In diesem nunmehr dritten Buch von Niels Pfläging geht es darum das Managementmodell Beyond Budgeting neu zu positionieren bzw. weiter zu verallgemeinern. Wie der Titel bereits aussagt, soll hier der Kodex oder auch der Beta Kodex - wie Beyond Budgeting lt. Pfläging in einer stark verallgemeinerten Form jetzt heißen soll - als Alternative zum Management vorgestellt werden, wobei Management als veraltete Führungsform des vergangenen 20. Jahrhunderts dargestellt wird. So weit die provokante Grundaussage des Buches, bleibt die Frage inwieweit BB (oder was davon übrig ist) tatsächlich die Mitarbeiterführung via Management ablösen kann. Es ist das eine, den Abbau von Hierarchien zu fordern, eine echte Alternative zu liefern ist etwas ganz anderes. Selbst im mittlerweile längst ausgelutschten BB Musterbeispiel Svenska Handelsbanken (übrigens bis heute das einzige halbwegs detailliert dokumentierte Fallbeispiel) gibt es eine Zentrale mit Vorstand und Filialen mit Filialleitern. Auch dezentrale Unternehmen werden immer hierarchische Management Strukturen aufweisen! Die plakative Grundaussage des Buches ist also durch das eigene Fallbeispiel widerlegbar.
Grundsätzlich ist das Buch unter dem Eindruck der Finanzkrise geschrieben und bietet vermeintlich neue Führungsansätze wie eine stärkere Kunden- und Mitarbeiterorientierung, den Verzicht auf Anreizung über Bonuspläne oder Dezentralisierung. Die Finanzkrise ist sicherlich auch eine Steilvorlage für jeden Managementautor. Der Running Gag des Buches ist wie gesagt die Umbenennung von Beyond Budgeting in der Kodex, wobei man aufgrund der sehr starken Verallgemeinerung und Schwammigkeit mit der verschiedenste Führungsweisheiten dargelegt werden eher von Beyond Budgeting Light sprechen muss. Meiner Meinung nach ist dieser Schachzug völlig überflüssig und unsinnig, dies soll wohl dazu dienen das Konzept einfacher einer breiten Maße vermarkten zu können. Dadurch das BB mittlerweile knapp 15 Jahre alt ist und sich in der Praxis nicht durchgesetzt hat ist es damit auch leichter weiterhin von etwas Neuem zu sprechen. Außerdem verschwindet mit dieser Umbenennung auch der Begriff des Budgets bzw. der Budgetierung aus dem Namen des Konzepts. Inhaltlich will sich Pfläging damit vom einstigen Kern von BB lossagen. Entstanden ist das Konzept schließlich dadurch, dass Hope & Fraser Mitte bis Ende der 90. Jahre einige wenige Unternehmen besuchten die ohne Budgets steuerten. Sicherlich hatte der Ansatz darüber hinaus auch immer Führungsaspekte so z.B. die teambezogene Leistungsbeurteilung im Nachhinein im Vergleich zu anderen Abteilungen und Unternehmen, die starke Dezentralisierung oder die Steuerung von Gemeinkostenbereichen über interne Märkte. Trotzdem stand die Abschaffung der Budgetierung im Mittelpunkt des Konzepts, daher ja auch der Name Beyond Budgeting! Erst in den letzten Jahren fing z.B. Pfläging an, das Konzept hin und her zu positionieren und zum reinen Führungsthema usw. zu erklären, wie es halt gerade passt. Es mag jeder selbst urteilen was davon zu halten ist. Bleibt festzuhalten, dass sich die operative Planung / Budgetierung nach wie vor als ein Kernproblem vieler Unternehmen darstellt, was durch BB nicht gelöst wurde! Das selbst Beyond Budgeting Gurus wie Niels Pfläging von der Problematik nix mehr wissen wollen ist bezeichnend!
Normalerweise ist es üblich, dass ein Ansatz je länger er erforscht und diskutiert wird immer detaillierter und umfassender beschrieben und analysiert wird. Skurril ist, dass bei dem schillernden Konzept Beyond Budgeting genau das Gegenteil der Fall ist. Je mehr Veröffentlichungen man liest, je unschärfer und geradezu beliebig werden die BB Befürworter in ihren Ausführungen. Mittlerweile scheint da alles irgendwie BB (oder zumindest BB Light, also der Kodex) zu sein und alle möglichen Firmen als Fallbeispiel dienen zu können, oder auch nicht, wie man es gerade braucht. Eine immer stärker werdende Verallgemeinerung des Konzepts macht es natürlich einfach alle möglichen Unternehmen als angebliche Fallbeispiele aus dem Hut zu zaubern und dann zu behaupten das Konzept habe sich in der Praxis durchgesetzt. Die Fragen die sich dann stellen sind aber, was man damit tatsächlich erreicht hat und wem damit eigentlich gedient sein soll?
Ich stelle fest, dass die Beyond Budgeting Diskussion ihren Zenit überschritten hat, basierend auf dem Detailgrad und der Qualität jüngerer Veröffentlichungen. Dieses Buch ist hierfür der Beweis, das Konzept ist in der massentauglichen Light Version leider weder radikal noch revolutionär, was ja einst den Reiz an Beyond Budgeting ausgemacht hat, liest sich wie eine Sprenger Kopie, was es vielleicht auch sein soll.