Eric Voegelin verfasste sein Werk „die Politischen Religionen" im Jahre 1938, also ein Jahr vor dem Ausbruch des zweiten Weltkriegs und inmitten der nationalsozialistischen Verirrungen.
In der Originalausgabe von 1938 leitet Voegelin seine Analyse der politischen Religionen mit einem Zitat aus Dantes „Divina Commedia" ein; Dante steht vor dem Höllentor und liest folgende Worte: „Per me si va ne la città dolente" („Durch mich tritt man ein in die Stadt des Leidens"). Dieser Höllenschlund hat sich für Voegelin durch die „Dekaptierung Gottes", den „Gottesmord" und durch die gnostischen Umformungen und Säkularisierungen der christlichen Symbole aufgetan; denn was man nun nicht mehr hatte, war der transzendente Bezug jener Symbole, sondern deren innerweltliche Umdeutungen und Transformationen - dass dabei der wesentliche Gehalt dieser Symbole abhanden kam, schienen nur wenige rege Geister bemerkt zu haben. Aus dem katholischen Gedanken der christlichen Ekklesia, der Ordnungsvision einer christlichen Gemeinschaft eines vielgliedrigen Organismus, der durch das „christliche Pneuma" zusammengehalten wird, wurde letztendlich der starre, übermächtige säkulare Staat geboren, der "Leviathan", ein allmächtiges Konstrukt, das mit „ursprünglicher Herrschermacht" ausgestattet ist ohne Bezug zu Gott, denn er ist nun selbst zum Gott geworden.
Aus der apokalyptischen „drei-Reiche-Vision" des Joachim von Fiore erwuchsen die säkularisierten Grundsymbole vieler neuzeitlicher Utopien. Positivisten bedienten sich dieser Symbolik ebenso wie die zwei großen innerweltlichen Antireligionen, bei denen das joachimitische dritte, erlösende Zeitalter, das die Verirrungen der vorherigen nicht mehr in sich trägt, zum dritten Reich oder zum ebenso illusionäre Zeitalter des Kommunismus wurde. Die leeren Hüllen dieser christlichen Symbole sind paradoxerweise, bei aller Ablehnung der Religion, des Christentums, durch die radikalen Atheisten des 19. Jahrhunderts erhalten geblieben, man versuchte diesen Symbolen nun einen wissenschaftlichen Hintergrund zu geben und übersah, dass man diese Symbole nur deuten kann, wenn man sie innerhalb der christlichen Tradition belässt, wenn man einsieht, dass die vollkommene beatitudo im Diesseits niemals erreicht werden kann und wenn man den Menschen auf der Basis einer realistischen Anthropologie beurteilt.
Voegelin sah voraus, was es bedeuten kann den Bezug zu seiner ursprünglichen Religion zu verlieren, letzten Endes würde der radikale Atheismus des 19. Jahrhunderts in den beiden innerweltlichen Religionen im „Blutrausch" münden, denn diese sind nicht der geistigen Kontemplation erwachsen, sondern den einfachsten und niedersten ekstatischen Empfindungen des Menschen, ihre religiösen Bemühungen führen nicht zu Gott und zur Seinserkenntnis, sondern zum Staat, zur Gemeinschaft, zum Kollektiv, zur Rasse oder zum Führer. Ihre geistige Pathologie hat zu einer verzerrenden Wahrnehmung der Realität geführt - der Focus ist nun nicht mehr der Wunsch nach der Seinserkenntnis der klassischen und christlichen Tradition, sondern die innerweltliche Apokalypse und die gänzliche Elimination der bestehenden Ordnung.
Prophetisch wird Voegelin am Ende seiner Untersuchung der politischen Religionen durch die Analyse einiger Passagen der „Lieder vom Reich" des NS-Dichters Gerhard Schuhmann, denn „...sie sind einer der stärksten Ausdrücke politisch-religiöser Erregung". Die Sprache und die Symbole entspringen der religiösen Erfahrung des Menschen, doch sie führen nicht zum Heil, sondern zur Selbstzerfleischung und zur blutigen Tat. Freund und Feind müssen bis zur „mystischen Selbstauflösung" vernichtet werden, die neue Ordnung kann erst auf den blutigen Trümmern der alten Ordnung erwachsen: „Die Tat war gut, wenn du sie rot geblutet" (Schuhmann). Der Rest ist Geschichte.