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Die neuen Kriege
 
 
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Die neuen Kriege [Taschenbuch]

Herfried Münkler
4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (18 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 288 Seiten
  • Verlag: rororo; Auflage: 4 (2. Februar 2004)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 349961653X
  • ISBN-13: 978-3499616532
  • Größe und/oder Gewicht: 18,6 x 12,4 x 2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.4 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (18 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 29.095 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)
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Herfried Münkler
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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Die Welt ist seit dem Ende des Kalten Krieges nicht friedlicher geworden. Trotzdem hat sich etwas verändert: "Neue Kriege" haben die traditionellen Formen der Gewalt abgelöst, schreibt der Politologe Herfried Münkler in seiner klugen Untersuchung.

Jahrhunderte lang war der Staat "Monopolist des Krieges": Zwei Nationen erklärten einander den Krieg, schickten uniformierte Armeen in die Schlacht. Am Ende stand ein Friedensschluss -- all dies bezeichnet Münkler als historisches Auslaufmodell. Heute dominieren lokale Kriegsherren, Söldnerfirmen und Guerillabanden das Geschehen. Gekämpft wird um Bodenschätze oder um die Vorherrschaft einer ethnischen Gruppe, und oft schwelen diese Konflikte mehrere Jahrzehnte ohne Aussicht auf ein Ende.

Anders als früher sind heute nicht mehr Soldaten die Hauptopfer der Kämpfe: "Bei etwa 80 Prozent der Getöteten und Gefallenen handelt es sich um Zivilisten", schreibt Münkler. Sie werden oft sogar zum eigentlichen Ziel des Gegners. Entweder sollen in so genannten "ethnischen Säuberungen" ganze Bevölkerungsgruppen vertrieben oder ermordet werden, oder die Kämpfer plündern Zivilisten regelrecht aus, um den Fortgang des Krieges oder auch sich selbst zu finanzieren. Armut, so die These Münklers, ist also weniger Ursache für Kriege als vielmehr deren Folge. Überhaupt spielt für Münkler die "Ökonomie der neuen Kriege" eine zentrale Rolle. Oft treten politische oder territoriale Ziele in den Hintergrund, "Kriegsunternehmer" betreiben die Kämpfe "auf eigene Rechnung". Raub, Drogen- und Menschenhandel sind dann der hauptsächliche Zweck des Krieges.

Obwohl der Autor bisweilen etwas zu viel Politologen-Jargon einfließen lässt, hat er ein pointiert formuliertes und gut lesbares Buch geschrieben. Er analysiert ausführlich Erscheinungsformen, Ursachen und Vorgeschichte der "neuen Kriege". Damit bietet er ein überzeugendes Interpretationsraster an für die Bilder der Gewalt, die allabendlich über die Bildschirme flimmern. Münkler macht zugleich deutlich, dass die Merkmale der "neuen Kriege" keinesfalls völlig neue Phänomene sind. Er vergleicht die heutigen Konflikte immer wieder mit dem Dreißigjährigen Krieg: Auch dort mordeten und brandschatzten private Söldnerheere, um sich selbst zu bereichern, auch dort nahmen die Kämpfe lange kein Ende, weil immer neue Akteure auf den Plan traten. Die "neuen Kriege" sind also demnanch ein Rückschritt in eine längst überwunden geglaubte Vergangenheit. --Christoph Peerenboom -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Perlentaucher.de

Buchnotiz zu : Die Zeit, 02.10.2002
So zufrieden ist Hans-Martin Lohmann mit dem Autor und diesem Werk, dass er fast nur noch nacherzählt, welchen Thesen, Fragen und Antworten über die neuen Kriege "in Südostasien, Zentralafrika, Lateinamerika und anderswo" hier nachgegangen wird. Die Analyse der strukturellen Unterschiede von ‚alten’ Kriegen, in denen das "Kriegsmonopol" beim Staat liegt und denen, die von "Warlords" geführt werden, macht dabei den Hauptteil der Besprechung aus. An einem Kapitel über "Terrorismus" zeigt Münkler auf, wie sehr diese Strukturunterschiede sich auch in den Ländern der Ersten Welt inzwischen auswirken; Lohmann stimmt dem Autor zu, wenn er die Vorstellung von z.B. Habermas von einem "Zeitalter globaler Menschenrechtspolitik" per militärischer Intervention für "völlig unrealistisch" hält. "Ein ebenso klares und differenziertes wie luzides Werk" urteilt Lohmann.

© Perlentaucher Medien GmbH

Buchnotiz zu : Die Tageszeitung, 09.10.2002
Erhard Eppler konstatiert in seiner sehr persönlich gehaltenen Rezension, dass der Autor Herfried Münkler der einzige deutsche Universitätswissenschaftler ist, der sich mit dem Thema der neuen Kriege und mit den Folgen des 11. September auf adäquate Art und Weise auseinandergesetzt hat: Wer sich "über die Kommerzialisierung der neuen Gewalt, ihren ökonomischen Hintergrund informieren will, wird nirgendwo so fündig wie bei Münkler". Eppler sieht Münklers Stärken vor allem in der historischen Kontextualisierung seines Themas. Auch findet er seine Gedanken zum Zerfall von Staaten und zu den daraus entstehenden Szenarien ebenso vernünftig und einleuchtend wie die über Bushs Krieg gegen den Terror. Nur gegen Münklers Terminologie hat der Rezensent einige Einwände. Seiner Meinung nach verwendet der Forscher den Begriff "Krieg" zu inflationär - Eppler findet ihn für die Vorgänge nach dem 11. September nicht angemessen.

© Perlentaucher Medien GmbH

Buchnotiz zu : Frankfurter Rundschau, 09.10.2002
Geradezu erleichtert ist Stephan Schlak darüber, dass nach vielen "intellektuellen Schnellschüssen" endlich der Berliner Politikwissenschaftler Herfried Münkler eine treffende und scharfe Analyse dessen gibt, was die "neuen Kriege" ausmacht. Der Autor, der als "Theoretiker des Krieges" kein Unbekannter sei, versuche anhand von Clausewitz, so der Rezensent, den neuen Krieg, wie er in der deutlichsten Form an 11. September in Erscheinung getreten ist, zu fassen. Dabei verortet Münkler, referiert Schlak, den neuen Krieg in der Fortsetzung des Dreißigjährigen Krieges. Denn was er hervorbringe, seien einmal die Warlords, einen "offenen Gewaltmarkt", "Söldnerfirmen", die Doktrin des "gerechten Krieges" und "archaische Kriegspraktiken". Zum anderen verliere der Autor auch die Kriegsökonomie nicht aus den Augen, in der Münkler das "eigentliche Schwungrad" dieser Kriege sehe. Auch der Skepsis des Autors gegenüber der "pazifierenden Kraft des Kapitals" zollt der Rezensent Zustimmung. Denn besonders erfreulich findet Schlak, dass Münkler nicht am "semantischen Versteckspiel" der Konfliktforscher oder am Verschanzen hinter der "Werte-Wagenburg" teilnehme, sondern stattdessen den Begriff der "neuen Kriege" präzise zu füllen trachte.

© Perlentaucher Medien GmbH
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

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30 von 33 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Stehen wir vor einem neuen 30-jährigen Krieg?, 21. November 2002
Rezension bezieht sich auf: Die neuen Kriege (Gebundene Ausgabe)
Wie unterscheiden sich die "neuen Kriege", die der Berliner Politikwissenschaftler Herfried Münkler hier beschreibt, von den alten? Sie sind billig, sie finanzieren sich aus dem Land, auf dem sie ausgefochten werden und sie dauern ewig. Weil die Generäle und Ideologen, die sie führen, keinen Frieden wollen, sondern die Erhaltung ihrer Macht. Weil sie dadurch reich werden.
Bisher hat noch niemand eine so klare, einleuchtende und verständliche Analyse der "neuen Kriege" geschrieben wie Münkler. Absolut logisch, verständlich und - sogar das - spannend schildert er die wahren Ziele von Terroristen und Warlords. Sie wollen ihren Status und ihr Wohlleben erhalten - durch Rauschgiftschmuggel (Afghanistan, Kolumbien), Ölschmuggel (Irak, Kongo, Sudan), Diamantenschmuggel (z. B. Angola). Und durch die Ausplünderung der Bevölkerung.
Ob das je wieder zu ändern sein wird? Münkler sieht schwarz, zumindest so lange die Staaten der westlichen Welt nicht noch viel mehr Geld in Friedenssicherung und Wiederaufbau der zerstörten Staaten stecken.
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Von symmetrischen und asymmetrischen Kriegen, 20. Mai 2007
Rezension bezieht sich auf: Die neuen Kriege (Taschenbuch)
Die neuen Kriege seien dem Dreißigjährigen Krieg ähnlicher, als die Staatenbildungskriege des 17. bis 20. Jahrhunderts. Dies ist die Zentralthese Herfried Münklers, der in der ersten Hälfte seines Werkes versucht, diese These durch viele prägnante Beispiele zu beweisen, was ihm hervorragend gelingt.

Ein entscheidendes Merkmal der neuen Kriege zeigt sich darin, dass diese nicht wie bisher, zwischen verschiedenen Staaten geführt werden, sondern vielmehr von verschiedenen Interessengruppen organisiert werden. Diese Gruppen haben nicht die Staatenbildung, sondern die ökonomische Ausbeutung eines bestimmten Gebietes zum Ziel.

Dabei kommen verstärkt Kinder und Jugendliche, die eine zumeist hoffnungslose Zukunft erwartet, zum Einsatz. Dies sei vor allem durch den Einsatz von leicht bedienbaren Waffen, die kaum Ausbildungszeit erfordert, möglich. Herfried Münkler betont, dass der Besitz einer Waffe oft die einzige Möglichkeit für die Halbwüchsigen sei, an Nahrung und Kleidung zu kommen beziehungsweise der einfachste Weg, sich die begehrten Konsumgüter und Statussymbole anzueignen.(S.36)

Der Besitz von Waffen ist jedoch nicht nur mit materiellen Bedürfnissen verknüpft, sondern impliziert gleichzeitig die Erfüllung sexueller Bedürfnisse (S.39). Diese sind wiederum ein Grund dafür, dass die Gewaltbereitschaft zunimmt und es sehr häufig zu Vergewaltigungen und Verstümmelungen kommt. Herfried Münkler spitzt diese Tatsache so weit zu, dass er behauptet, die Angriffe richteten sich nicht mehr primär an Männer, sondern an Frauen.

Die neuen Kriege zeichnen sich dadurch aus, dass sie keine symmetrischen  sondern asymmetrische Kriege sind. Dies zeigt sich in den extrem ungleich verteilten Machtverhältnissen zwischen den am Krieg partizipierenden Gruppen. Doch gerade dieses Ungleichgewicht nutzen terroristische Organisationen, wie al-Qaida, gezielt aus, um zu signalisieren, dass selbst der mächtigste Gegner nicht unverwundbar ist. Und gerade die Unberechenbarkeit der vereinzelten Anschläge macht es so schwer, sich gegen diese zu schützen, beziehungsweise sich zu wehren.

Besonderes Gewicht legt Münkler auf den ökonomischen Gesichtspunkt der neuen Kriege. Er vertritt die These, dass sich symmetrische Kriege für die Kriegsteilnehmer nicht mehr lohnten. Man könne auch durch relativ kostengünstig organisierte Kriege große Aufmerksamkeit erhalten. Dass diese Auffassung nicht gänzlich aus der Luft gegriffen ist, beweisen die Angriffe auf das World-Trade-Center. Der verstärkte Zugriff auf die Medien ist dabei sicherlich nicht zu verachten, wie Münkler treffend konstatiert.

Herfried Münklers Buch zeichnet sich durch die gute Lesbarkeit aus und eignet sich somit auch für Leser, die einen Einstieg in das Gebiet suchen.

Wünschenswert bleibt eine alphabetisch geordnete und weiterführende Bibliografie und ein Namens- oder Sachwortregister zum schnellen Nachschlagen.
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25 von 30 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Die neuen Kriege, 21. September 2002
Von Ein Kunde
Rezension bezieht sich auf: Die neuen Kriege (Gebundene Ausgabe)
In zukünftigen Geschichtsbüchern könnten folgende Zeilen zu lesen sein: Der 11. September 2001, der Tag, an dem islamische Selbstmord-Terroristen amerikanische Passagierflugzeuge auf die Türme des New Yorker World Trade Centers und das Pentagon in Washington lenkten, wurde als flammendes Symbol für einen tiefen Bruch in der Geschichte der Nachmoderne gesehen.
Das Unvorstellbare, das sich in dieser Stunde in den Vereinigten Staaten abspielte, war als Phänomen jedoch nicht neu, und viele Zeichen und Ereignisse in den Jahrzehnten zuvor wiesen bereits auf die einschneidenden Umwälzungen im Zusammenleben der Staaten hin. Der Terror wütete in zahllosen Ländern der Erde. Flugzeugentführungen, Selbstmordattentate, blutige Bürgerkriege, in denen die Mehrzahl der Opfer Zivilisten waren, beherrschten bereits in den siebziger und achtziger Jahren des 20.Jahrhu-nderts die Schlagzeilen.
Genau diese Entwicklungen beschreibt Herfried Münkler in seinem neuen Buch „Die neuen Kriege".
Die neuen Kriege sind billig und grausam. Um die Bevölkerung einer Region zu unterdrücken, auszubeuten oder auszurotten, benötigen die Angreifer keine komplizierten elektronischen und damit teuren Waffensysteme, keine Atom-U-Boote oder Bomberflotten. Es reicht völlig, wenn die mafiosen Kriegsherren ihre Kinder- und Killertruppen mit einer auf dem Weltmarkt in beliebiger Zahl und preiswert zu erstehenden Kalaschnikov ausrüsten und sie ihr Handwerk mit ausreichender Brutalität ausüben. Völkermord, Verstümmelungen und Massenvergewaltigungen gehören zur Strategie dieser neuen Kriege, und dazu brauchen die Mörder und Folterer im Zweifel nur die Machete. Die primitivsten Menschenrechte werden in den neuen Kriegen mit den Füßen getreten, weil die bewusst eingesetzten Grausamkeiten den ethnischen oder ökonomischen Zielen der Warlords dienen. In zahlreichen Ländern der Erde sind die Völker wieder in die Zeiten des Dreißigjährigen Krieges zurückgeworfen worden, der Mitteleuropa im 17. Jahrhundert verwüstet hatte. Ihre Anführer handeln wie die Mansfelds, Tillys oder Wallensteins in den von ihnen beherrschten Provinzen. Der Sold ihrer Truppen ist das zur Beute freigegebene Land und seine Bewohner.
Der klassische zwischenstaatliche Krieg ging auf die Vernichtung des Gegners bis zu dem Punkt aus, an dem er kapitulierte. Ziel war der Sieg und damit das möglichst rasche Ende einer auch die Ressourcen des eigenen Staates immer stärker vernichtenden militärischen Auseinandersetzung. Die neuen Kriege kennen kein Ende, im Gegenteil, für die Warlords ist die Aufrechterhaltung des Gewaltzustandes die Grundlage ihres ökonomischen Gewinnstrebens. Nur permanente Unterdrückung und Versklavung der Bevölkerung garantiert ihnen die Rohstoffausbeute, die monopolartige Beherrschung der Märkte oder den einträglichen Drogenschmuggel. Die Gewalt wird für die Warlords oder Terroristen zum Garant der Rentabilität ihres Einsatzes, die Verluste aber werden sozialisiert.

Münklers Darstellung ist so präzise, wie erschütternd. Was er darstellt zeigt, dass weder die Balkankriege noch der 11. September einmalige Ereignisse in der Zeitgeschichte gewesen sind. Der Autor sieht in ihnen vielmehr die Vorboten künftiger Entwicklungen. Es sind drohende Zeichen der Geschichte, die seit spätestens einem Jahr auch in den Metropolen der westlichen Welt nicht mehr verdrängt werden können. Als die Türme des World Trade Centers in sich zusammenstürzten, spürte die westliche Welt für einen Augenblick, dass weder milliardenverschlingende Raketenschutzschilde noch hochtechnisierte Kriege gegen „Schurkenstaaten" sie vor den Terror und Tod verbreitenden neuen Kriegen werden bewahren können. Münkler bietet keine Rezepte zur Umkehr an, sein Buch ist eine Zustandsbeschreibung. Aber dass die Welt für die sich vertiefende Spaltung zwischen reich und arm, den ökonomischen, sozialen und staatlichen Verfall zahlreicher Staaten Afrikas und Asiens einen immer höheren Preis zahlen muss, macht diese Beschreibung der neuen Kriege zumindest zwischen den Zeilen deutlich.

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