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upj. Max Weber hatte seine berühmte Studie über die «Protestantische Ethik» erstmals 1904/1905 im «Archiv für Sozialwissenschaft und Sozialpolitik» und dann, fünfzehn Jahre später, in teilweise stark überarbeiteter Form in seinen «Gesammelten Aufsätzen zur Religionssoziologie» veröffentlicht. Trotz zahlreichen Anfechtungen und Widerlegungsversuchen hat die «Protestantische Ethik» eine selbst für Fachleute kaum mehr zu überblickende Wirkungsgeschichte. Webers Auseinandersetzung mit dem «Geist des Kapitalismus» so der zweite Teil des Titels profilierte das Werk immerhin als Gegenposition zur Marx'schen Kapitalismusanalyse. Klaus Lichtblau und Johannes Weiss, beide ausgewiesene Weber-Spezialisten, haben ihrer (nun in dritter Auflage) vorliegenden Textausgabe die erste Fassung der «Protestantischen Ethik» in der originären Schreibweise von 1904/05 zugrunde gelegt. Ein ausführlicher Anhang verzeichnet die wichtigsten Zusätze und Veränderungen, die für die zweite Fassung von 1920 hinzugekommen sind. Viel philologische Kleinarbeit, aber doch so etwas wie ein Protokoll von Webers Umgang mit den «gegnerischen» Argumenten. -- Neue Zürcher Zeitung -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Bemerkenswert dabei ist, daß Max Weber schon früh feststellte, daß bei den Unternehmern moderner Prägung die religiöse Ethik immer weiter in den Hintergrund geriet und nur noch die Arbeit ohne jede Transzendenz und religiöse Fundierung besteht. Die Arbeit wird sozusagen selbst zu einem Gott. Max Weber ist sich der Gefahren, die hierbei entstehen, durchaus bewußt, enthält sich aber leider einer tiefergehenden Kritik an dieser Entwicklung.
Diskussionswürdig ist auch sein Versuch, das Marxsche Theorem, daß das gesellschaftliche Sein des Bewutsein bestimmt, zu widerlegen. Hier ist mir seine Sichtweise zu pauschal und er hat es sich hier ein wenig zu einfach gemacht.
Aber um zu verstehen, wie die heutige Verabsolutierung von Arbeit und Karriere überhaupt erst entstehen konnte und vor allem, warum als letzte Konsequenz daraus jede soziale Mitverantwortung schrittweise zerstört wird, ist dieses Buch unerläßlich.
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