Aus der Amazon.de-Redaktion
Den ersten Teil dieser französisch-britischen Koproduktion aus dem Jahr 2000 konnte man getrost als innovativen Mystery-Thriller bezeichnen, der durch seine Kamera- und Regieführung von einem eher schlichten europäischen Film zu einem Ereignis wurde. Diesem Maßstab wird die Fortsetzung nicht so ganz gerecht, obwohl es an Spannung und Geschwindigkeit nicht mangelt. Leider hat Drehbuchschreiber Luc Besson nicht seinen besten Tag gehabt, als er von blutenden Leichen und Indiana-Jones-artigen Grabräuberfallen schrieb und dabei mehr als ein Logikloch produzierte.
Nichtsdestotrotz lässt Regisseur Olivier Dahan seine Zuschauer mitfiebern, und wer Morde vor biblischen Hintergründen spannend findet und sich an den Kamerafahrten des ersten Teils ergötzt hat, wird auch hier wieder völlig auf seine Kosten kommen. In Sachen Humor hat der Film durchaus ebenfalls etwas zu bieten, was nicht nur an der Erwähnung des deutschen "Ministeriums für kulturelle und religiöse Fragen" liegt. --Mike Hillenbrand
Movieman.de
Moviemans Kommentar zur DVD: Sehr gutes Bild und knackiger EX/ES-Ton, aber die schwachen Extras erlauben kein PERFEKT.
Bild: Das sehr ruhige Scopebild liefert einen so glatten Eindruck, wie ein windstiller See. Dabei strahlen die sehr natürlichen Farben eine außerordentlich angenehme, authentische Stimmung herbei, dass man beim Anblick des Sees mit dem grünen Rasen, durch den die braune Erde hindurchschimmert, in Urlaubslaune verfällt ( 00.48.30). Der Kontrast ist ein wenig zu steil angelegt, so daß Neonröhren schon mal erheblich ausfransen und überstrahlen (00.54.45). Dabei zeigt der Kontrastumfang aber ein erhebliches Maß an Grauabstufungen, so daß hier noch ein GUT herauskommt. Kompressionsmängel sind nicht zu finden, auch nicht in klassischen, für Encoder tückischen Nebelschwaden (00.31.50). Auch die Schärfewirkung ist in der Kantenabbildung und der Detailkraft ganz genau in dem Bereich, der den Wechsel von der VHS-Cassette zur DVD ausmacht. Sehr gutes Encoding.
Ton: Die enorm drückende, unheilvolle Musik greift wunderbar um den Zuschauer herum und hüllt ihn schon in der Anfangssequenz in eine gruselige Grundstimmung ein, die durch das krachende Donnern des Gewitters rundum kräftige Unterstützung erfährt. Die Ausnutzung der Surroundkanäle ist an der schmalen Grenze zwischen absoluter Authentizität und Übertriebenheit. Innensets glänzen mit einem muffig halligen Klangbild im Kloster und den Katakomben, während die stakkatoartigen Salven des Geschützturms so kurz und prägnant in den Wagen einschlagen, dass man Deckung sucht. Dabei kommt auch der Subwoofer nicht zu kurz. Zwischen dem diskreten 6.1-DTS-Mix und dem 5.1-EX-Mix ist kein wertbarer Unterschied feststellbar.
Extras: Die Länge des Making ofs und der anderen Dokus ist beachtlich, nur ist die Vermittlung von Inhalten erheblich zu kurz geraten. So vergehen einige Minuten des Making ofs, bis sich denn überhaupt mal jemand bequemt, etwas zu sagen. Das hält man nur als Profi 72 Minuten lang durch und hat dann aber keine Lust auf eine weitere Doku über die Vorbereitungen zum Dreh. Erfreulich sind die Originalkinotrailer in Deutsch und Französisch und die TV-Spots. Auch ist es ein nettes Feature, eine Szene mal in 7 Tonspuren auseinandergenommen anzuhören, wobei man frei zwischen 7 Einzeltonspuren vom Effektstream, über die Sprache, bis hin zum fertigen Mix wählen darf. --movieman.de
VideoMarkt
Video.de
Blickpunkt: Film
War das Original noch eine Adaption eines Bestsellers von Jean-Christophe Grangé, so übernimmt das in Frankreich bereits sehr erfolgreiche Sequel die Hauptfigur des Kommissars Niemans (Reno), das Konzept zweier zusammenführender Fälle und den düsteren Background, um damit einen neuen Plot mit absurden Touch zu stricken, für den hier Frankreichs Hitgarant Luc Besson verantwortlich zeichnet. Für die Regie verpflichtet wurde Olivier Dahan, der in seinem fünften Kinofilm Stärken und Schwächen vereint, die für ehemalige Clipspezialisten nicht untypisch sind. Dazu gehören eine hyperaktive Kamera, ein gutes Gefühl für die Kinetik von Actionsequenzen und die Lust am Bild, aber auch sehr artifizielle Lichtsetzung und eine dramaturgische Gestaltung, die auf den Effekt setzt und Glaubwürdigkeit ignoriert. Bessons Drehbuch vermischt Sektenkult mit 'Der-Name-der-Rose'-Atmosphäre, hat seine zentralen Schauplätze in einem abgelegenen Kloster, in Tunneln und Geheimgängen entlang der Maginot-Linie, des unfertig aufgegebenen französischen Verteidigungswalls. Meteorologisch dominiert der Regen, zeitlich die Nacht, während die Mönche des Klosters Lothaire im Auftrag eines mächtigen Hintermannes Jagd auf eine Jesus-Sekte machen, um die Sieben Siegel der Apokalypse zu öffnen, um über das Buch Gottes mit eben diesem 'kommunizieren' zu können. Dafür aber müssen der moderne Jesus und seine zwölf Apostel, die die gleichen Namen und Berufe haben wie ihre biblischen Vorbilder, sterben. Diese Erkenntnis muss Niemans sich aber erst erarbeiten, gleichzeitig weitere Morde zu verhindern versuchen. Nach etwa 40 Minuten erhält er Unterstützung von einer Religionswissenschaftlerin, die mittlerweile bei der Polizei arbeitet, und seinem ehemaligen Schüler Reda, der ursprünglich in einem anderen Fall ermittelt.
Frankreichs in Kunst- und Kommerzfilmen gleichermaßen einsetzbare Allzweckwaffe Benoit Magimel spielt diesen Aktivposten, der wie schon Vincent Cassel im Vorgänger für den Körpereinsatz zuständig ist und mit Reno ein sympathisches Team bildet. Auch wenn die Handlung kaum Gründe liefert, ernst genommen werden zu müssen, und das geöffnete Buch Gottes im Unterschied zu Spielbergs Bundeslade wenig Spektakuläres zu bieten hat, können Thrillerfans im Copduo, vor allem aber einigen Actionsequenzen Kompensation finden. Dazu gehört auch eine frenetische, extrem vitale Verfolgungsjagd zu Fuß, die vorbildhaft für den Film insgesamt hätte sein müssen. Denn sie ist unglaubwürdig, aber trotzdem mitreissend. kob.