Aus der Amazon.de-Redaktion
Dass die Vereinigten Staaten von Amerika als einzige verbliebene Supermacht derzeit die Bühne der Weltpolitik beherrschen, steht außer Frage. Doch wohin führt ihr Weg? Erstreben sie die Errichtung eines neuen Empire? Und könnte es ihnen gar gelingen, die Welt gleichsam als globaler Leviathan zu regieren?
Mit einem ganz entschiedenen Ja auf die erste und einem ebenso entschiedenen Nein auf die zweite Frage meldet sich Michael Mann in der Debatte um die zukünftige weltpolitische Rolle der USA zu Wort. Allein schon den Versuch, ein neues Empire zu errichten, hält er für verhängnisvoll. Und als verhängnisvoll betrachtet es der britisch-amerikanische Soziologe deshalb auch, dass Großbritannien den amerikanischen Hegemon zuletzt so bedingungslos unterstützt hat. Denn "meine beiden Regierungen", schreibt Mann, "bedrohen durch eine beispiellos tolldreiste militaristische Politik den Frieden und die Ordnung der Welt".
Der in London, Yale und Cambridge lehrende Autor gesteht gleich zu Beginn, dass ihn die Ereignisse der Gegenwart -- womit er vor allem natürlich den Irak-Krieg und in diesem Zusammenhang das Verhalten der USA gegenüber ihren Verbündeten und der UNO meint -- dazu gebracht haben, "in halsbrecherischer Geschwindigkeit" dieses Buch zu schreiben. Trotzdem wolle er die amerikanische Politik nicht als politischer Aktivist "im Ton moralischer Entrüstung" anprangern, sondern als Wissenschaftler "analysieren und zerpflücken". Aus diesen Worten wird deutlich, dass Mann hier eine gefährliche Gratwanderung unternimmt. Eine Gratwanderung allerdings, die er glänzend besteht!
Angefangen bei der Rüstungspolitik des "militärischen Riesen" über die "ökonomische Trittbrettfahrerei" bis zum Krieg gegen den Terrorismus und die so genannten "Schurkenstaaten" wie zuletzt den Irak wird die Politik der USA Stück für Stück auseinander genommen. Das Scheitern des "neuen Militarismus", der die Probleme der Welt nicht löse, sondern selbst zum Problem werde, hält Mann für unausweichlich. Entgegen den militaristischen Hoffnungen auf zukünftige Allmacht werde die tatsächliche Macht Amerikas Schaden nehmen.
Am Ende setzt er seine Hoffnung -- uramerikanisch -- auf die Demokratie und beschließt den zwar mit viel Polemik durchsetzten, gleichwohl klugen und lesenswerten Band mit den Worten: "Zum Glück sind die Vereinigten Staaten eine Demokratie, und eine politische Lösung bietet sich im November 2004. Jagen wir die neuen Militaristen aus dem Amt. Denn sonst wird die Welt die Macht Amerikas weiter mindern", so der Autor. --Andreas Vierecke
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Buchnotiz zu : Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.08.2003
Als "großen Polemiker" charakterisiert Rezensent Werner Link den britisch-amerikanischen Soziologen Michael Mann, der sich in seinem neuen Buch mit den Ambitionen der USA, Empire zu werden, auseinandersetzt. Dass die USA diese Rolle anstreben, daran hat Mann keine Zweifel, berichtet Link, auch nicht daran, dass sie dabei scheitern werden. Mann wolle zeigen, dass das American Empire in Wirklichkeit ein "militärischer Riese, ökonomischer Trittbrettfahrer, politisch Schizophrener und ideologisches Phantom" (Mann) sei. Wie Link ausführt, entfaltet er seine Thesen am Beispiel des Kriegs in Afghanistan, des Kriegs gegen den (islamischen) Terrorismus, des Kriegs gegen Schurkenstaaten und des Angriffs auf den Irak. Er hebt hervor, dass Mann viele Fakten und Informationen aus einem weitverstreuten Quellenmaterial zusammengestellt. Bei aller Polemik Manns, der Link sehr zurückhaltend gegenübersteht, findet er eine Argumentationslinie, die ihn überzeugt: Seine Unterscheidung der Akzeptanz der amerikanischen Politik beziehungsweise deren Nichtakzeptanz in Bezug auf Hegemonie und Empire. Zur Hegemonie gehört demnach multilaterales Einverständnis, das beim Empire aufgekündigt wird.
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Buchnotiz zu : Frankfurter Rundschau, 29.08.2003
Der Buchmarkt quillt derzeit über von Erscheinungen, die um das vermeintliche "Empire", die USA, kreisen. Die Spreu vom Weizen zu trennen, fällt da nicht immer leicht. Michael Manns Ausführungen darüber, "Warum die USA die Welt nicht regieren können" gehört nach Ansicht von Rezensent Matthias Penzel jedenfalls zu den gelungenen Büchern. Abgesehen von "polemischen Fausthieben am Ende manchen Absatzes" findet Penzel das Buch "nüchtern", voller "hard facts" und in der Behandlung der komplexen Thematik "äußerst imposant". Wie Penzel ausführt, zeigt Mann, dass es sich bei der gegenwärtigen US-Außenpolitik nicht um einen neuen Imperialismus, sondern einen neuen Militarismus handelt. Denn es gehe den USA nicht so sehr darum, andere Territorien zu regieren und zu befrieden, sondern darum, den Freihandel im Sinne US-amerikanischer Firmen zu gewährleisten.
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