Rjabtschuks Werk, eigentlich eine Sammlung verschiedener seiner Artikel, ist sehr lesenswert und v.a. sprachlich sehr gut geschrieben- und übersetzt! In seinen gut ausgewählten und sehr gut zueinander passenden Beiträgen beschreibt er aus ukrainischer Sicher recht neutral das Dilemma, in dem sich dieses große unbekannte Land befindet und welches seine Menschen und die ukrainische Mentalität prägen. Alleine schon der Titel trifft genau das, was Mykola Rjabtschuk in seinem Buch sagen möchte: es gibt verschiedene ukrainische Blickwinkel auf das eigene Land, die jedoch nicht unbedingt mit der einfachen Außenbetrachtung übereinstimmen, es gebe eine russisch geprägte Ost- und eine nationalistisch geprägte Westukraine. Er nimmt zwar dieses Klischee auf, bestätigt die innere Zerrissenheit und auch eine gewisse Teilung, vertieft diese jedoch auch und eröffnet dem halbwissenden Leser eine ganz neue Perspektive in Hinblick auf den zweitgrößten Staat Europas. Erstaunlich, wie gut es Rjabtschuk gelingt, in einem doch recht übersichtlichen, unauffälligen und bezüglich dieses Themas relativ kurzen Werk Einblicke zu schaffen, die nicht pauschalisieren, sondern aufklären, Wissen sozusagen erweitern" und auch nach der Lektüre zum weiteren Nachdenken anregen. Er wird dabei der Sache und den Menschen gerecht, verurteilt nicht und nimmt v.a.- wie leider in vielen anderen Büchern zur Ukraine- keine Position ein, die die jeweils andere aufs Härteste kritisiert. Als Ukrainer darf er das, darf kritisieren und anmerken, erhebt dabei auch nicht den Zeigefinger, sondern informiert in erster Linie und erklärt komplexe Phänomene, über deren Teilaspekte andere ganze dicke Bücher schreiben. Denkt man z.B. an diverse Publikationen zur Wahrheit" der orangenen Revolution, fällt immer wieder auf, dass die jeweiligen (oftmals auch dazu berechtigten ukrainischen) Autoren jeweils ihre Sicht darlegen und die Ukraine aus dieser darstellen und erklären. Rjabtschuk nimmt keine Sicht ein, er beansprucht keine Wahrheiten" zu verkünden, was ihn und auch den Schreibstil so sympathisch macht. Der Leser mag selbst entscheiden, was er denken und für die Wahrheit" halten mag, Rjabtschuk lässt ihm diese Freiheit und greift nicht mit Erklärungen vor, die letztlich ohnehin meistens ideologischen Standpunkten und Überzeugungen entsprechen, schwarz und weiß malen und dabei die jeweils andere Seite maßregeln. Rjabtschuk tut dies nicht und somit hat er ein Buch geschrieben, das nicht nur im Preis und Umfang billiger bzw. kürzer, sondern auch viel eingehender und neutraler ist- deshalb ein unbedingt lesenswertes Buch, wenn man sich für die nicht unkomplexe modernere Geschichte der Ukraine interessiert.