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Jahrhunderte lang war der Staat "Monopolist des Krieges": Zwei Nationen erklärten einander den Krieg, schickten uniformierte Armeen in die Schlacht. Am Ende stand ein Friedensschluss -- all dies bezeichnet Münkler als historisches Auslaufmodell. Heute dominieren lokale Kriegsherren, Söldnerfirmen und Guerillabanden das Geschehen. Gekämpft wird um Bodenschätze oder um die Vorherrschaft einer ethnischen Gruppe, und oft schwelen diese Konflikte mehrere Jahrzehnte ohne Aussicht auf ein Ende.
Anders als früher sind heute nicht mehr Soldaten die Hauptopfer der Kämpfe: "Bei etwa 80 Prozent der Getöteten und Gefallenen handelt es sich um Zivilisten", schreibt Münkler. Sie werden oft sogar zum eigentlichen Ziel des Gegners. Entweder sollen in so genannten "ethnischen Säuberungen" ganze Bevölkerungsgruppen vertrieben oder ermordet werden, oder die Kämpfer plündern Zivilisten regelrecht aus, um den Fortgang des Krieges oder auch sich selbst zu finanzieren. Armut, so die These Münklers, ist also weniger Ursache für Kriege als vielmehr deren Folge. Überhaupt spielt für Münkler die "Ökonomie der neuen Kriege" eine zentrale Rolle. Oft treten politische oder territoriale Ziele in den Hintergrund, "Kriegsunternehmer" betreiben die Kämpfe "auf eigene Rechnung". Raub, Drogen- und Menschenhandel sind dann der hauptsächliche Zweck des Krieges.
Obwohl der Autor bisweilen etwas zu viel Politologen-Jargon einfließen lässt, hat er ein pointiert formuliertes und gut lesbares Buch geschrieben. Er analysiert ausführlich Erscheinungsformen, Ursachen und Vorgeschichte der "neuen Kriege". Damit bietet er ein überzeugendes Interpretationsraster an für die Bilder der Gewalt, die allabendlich über die Bildschirme flimmern. Münkler macht zugleich deutlich, dass die Merkmale der "neuen Kriege" keinesfalls völlig neue Phänomene sind. Er vergleicht die heutigen Konflikte immer wieder mit dem Dreißigjährigen Krieg: Auch dort mordeten und brandschatzten private Söldnerheere, um sich selbst zu bereichern, auch dort nahmen die Kämpfe lange kein Ende, weil immer neue Akteure auf den Plan traten. Die "neuen Kriege" sind also demnanch ein Rückschritt in eine längst überwunden geglaubte Vergangenheit. --Christoph Peerenboom -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
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Münklers Darstellung ist so präzise, wie erschütternd. Was er darstellt zeigt, dass weder die Balkankriege noch der 11. September einmalige Ereignisse in der Zeitgeschichte gewesen sind. Der Autor sieht in ihnen vielmehr die Vorboten künftiger Entwicklungen. Es sind drohende Zeichen der Geschichte, die seit spätestens einem Jahr auch in den Metropolen der westlichen Welt nicht mehr verdrängt werden können. Als die Türme des World Trade Centers in sich zusammenstürzten, spürte die westliche Welt für einen Augenblick, dass weder milliardenverschlingende Raketenschutzschilde noch hochtechnisierte Kriege gegen „Schurkenstaaten" sie vor den Terror und Tod verbreitenden neuen Kriegen werden bewahren können. Münkler bietet keine Rezepte zur Umkehr an, sein Buch ist eine Zustandsbeschreibung. Aber dass die Welt für die sich vertiefende Spaltung zwischen reich und arm, den ökonomischen, sozialen und staatlichen Verfall zahlreicher Staaten Afrikas und Asiens einen immer höheren Preis zahlen muss, macht diese Beschreibung der neuen Kriege zumindest zwischen den Zeilen deutlich.
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