Die neuen Kriege seien dem Dreißigjährigen Krieg ähnlicher, als die Staatenbildungskriege des 17. bis 20. Jahrhunderts. Dies ist die Zentralthese Herfried Münklers, der in der ersten Hälfte seines Werkes versucht, diese These durch viele prägnante Beispiele zu beweisen, was ihm hervorragend gelingt.
Ein entscheidendes Merkmal der neuen Kriege zeigt sich darin, dass diese nicht wie bisher, zwischen verschiedenen Staaten geführt werden, sondern vielmehr von verschiedenen Interessengruppen organisiert werden. Diese Gruppen haben nicht die Staatenbildung, sondern die ökonomische Ausbeutung eines bestimmten Gebietes zum Ziel.
Dabei kommen verstärkt Kinder und Jugendliche, die eine zumeist hoffnungslose Zukunft erwartet, zum Einsatz. Dies sei vor allem durch den Einsatz von leicht bedienbaren Waffen, die kaum Ausbildungszeit erfordert, möglich. Herfried Münkler betont, dass der Besitz einer Waffe oft die einzige Möglichkeit für die Halbwüchsigen sei, an Nahrung und Kleidung zu kommen beziehungsweise der einfachste Weg, sich die begehrten Konsumgüter und Statussymbole anzueignen.(S.36)
Der Besitz von Waffen ist jedoch nicht nur mit materiellen Bedürfnissen verknüpft, sondern impliziert gleichzeitig die Erfüllung sexueller Bedürfnisse (S.39). Diese sind wiederum ein Grund dafür, dass die Gewaltbereitschaft zunimmt und es sehr häufig zu Vergewaltigungen und Verstümmelungen kommt. Herfried Münkler spitzt diese Tatsache so weit zu, dass er behauptet, die Angriffe richteten sich nicht mehr primär an Männer, sondern an Frauen.
Die neuen Kriege zeichnen sich dadurch aus, dass sie keine symmetrischen sondern asymmetrische Kriege sind. Dies zeigt sich in den extrem ungleich verteilten Machtverhältnissen zwischen den am Krieg partizipierenden Gruppen. Doch gerade dieses Ungleichgewicht nutzen terroristische Organisationen, wie al-Qaida, gezielt aus, um zu signalisieren, dass selbst der mächtigste Gegner nicht unverwundbar ist. Und gerade die Unberechenbarkeit der vereinzelten Anschläge macht es so schwer, sich gegen diese zu schützen, beziehungsweise sich zu wehren.
Besonderes Gewicht legt Münkler auf den ökonomischen Gesichtspunkt der neuen Kriege. Er vertritt die These, dass sich symmetrische Kriege für die Kriegsteilnehmer nicht mehr lohnten. Man könne auch durch relativ kostengünstig organisierte Kriege große Aufmerksamkeit erhalten. Dass diese Auffassung nicht gänzlich aus der Luft gegriffen ist, beweisen die Angriffe auf das World-Trade-Center. Der verstärkte Zugriff auf die Medien ist dabei sicherlich nicht zu verachten, wie Münkler treffend konstatiert.
Herfried Münklers Buch zeichnet sich durch die gute Lesbarkeit aus und eignet sich somit auch für Leser, die einen Einstieg in das Gebiet suchen.
Wünschenswert bleibt eine alphabetisch geordnete und weiterführende Bibliografie und ein Namens- oder Sachwortregister zum schnellen Nachschlagen.