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Ein stiller, nahezu schläfriger Johnny Depp (Sleepy Hollow, Dead Man) verkörpert den zynischen, skrupellosen Jäger seltener Bücher Dean Corso, der von dem Dämonologen Boris Balkan (Frank Langella, Die Piratenbraut, Dracula) beauftragt wird, ein seltenes Werk auf Echtheit zu prüfen. An diesem soll der Legende nach Luzifer persönlich mitgeschrieben haben. Dean verlässt das gespenstische New York (welches Polanski im europäischen Studio als düstere Stadt der Schatten hat entstehen lassen) und reist nach Portugal und Paris um Balkans Band mit zwei weiteren Ausgaben zu vergleichen. Er enthüllt ein Geheimnis von unheiliger Tragweite und findet sich inmitten einer Verschwörung wieder, in die Balkan ebenso verstrickt ist wie eine Witwe, die alles daran setzt, Balkans Buch in die Hände zu bekommen (Lena Olin -- Romeo is bleeding, Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins -- die sich fröhlich durch diese Rolle beißt und kratzt). Doch ein mysteriöser Schutzengel (in Gestalt von Polanskis Ehefrau Emmanuelle Seigner, Frantic) bewacht jeden von Corsos Schritten.
Die neun Pforten kommt mit donnergrollender Bedrohung und geschmackvoll vieldeutigen Bildern daher, doch Polanskis kraftlose Inszenierung und absichtlich vage gehaltene Geschichte erzeugen einen Film, der zwar unheimlich ist, aber nie den Schritt zum packenden Streifen schafft. Er steht wiederholt kurz vor der Schwelle zum interessanten Werk, vollzieht aber nie den letzten Schritt -- bis zum letzten, rätselhaften Filmbild. --Sean Axmaker
Wie man feststellen muß, sind die "Neun Pforten" nicht jedermanns Sache. Der Film ist eben kein actiongeladener Brutal-Horror-Streifen ohne Gnade und Erbarmen; es zählen eher die Konstruktion, der Spannungsaufbau und die Feinheiten im Verlauf. Man weiß nicht wie es enden wird, jede Szene zwingt den Zuschauer, nochmal den Sachverhalt zu prüfen - was dazu führt, daß man sehr aufmerksam dabei ist (oder sein sollte).
Feinheiten sind Dinge wie der Ton und der Gesichtsausdruck der unbekannten Grünäugigen (im Abspann "The Girl" genannt), der merklich ernster wird im ausgesprochenen Satz: "Ich interessiere mich für Bücher - Sie auch?". Oder die drei Orangen, die die Treppe hinunterrollen, wobei nur eine(!) nach ganz unten(!) fällt. Die Blondine, vor dem Hotel wartend und auf dem Motorrad kauernd mit einem Hauch von Höllenhund (finde ich zumindest), der seinen "Gast" ins Unvermeidliche führen wird. Die Bildersprache ist in vielen Szenen wohlüberlegt, keine Frage.
Zum Glück mimt Dean Corso, ein auf körperliche Auseinandersetzungen nicht eingerichteter Bücherwurm, Johnny Depp. Das angeborene Besserwisser-Dauergrinsen eines Robin Williams etwa ("klein, aber oho" - furchtbar!) hätte die Glaubwürdigkeit dieser Rolle stark herabgesetzt.
Ich jedenfalls sehe die "Neun Pforten" in einer Kategorie mit "Wenn die Gondeln Trauer tragen" - eigentlich sieht ja alles normal aus, doch irgend etwas stimmt da nicht ... Mich gruselts bei solchen Geschichten viel mehr als bei Stories über maskierte, messerstechende Serienmörder, die in einsamen Gegenden bei Unwetter Teenie-Reisegruppen dezimieren, wobei das schärfste Weib "natürlich" überlebt, als Basis für Teil zwei.
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