Hier wird authentisch und wahr beschrieben, wie es ist dort im Einsatz. Wie man sich fühlt, wie es einem deutschen Soldaten ergehen kann und wie sehr alleine man sein kann, in unserem Sozialstaat, in unserem Land, das ein zivilisiertes, humanitäres sein will und doch seine eigenen Soldaten im Stich lässt.
Sehr berührend für mich, die ich vor Ort war, auch die Fotos mit ihren Erklärungen. Auch hier kann ich jedes Wort unterschreiben, ja, so war es, so ist es noch.
Ein Sachbuch über Menschen, kaum sachlich zu halten, dennoch äußerst wohl gelungen.
Mit vielem Dank für dieses Buch und mit großem Respekt vor Dir, Andreas.
Heike Groos, Autorin von
Ein schöner Tag zum Sterben: Als Bundeswehrärztin in Afghanistanund Herausgeberin von
Das ist auch euer Krieg: Deutsche Soldaten berichten von ihren EinsätzenNachbemerkung und Anmerkung für den geneigten Leser dieser Rezension: ja, ich kenne Herrn Timmermann-Levanas, wie könnte ich nicht. Die Bundeswehr ist klein, sie kann wie eine Familie sein und Kameradschaft endet nicht mit dem Ende der Dienstzeit.
Ich hätte diese Rezension auch anonym verfassen können, ich tue es nicht. Wir verstehen uns als Autoren der heutigen 'Afghanistanliteratur' nicht als Konkurrenten, wir stehen zusammen, auch mit anderen, an dieser Stelle nicht genannten Autoren ähnlicher Bücher.
Wir stehen zusammen als Kameraden, als Veteranen, deren Ziel nicht primär wirtschaftlicher Natur ist, sondern wir wollen Sie, unsere Leser, Sie, unsere deutschen Mitbürgerinnen und 'bürger, aufmerksam machen, um Verständnis und Wertschätzung bitten für unsere noch aktiven und ausgeschiedenen Kameraden, die jede Unterstützung brauchen, die sie bekommen können.
Hier darf ich an zwei Organisationen von vielen verweisen:
www.traumalos.de und www.bund-deutscher-veteranen.de.
Und mit jeder Zeile, die wir schreiben, gedenken wir unserer gefallenen Kameraden, verneigen uns in Respekt und Dankbarkeit vor ihnen und fragen: warum?