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Die ohnmächtige Supermacht: Warum die USA die Welt nicht regieren können
 
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Die ohnmächtige Supermacht: Warum die USA die Welt nicht regieren können [Gebundene Ausgabe]

Michael Mann , Thomas Atzert
3.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Dass die Vereinigten Staaten von Amerika als einzige verbliebene Supermacht derzeit die Bühne der Weltpolitik beherrschen, steht außer Frage. Doch wohin führt ihr Weg? Erstreben sie die Errichtung eines neuen Empire? Und könnte es ihnen gar gelingen, die Welt gleichsam als globaler Leviathan zu regieren?

Mit einem ganz entschiedenen Ja auf die erste und einem ebenso entschiedenen Nein auf die zweite Frage meldet sich Michael Mann in der Debatte um die zukünftige weltpolitische Rolle der USA zu Wort. Allein schon den Versuch, ein neues Empire zu errichten, hält er für verhängnisvoll. Und als verhängnisvoll betrachtet es der britisch-amerikanische Soziologe deshalb auch, dass Großbritannien den amerikanischen Hegemon zuletzt so bedingungslos unterstützt hat. Denn "meine beiden Regierungen", schreibt Mann, "bedrohen durch eine beispiellos tolldreiste militaristische Politik den Frieden und die Ordnung der Welt".

Der in London, Yale und Cambridge lehrende Autor gesteht gleich zu Beginn, dass ihn die Ereignisse der Gegenwart -- womit er vor allem natürlich den Irak-Krieg und in diesem Zusammenhang das Verhalten der USA gegenüber ihren Verbündeten und der UNO meint -- dazu gebracht haben, "in halsbrecherischer Geschwindigkeit" dieses Buch zu schreiben. Trotzdem wolle er die amerikanische Politik nicht als politischer Aktivist "im Ton moralischer Entrüstung" anprangern, sondern als Wissenschaftler "analysieren und zerpflücken". Aus diesen Worten wird deutlich, dass Mann hier eine gefährliche Gratwanderung unternimmt. Eine Gratwanderung allerdings, die er glänzend besteht!

Angefangen bei der Rüstungspolitik des "militärischen Riesen" über die "ökonomische Trittbrettfahrerei" bis zum Krieg gegen den Terrorismus und die so genannten "Schurkenstaaten" wie zuletzt den Irak wird die Politik der USA Stück für Stück auseinander genommen. Das Scheitern des "neuen Militarismus", der die Probleme der Welt nicht löse, sondern selbst zum Problem werde, hält Mann für unausweichlich. Entgegen den militaristischen Hoffnungen auf zukünftige Allmacht werde die tatsächliche Macht Amerikas Schaden nehmen.

Am Ende setzt er seine Hoffnung -- uramerikanisch -- auf die Demokratie und beschließt den zwar mit viel Polemik durchsetzten, gleichwohl klugen und lesenswerten Band mit den Worten: "Zum Glück sind die Vereinigten Staaten eine Demokratie, und eine politische Lösung bietet sich im November 2004. Jagen wir die neuen Militaristen aus dem Amt. Denn sonst wird die Welt die Macht Amerikas weiter mindern", so der Autor. --Andreas Vierecke

Perlentaucher.de

Buchnotiz zu : Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.08.2003
Als "großen Polemiker" charakterisiert Rezensent Werner Link den britisch-amerikanischen Soziologen Michael Mann, der sich in seinem neuen Buch mit den Ambitionen der USA, Empire zu werden, auseinandersetzt. Dass die USA diese Rolle anstreben, daran hat Mann keine Zweifel, berichtet Link, auch nicht daran, dass sie dabei scheitern werden. Mann wolle zeigen, dass das American Empire in Wirklichkeit ein "militärischer Riese, ökonomischer Trittbrettfahrer, politisch Schizophrener und ideologisches Phantom" (Mann) sei. Wie Link ausführt, entfaltet er seine Thesen am Beispiel des Kriegs in Afghanistan, des Kriegs gegen den (islamischen) Terrorismus, des Kriegs gegen Schurkenstaaten und des Angriffs auf den Irak. Er hebt hervor, dass Mann viele Fakten und Informationen aus einem weitverstreuten Quellenmaterial zusammengestellt. Bei aller Polemik Manns, der Link sehr zurückhaltend gegenübersteht, findet er eine Argumentationslinie, die ihn überzeugt: Seine Unterscheidung der Akzeptanz der amerikanischen Politik beziehungsweise deren Nichtakzeptanz in Bezug auf Hegemonie und Empire. Zur Hegemonie gehört demnach multilaterales Einverständnis, das beim Empire aufgekündigt wird.

© Perlentaucher Medien GmbH
Buchnotiz zu : Frankfurter Rundschau, 29.08.2003
Der Buchmarkt quillt derzeit über von Erscheinungen, die um das vermeintliche "Empire", die USA, kreisen. Die Spreu vom Weizen zu trennen, fällt da nicht immer leicht. Michael Manns Ausführungen darüber, "Warum die USA die Welt nicht regieren können" gehört nach Ansicht von Rezensent Matthias Penzel jedenfalls zu den gelungenen Büchern. Abgesehen von "polemischen Fausthieben am Ende manchen Absatzes" findet Penzel das Buch "nüchtern", voller "hard facts" und in der Behandlung der komplexen Thematik "äußerst imposant". Wie Penzel ausführt, zeigt Mann, dass es sich bei der gegenwärtigen US-Außenpolitik nicht um einen neuen Imperialismus, sondern einen neuen Militarismus handelt. Denn es gehe den USA nicht so sehr darum, andere Territorien zu regieren und zu befrieden, sondern darum, den Freihandel im Sinne US-amerikanischer Firmen zu gewährleisten.

© Perlentaucher Medien GmbH

Pressestimmen

Spiegel Special 3/2003: Das Imperium hat ausgedient "Akribisch weist Mann nach, dass Washingtons Machtentfaltung an den nahöstlichen Krisenherden nicht weniger Terroristen schafft, sondern eher mehr."

15.08.2003 / Frankfurter Allgemeine Zeitung: Ungeheure Machtfülle "Die Argumentationslinien überzeugen und treffen wichtige Aspekte der gegenwärtigen Debatte."

29.08.2003 / Frankfurter Rundschau: Pandora und die Falken "Das Buch sollte genauso oft wie Moores Hit über die 'Stupid White Man' verkauft, gelesen und verschenkt werden."

13.09.2003 / HR Bücher, Bücher: Neuerscheinungen "Eine brillante Analyse."

13.09.2003 / Oberösterreichische Nachrichten: Expansion der USA "Der Autor beschreibt ein Empire, das sich maßlos überschätzt und dessen Wirtschaftspolitik die globale Ungleichheit fördert."

17.09.2003 / Handelsblatt: Bushs Mangel an imperialem Willen "Die temperamentvolle Abrechnung mit den 'neuen Imperialisten in Washington ist mit Herzblut und intellektuellem Engagement geschrieben."

24.09.2003 / Jungle World: "Europa wird nie zur Supermacht" "Mann kommt zu dem Schluss, dass die Konzentration der USA auf ihre militärische Überlegenheit nicht nur den Frieden und die Stabilität in der Welt gefährde, sondern langfristig auch die eigene Macht untergrabe."

29.09.2003 / Das Parlament: Ein bitterböses Buch aus den USA über die USA "Michael Mann hat ein böses Buch geschrieben, temperamentvoll bis zur Polemik. Seine Fakten und Informationen entstammen einem weit verstreuten Quellenmaterial; sie dem Leser zugänglich gemacht zu haben, ist ein nicht geringes Verdienst dieses Buches."

01.10.2003 / Literaturen: Das Imperium der Insulaner "Wer wäre besser geeignet, die USA als 'ohnmächtige Supermacht' zu beschreiben, als Michael Mann, Inhaber eines britischen und amerikanischen Passes, in beiden Ländern lehrend und berühmter Autor einer mehrbändigen Geschichte der Macht?"

05.10.2003 / Welt am Sonntag: Bücher über eine Neue Welt "Polemische, akribische und bestechende Argumentationen eines begeisterten Demokraten."

06.10.2003 / Falter: Die Macht der Supermacht "Wer nach einer Kritik an der US-Politik sucht, die sowohl entschieden und doch nicht maßlos ist und in der auf jeden Fall die Fakten stimmen, der ist bei Mann an der richtigen Adresse."

09.10.2003 / Die Zeit: Der Herbst des Imperialisten "Mann seziert die disproportionale Macht von Uncle Sam - ein militärischer Riese, ein ökonomischer Aufschneider, ein politisch Schizophrener und ein ideologischer Fantast."

18.10.2003 / Tages-Anzeiger: Ein Amerika, das vieles falsch macht "Das Buch liefert einen interessanten Blickwinkel."

24.10.2003 / Financial Times Deutschland: Amerikas Ohnmacht "Mann analysiert eindrucksvoll, wie die amerikanische Regierung eine Außenpolitik entwickelt, die sie weder finanzieren noch kontrollieren kann."

02.03.2004 / Süddeutsche Zeitung: Riese und Zwerg zugleich "Präzise, informative und sehr schlüssige Analysen."

Welt am Sonntag, 5. Oktober 2003

"Polemische, akribische und bestechende Argumentationen eines begeisterten Demokraten."

Handelsblatt, 17.September 2003

"Die temperamentvolle Abrechnung mit den 'neuen Imperialisten' in Washington ist mit Herzblut und intellektuellem Engagement geschrieben."

Frankfurter Rundschau, 29. August 2003

Das Buch sollte genauso oft wie Moores Hit über die 'Stupid White Man' verkauft, gelesen und verschenkt werden."

Frankfurter Rundschau, 29. August 2003

Das Buch sollte genauso oft wie Moores Hit über die 'Stupid White Man' verkauft, gelesen und verschenkt werden."

Financial Times Deutschland, 24.Oktober 2003

"Mann analysiert eindrucksvoll, wie die amerikanische Regierung eine Außenpolitik entwickelt, die sie weder finanzieren noch kontrollieren kann."

Kurzbeschreibung

Die Vereinigten Staaten sind auf dem weltpolitischen Parkett ins Wanken geraten. Statt einer "neuen Weltordnung", in der die Schwachen vor den Starken geschützt werden, erleben wir Terror, Krieg und weltweite Proteste gegen die neoliberale Globalisierung. Der "neue Imperialismus" Washingtons stößt weltweit auf Kritik und droht die USA zu isolieren. Michael Mann beschreibt die zentralen Schwächen der US-Politik. Er kritisiert den fehlenden Willen zu politischer Gestaltung, ohne den die militärische Vorherrschaft langfristig erfolglos bleibt, wie es die Irak- Krise eindrucksvoll gezeigt hat. Auch die Wirtschaftspolitik, die um jeden Preis weltweit neoliberale Märkte protegiert und dabei globale Ungleichheit und politische Instabilität fördert, nimmt er in den Blick. Die amerikanische Politik verrät so den eigenen Traum: eine gerechte, demokratisch geführte Welt, die Chancengleichheit und Versorgung für alle bietet.

Der Verlag über das Buch

Das amerikanische Dilemma

Überschätzen die USA ihre Fähigkeiten als globale Supermacht? Es ist offensichtlich, dass sich der Terrorismus nicht mit militärischer Gewalt besiegen und der Nahe Osten nicht demokratisieren lässt. Michael Mann analysiert das amerikanische Dilemma von militärischer Größe ohne politische Vision.

Die Welt sieht sich mit einem neuen amerikanischen Imperialismus konfrontiert: ein völkerrechtlich illegitimer Präventivkrieg, ständige Wachsamkeit gegenüber Terroristen und Leuten, die über Massenvernichtungswaffen verfügen könnten, eine immer wieder bekräftigte Bereitschaft, auf »feindliche Akte« mit militärischen Mitteln, präventiv und ohne fremde Unterstützung zu reagieren – die amerikanische Sicht auf die Möglichkeiten, die Unordnung der Welt zu überwinden ist eine unilaterale und militarisierte Sicht. Dieser neue Imperialismus stößt weltweit auf Kritik und droht die USA zu isolieren.

Michael Mann beschreibt die zentrale Schwäche der US-Politik als Dilemma zwischen militärischer Größe und politischem Minimalismus. Er kritisiert den fehlenden Willen zu politischer Gestaltung, ohne den die militärische Vorherrschaft langfristig erfolglos bleibt, wie es die Irak-Krise eindrucksvoll gezeigt hat. Er zeigt, dass der neue amerikanische Imperialismus nichts anderes ist als ein neuer Militarismus. Auch die Wirtschaftspolitik, die um jeden Preis weltweit neoliberale Märkte protegiert und dabei globale Ungleichheit und politische Instabilität fördert, wird vom Autor in den Blick genommen.

Manns vernichtende Diagnose lautet, dass die amerikanische Politik den eigenen Traum verrät: eine gerechte, demokratisch geführte Welt, die Chancengleichheit und Versorgung für alle bietet. Dabei zeichnet er ein gespenstisches Bild der USA: Das American Empire entpuppt sich als militärischer Riese, ökonomischer Trittbrettfahrer, politisch Schizophrener und ideologisches Phantom.

Über den Autor

Prof. Dr. Michael Mann, Autor von Geschichte der Macht, ist britischer und amerikanischer Staatsbürger. Er studierte Soziologie in Oxford und lehrt heute an der UCLA, der London School of Economics, in Yale und in Cambridge.

Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Natürlich haben Linke den amerikanischen Imperialismus oft genug verurteilt - der Ausdruck selbst stammt von ihnen. Indem zwei Ungeheuer zusammengebracht werden - die USA und der Kapitalismus -, gab man die Schuld an den meisten Übeln der Welt einem einzigen Leviathan, den kapitalistisch-imperialistischen USA. Linke schreiben den Vereinigten Staaten häufig eine enorme Macht zu, und die Verschwörungstheoretiker unter ihnen sehen sie dazu noch außerordentlich durchorganisiert. Sie stimmen mit den Falken darin überein, dass das Imperialismus ist, geben dem lediglich ein negatives Vorzeichen. Selbst kluge Post-Marxisten wie Perry Anderson teilen diese Sicht der Dinge. Er sieht nirgendwo nennenswerten Widerspruch gegen die Hegemonie der USA. Andere Mächte murren, fügen sich aber. Selbst die Zustimmung der Opfer ist für den amerikanischen Kapitalismus käuflich, so Anderson.16 Linke, Liberale und Konservative sind sich also einig: Es ist das Zeitalter des amerikanischen Empire. Ich stimme dem nicht zu. Ich werde hier allerdings nicht von moralischen Grundsätzen reden oder die US-Politik von der Kanzel herab rhetorisch anprangern. Ich fordere ebenso wenig, das Empire sein zu lassen, Frieden zu geben, zu liebevollen Multilateralisten und Peaceniks im Schoße der UNO zu werden. Alles den Vereinten Nationen zu überlassen, mag ein Rezept sein, um ein Gefühl moralischer Überlegenheit zu verbreiten, mit endlosem politischem Zank und wenig Handeln. Notwendig ist mehr Realismus gegenüber den Beschränkungen, die beiden Optionen - Multilateralismus und Unilateralismus, Verhandlungen und Gewalt, Zuckerbrot und Peitsche - innewohnten. Nur so kommen wir zu einer Mischung ihrer Qualitäten, die produktiv sein kann. Dieses Buch richtet sich gegen den vorgeblich "realistischen" Kern des neuen Imperialismus. Es zieht eine umfassende Bilanz der beschränkten Möglichkeiten, die sich heute den USA bieten. Ich unterscheide militärische, politische, ökonomische und ideologische Macht und zeige, dass die USA über die einzelnen Typen in sehr unterschiedlichem Ausmaß verfügen.17 Die Kapitel 1 bis 4 dieses Buchs sind jeweils einem dieser Machttypen gewidmet. Mit meinem Argument, dass die neuen Imperialisten die Stärke Amerikas überdehnen, stehe ich dabei nicht allein. Die Vertreter der "Weltsystem-Theorie", aber etwa auch der französische Soziologe und Essayist Emmanuel Todd, weisen darauf hin, dass der Niedergang Amerikas bereits begonnen hat und von den neuen Imperialisten nicht umgekehrt werden wird. Todd spricht davon, dass die USA auf den Gebieten aller Typen von Macht schwächer werden: Die militärische Macht ist verweichlicht - das Militär ist nicht bereit, Opfer in Kauf zu nehmen; die "Tributeinnahmen" der Ökonomie stehen zunehmend auf tönernen Füßen; die amerikanische Demokratie wird schwächer, während die Demokratisierung weltweit den Widerstand gegen die USA stärkt; und die USA wenden sich von "amerikanischen Werten" ab, die einmal universell Geltung hatten. Während also die USA in allen vier Bereichen schwächer werden, befinden sich die potenziellen Rivalen Europa und Russland - und dahinter China - am Beginn des Aufstiegs.18 Mit Todd stimme ich in einigen Punkten überein, doch nicht in allen. Ich sehe die Ursache für das Ende der neuen Imperialisten nicht darin, dass eine andere Macht im Aufstieg begriffen wäre oder imperiale Macht sich allgemein überlebt hätte; ihr Ende resultiert vielmehr aus einer extrem ungleichen Verteilung ihrer Machtressourcen. Das führt nicht zum allgemeinen Zusammenbruch, sondern zu einem imperialen Ungleichgewicht und zum außenpolitischen Scheitern. Die Hoffnung ist, dass dem der freiwillige Verzicht auf das imperiale Projekt auf Seiten der USA folgen wird, denn das könnte einen Großteil der US-Hegemonie bewahren. Meine These soll ein eher gespenstisches Bild illustrieren: Das American Empire entpuppt sich als militärischer Riese, ökonomischer Trittbrettfahrer, politisch Schizophrener und ideologisches Phantom. Das Ergebnis ist ein gestörtes und missgestaltetes Monster, das durch die Welt tapert und stakst. Es meint es gut. Es möchte Ordnung schaffen und Gutes tun, schafft stattdessen aber noch mehr Unordnung und Gewalt. Ich werde zeigen, dass die imperiale Macht der USA heute im Gegensatz zu ihren Vorläufern ungleich verteilt ist. Als Folie dienen mir nicht nur das römische Imperium und das britische Empire, sondern auch das Empire eines der kleineren europäischen Staaten, nämlich Belgiens. Innerhalb der von ihnen eroberten Gebiete waren sie weit mächtiger, als die USA sein können.

Auszug aus Die ohnmächtige Supermacht. Warum die USA die Welt nicht regieren können. von Michael Mann. Copyright © 2003. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Natürlich haben Linke den amerikanischen Imperialismus oft genug verurteilt – der Ausdruck selbst stammt von ihnen. Indem zwei Ungeheuer zusammengebracht werden – die USA und der Kapitalismus –, gab man die Schuld an den meisten Übeln der Welt einem einzigen Le-
viathan, den kapitalistisch-imperialistischen USA. Linke schreiben den Vereinigten Staaten häufig eine enorme Macht zu, und die Verschwörungstheoretiker unter ihnen sehen sie dazu noch außerordentlich durchor-
ganisiert. Sie stimmen mit den Falken darin überein, dass das Imperia-
lismus ist, geben dem lediglich ein negatives Vorzeichen. Selbst kluge Post-Marxisten wie Perry Anderson teilen diese Sicht der Dinge. Er sieht nirgendwo nennenswerten Widerspruch gegen die Hegemonie der USA. Andere Mächte murren, fügen sich aber. Selbst die Zustimmung der Opfer ist für den amerikanischen Kapitalismus käuflich, so Anderson.16 Linke, Liberale und Konservative sind sich also einig: Es ist das Zeitalter des amerikanischen Empire.

Ich stimme dem nicht zu. Ich werde hier allerdings nicht von moralischen Grundsätzen reden oder die US-Politik von der Kanzel herab rhetorisch anprangern. Ich fordere ebenso wenig, das Empire sein zu lassen, Frieden zu geben, zu liebevollen Multilateralisten und Peaceniks im Schoße der UNO zu werden. Alles den Vereinten Nationen zu überlassen, mag ein Rezept sein, um ein Gefühl moralischer Überlegenheit zu verbreiten, mit endlosem politischem Zank und wenig Handeln. Notwendig ist mehr Realismus gegenüber den Beschränkungen, die beiden Optionen – Multilateralismus und Unilateralismus, Verhandlungen und Gewalt, Zuckerbrot und Peitsche – innewohnten. Nur so kommen wir zu einer Mischung ihrer Qualitäten, die produktiv sein kann.
Dieses Buch richtet sich gegen den vorgeblich »realistischen« Kern des neuen Imperialismus. Es zieht eine umfassende Bilanz der beschränkten Möglichkeiten, die sich heute den USA bieten. Ich unterscheide militärische, politische, ökonomische und ideologische Macht und zeige, dass die USA über die einzelnen Typen in sehr unterschiedlichem Ausmaß verfügen.17 Die Kapitel 1 bis 4 dieses Buchs sind jeweils einem dieser Machttypen gewidmet. Mit meinem Argument, dass die neuen Imperialisten die Stärke Amerikas überdehnen, stehe ich dabei nicht allein. Die Vertreter der »Weltsystem-Theorie«, aber etwa auch der französische Soziologe und Essayist Emmanuel Todd, weisen darauf hin, dass der Niedergang Amerikas bereits begonnen hat und von den neuen Imperialisten nicht umgekehrt werden wird. Todd spricht davon, dass die USA auf den Gebieten aller Typen von Macht schwächer werden: Die militärische Macht ist verweichlicht – das Militär ist nicht bereit, Opfer in Kauf zu nehmen; die »Tributeinnahmen« der Ökonomie stehen zunehmend auf tönernen Füßen; die amerikanische Demokratie wird schwächer, während die Demokratisierung weltweit den Widerstand gegen die USA stärkt; und die USA wenden sich von »amerikanischen Werten« ab, die einmal universell Geltung hatten. Während also die USA in allen vier Bereichen schwächer werden, befinden sich die potenziellen Rivalen Europa und Russland – und dahinter China – am Beginn des Aufstiegs.18 Mit Todd stimme ich in einigen Punkten überein, doch nicht in allen. Ich sehe die Ursache für das Ende der neuen Imperialisten nicht darin, dass eine andere Macht im Aufstieg begriffen wäre oder imperiale Macht sich allgemein überlebt hätte; ihr Ende resultiert vielmehr aus einer extrem ungleichen Verteilung ihrer Machtressourcen. Das führt nicht zum allgemeinen Zusammenbruch, sondern zu einem imperialen Ungleichgewicht und zum außenpolitischen Scheitern. Die Hoffnung ist, dass dem der freiwillige Verzicht auf das imperiale Projekt auf!
Seiten der USA folgen wird, denn das könnte einen Großteil der US-Hegemonie bewahren.
Meine These soll ein eher gespenstisches Bild illustrieren: Das American Empire entpuppt sich als militärischer Riese, ökonomischer Trittbrettfahrer, politisch Schizophrener und ideologisches Phantom. Das Ergebnis ist ein gestörtes und missgestaltetes Monster, das durch die Welt tapert und stakst. Es meint es gut. Es möchte Ordnung schaffen und Gutes tun, schafft stattdessen aber noch mehr Unordnung und Gewalt. Ich werde zeigen, dass die imperiale Macht der USA heute im Gegensatz zu ihren Vorläufern ungleich verteilt ist. Als Folie dienen mir nicht nur das römische Imperium und das britische Empire, sondern auch das Empire eines der kleineren europäischen Staaten, nämlich Belgiens. Innerhalb der von ihnen eroberten Gebiete waren sie weit mächtiger, als die USA sein können.

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