Das vorliegende Buch von Heinrich Päs ist für mich eine Riesenüberraschung im positiven Sinne. Ich habe es ungeplant in einer Nacht verschlungen, richtige Bücherwürmer wissen was das heisst. Der Autor ist erst Jahrgang 1971 und dennoch hat er viel von der Welt gesehen, über Hawaii und den angelsächsischen Raum hat es ihn nun im Rahmen seiner Professur in das etwas weniger mondäne Dortmund verschlagen. Sein Buch ist in unglaublich gut lesbarer Sprache gehalten, es ist fachlich sehr fundiert aber trotzdem für den durchschnittlichen Leser von populärwissenschaftlichen Büchern ähnlicher Art absolut geeignet und nicht mit einem überzogenen Mathematikteil ausgestattet.
Die 17 gut abgestimmten Kapitel über ca. 250 Textseiten hier aufzuzählen wäre etwas unübersichtlich, das Buch ist es keinesfalls. Wir erfahren chronologisch in etwa den philosophischer Hintergrund und die Basics der Quantenphysik, historisches zu den Forschungs-Grössen wie Schrödinger und Pauli, eine schön lesbare Einführung in den Stand der Teilchenwelt, die technikgetriebene Suche nach den Neutrinos, Wissenswertes zu Extradimensionen, Strings und Branen sowie auch eine kurze Einführung in Einsteins Erbe in bezug auf Zeit und Zeitreisen. Seine Ausführungen in bezug auf Stand und Ausblick des gegenwärtigen Teilchenzoos haben mich sehr überzeugt, Darstellungen in anderen Büchern haben mich in einigen Fällen zum Überspringen von Absätzen verführt, hier wird der komplexe Sachverhalt sehr profund aber gleichzeitig kurzweilig dargeboten.
Beeindruckt hat mich auch sein breites Grundlagenwissen in Form des philosophischen Kontexts der Quantenphysik den er anfangs sehr schön belesen ausbreitet und im weiteren Verlauf dort einstreut wo es passt. Kein Kapitel wirkt überzogen oder hält sich mit unwichtigen Details auf. Weiterhin hat mir hat besonders gut gefallen, dass Päs - da er mitten in der Forschung steht - auch aktuellste Ergebnisse der letzten 1-2 Jahre in seine Betrachtung aufgenommen hat. Das gilt z.B. für die ADD Forschungsgruppe (Arkani-Hamed, Dvali und Dimopoulos), Sundrum und die meistzitierte Wissenschaftlerin der letzten Jahre Lisa Randall die u.a. über die Extradimensionen der Stringtheorie forschen.
Sein Jahrgang macht sich insbesondere in der teils etwas jovialen Sprache positiv bemerkbar, aber auf Basis seines guten Fachwissens stört es überhaupt nicht. Da ist dann die Rede vom Surfen auf Hawaii, Partyerlebnissen und diversen Drogenerfahrungen mit u.a. Magic Mushrooms. Dies macht den Autor und die Erlebnisse rund um die Wissenschaft authentischer, greifbarer und lässt das Bild vom grauen Forscher-Mäuschen ohne andere Hobbies, Schwächen oder Leidenschaften angenehm in den Hintergrund treten.
Abschliessend leuchtet Heinrich Päs in spannender Form die Wissensgrenzen des LHC aus und gibt einen positiven Ausblick auf die Ergebnisse die in den nächsten 10 Jahren potentiell zu erwarten sind. Auch hier ist sein Buch ein Vorbild in Sachen Anschaulichkeit und Wortwahl. Seine Liebe gilt den Neutrinos, nach neuestem Forschungsstand könnte es das einzige bekannte Teilchen sein, dass die Extra-Dimensionen spürt. Nie habe ich in einem Buch so viel über sie erfahren wie hier. Schwächen konnte ich nicht festellen, wer meine Rezensionen kennt weiss, dass ich diese ansprechen würde. Ich kann alles oben genannte in einem Wort über das Buch zusammenfassen: HÖCHSTNOTE !
5/5 Sternen