...wer nicht kämpft hat schon verloren." Diesen legendären Brecht-Auspruch hat der Journalist und Bestseller-Autor Thomas Wieczorek neben dem nicht minder berühmten Zitat von Mahatma Ghandi:"Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich, und dann gewinnst du." seinem neuen Buch:"Die rebellische Republik - Warum wr uns nicht mehr für dumm verkaufen lassen" vorangestellt. Diesmal hat sich der Autor, der in Büchern wie "Die geplünderte Republik", "Die Profitgeier" oder "Euroland" mit deftigen Worten, satirischem Witz und deutlicher Polemik über politische Mißstände wettert, neoliberalem Irrsinn und seinen Apologeten zu Leibe rückt, und in scharfer Form engagiert gesellschaftliche Aufklärung betreibt, vor dem Hintergrund der Finanzkrise, deren Kosten nicht den Verursachern, sondern uns Bürgern aufgeladen werden, zunehmend zusammengestrichenen Sozialleistungen, immer offensichtlicherer Klientelpolitik, aber auch zunehmendem Widerstand in der Bevölkerung z. B.gegen zwar irrsinnige, dafür aber sauteure Großprojekte wie Stuttgart21, die Frage gestellt: Wie sah und sieht es in Deutschland aus mit Zivilcourage, demokratischem Aufbegehren, bürgerrechtlichem Engagement oder gar Widerstand?
Wieczorek fragt: (Zitat):"Sind die Deutschen nicht eher ein Volk der Untertanen, Duckmäuser und Denunzianten, daß sich egal mit welcher Obrigkeit, schnell und bereitwillig arrangierte, das selbst zum Sturz der NS-Diktatur fremder Hilfe bedurfte und das man zur Zivilcourage ... erst mit Kampagnen und Preisen auffordern muß? ... dabei haben die Deutschen durchaus eine Geschichte des Widerstandes. Im 3. Reich waren es zwar beschämend wenige ...aber es gab sie."
Ja, es gab Aufstände, so z. B. die Bauernkriege im 16. Jhd., den schlesischen Weberaufstand 1844, und - erinnern wir uns - die Märzrevolution von 1848/49, die uns u. a. das konstitutionelle Regierungssystem oder die Pressefreiheit - beides garnicht hoch genug einzuschätzende demokratische Errungenschaften - eingebracht hat.
Der Autor spannt einen umfangreichen Bogen u. a. von der Weimarer Republik und den von rechtsradikalen Freikorps-Soldaten verübten Morden an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht, über die "68er" und ihre Folgen, über Formen zivilen Ungehorsams, die Anti-AKW-Bewegung, kritische Betrachtungen des Ablaufens gewerkschaftlicher Arbeitskämpfe, Nicht-Regierungs-Organisationen (NGOs) wie Greenpeace oder Attac, um schließlich beim Beleuchten des Entstehens von Parteien und Wählergruppierungen wie Grüne, WASG, Piraten und "Freie-Wähler" zu landen. Aber Wieczoreck beleuchtet nicht nur linkes und liberal/bürgerliches Engagement: Unter der Überschrift "Widerstand gegen die Demokratie:Rechter Sumpf" befasst er sich mit dem seinerzeitigen Hamburger "Dreamteam CDU und Schill-Partei" und der Frage, wie es dazu kommen konnte, watscht den Widerling Sarrazin (("Karnevalswitz ohne Pointe")und auch den unsäglichen Talkshow-Rumpelstilz und rechten Bürger-Konventler Arnunlf Baring kräftig und inhaltlich fundiert ab. Auch für den Nazi-Sumpf NPD/DVU/REPs findet er einmal mehr deutliche und treffende Worte.
Auch berichtet der Autor positiv über Formen direkter Demokratie, wie z. B. Volksentscheide ("Lichter am Ende des Tunnels"), aber auch darüber, wie die Politik diese zu knebeln und im Eigeninteresse zu instrumentalisieren versucht, denn es kann ja nicht sein, daß Bürger in einer Demokratie über ihre eigenen, sie selbst betreffenden Angelegenheiten mitreden oder, schlimmer noch, gar mitentscheiden.
Wieczorek hat in seinem Buch etwas getan, was nicht wenige seiner Kritiker seit Jahren gefordert haben: Er hat ein POSITIVES BUCH geschrieben, ein Buch über die Fähigkeiten auch der Deutschen zum Aufbegehren, Rebellieren, und zum demokratischen Widerstand, zum Aufstehen gegen politische Willkür, die Bürgerrechte und legitime Bedürfnisse der Bevölkerung zunehmend mißachtet und mit Füßen tritt. Was Wieczoreck hier vorlegt, ist eine Art Geschichtsbeschreibung über die letzten Jahrzehnte, kein trockenes Fakten-Aufzählen, sondern ein flott und munter geschriebener Abriß gesellschaftlichen und politischen, nicht nur linken, auch bürgerlichen Widerstands, geschrieben aus der Sicht eines engagierten Demokraten und Aufklärers.
Es ist für eine lebendige Demokratie und für uns Bürger zwingend notwendig, uns in unsere ureigenen Angelegenheiten einzumischen.