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Joachim Bublath arbeitet beim Fernsehen. Beim Fernsehen darf man nicht zu lange Sätze verwenden. Denn der Zuschauer kann nicht, wie bei einem Buch, zurückblättern. Deswegen lieben Fernsehmoderatoren kurze Hauptsätze. Und sie wiederholen sie gerne. Damit der Zuschauer die Botschaft auch wirklich begreift. Beim Lesen wirkt dieser Stil eher - ermüdend.
"Visionen, Rätsel, Grenzen" lautet der vielversprechende Untertitel des neuen Buchs von Joachim Bublath. Und in der Tat scheint der Autor, der das Ressort Naturwissenschaft und Technik des ZDF leitet - und dessen Gesicht daher einen verkaufsfördernden Bekanntheitsgrad bieten dürfte -, hier an seine Grenzen gelangt zu sein: Viel, allzu viel versucht der gelernte Physiker, Mathematiker und Chemiker in seine "Neue Welt der Gene" zu packen. Denn es geht nicht nur um Möglichkeiten, Chancen und Risiken der Gentechnik - allein zum heiß diskutierten Thema Klonen ließen sich mehrere Bände füllen -, sondern Bublath setzt an zu einem Rundumschlag: Er beschreibt zunächst, wie Gene ihre Botschaft in Proteine umsetzen, beschäftigt sich dann mit den Themen Klonen, Genmanipulationen und Gentherapien - wobei ein Streifzug zur Stammzellforschung nicht fehlen darf -, wechselt hinüber zu Krebs, Altern und Tod, verweilt ein wenig bei biologischen Waffen, springt danach zum Ursprung des Menschen, philosophiert kurz über die ewige Frage, ob uns Gene oder Umwelteinflüsse prägen, taucht hinab in die Welt der Grünen Gentechnik, landet anschließend - mit einem Abstecher zur Kriminalistik - beim Humangenomprojekt, um sich daraufhin mit der Entstehung des Lebens zu beschäftigen, erklärt ein wenig Entwicklungsbiologie, bevor er mit dem großen Finale über Artenvielfalt und Evolution sein Werk vollendet. Kurz: Die komplette Biologie soll's schon sein.
An spannenden Themen mangelt es dem Autor also nicht. Doch Bublaths Versuch, all das in "bewährt verständlicher Weise" - wie es im Klappentext heißt - dem Leser näher zu bringen, endet in ständigen, ermüdenden Wiederholungen. So wird dem Leser immer wieder eingetrichtert, dass das Genom sich nur aus den vier Buchstaben A, T, G und C zusammensetzt, dass der genetische Code bei allen Arten gleich ist, dass sich Schimpanse und Mensch genetisch zu 99 Prozent gleichen.
Die Wiederholungen ziehen sich durch ganze Absätze. Eine kleine Kostprobe zum Thema Telomere, jenen Endstücken der Chromosomen, die bei der Zellteilung eine Rolle spielen: "Dort [am Chromosomenende] bleibt immer ein Stück übrig, das verloren geht... und jedesmal verliert das Chromosom an seinem Ende ein Stück DNS... mit der Folge, dass das freie Ende verloren geht und die DNS kürzer wird... Doch bei jeder Zellteilung wird die Abfolge an den Enden der DNS kürzer... So schrumpfen die schützenden Telomere... Die Verkürzung der Chromosomen ist noch nicht des Rätsels Lösung. Niemand stirbt, weil die Telomere... zu kurz geworden sind... Welche Rolle dabei die verkürzten Chromosomenenden spielen, ist nicht geklärt, man beobachtet nur, dass sich... die Enden verkürzt haben..."
Bublath kann damit seine Herkunft als Fernsehredakteur nicht verleugnen. Denn in diesem Medium machen gelegentliche Wiederholungen - und kurze, knappe Sätze - durchaus Sinn, doch das Fernsehen setzt auch mehr auf die Macht der Bilder. Und genau das versucht Bublath auch mit seinem Buch: Blättert man es durch, beeindrucken die großformatigen, phantasievollen, in Hochglanz gedruckten Abbildungen und bieten dem Auge durchaus Genuss. Doch so schön sie auch sein mögen, zum Verständnis tragen sie eher wenig bei. Und ob Bublaths abgehackter Schreibstil das Verständnis unbedingt fördert, sei dahingestellt - dem Lesespaß dient er zumindest nicht.
Fazit: Im Bücherschrank macht sich "Die neue Welt der Gene" sicherlich gut, als vergnügliche und anregende Lektüre ist sie weniger geeignet. Rezensent: Dr. Andreas Jahn
"Visionen, Rätsel, Grenzen" lautet der vielversprechende Untertitel des neuen Buchs von Joachim Bublath. Und in der Tat scheint der Autor, der das Ressort Naturwissenschaft und Technik des ZDF leitet - und dessen Gesicht daher einen verkaufsfördernden Bekanntheitsgrad bieten dürfte -, hier an seine Grenzen gelangt zu sein: Viel, allzu viel versucht der gelernte Physiker, Mathematiker und Chemiker in seine "Neue Welt der Gene" zu packen. Denn es geht nicht nur um Möglichkeiten, Chancen und Risiken der Gentechnik - allein zum heiß diskutierten Thema Klonen ließen sich mehrere Bände füllen -, sondern Bublath setzt an zu einem Rundumschlag: Er beschreibt zunächst, wie Gene ihre Botschaft in Proteine umsetzen, beschäftigt sich dann mit den Themen Klonen, Genmanipulationen und Gentherapien - wobei ein Streifzug zur Stammzellforschung nicht fehlen darf -, wechselt hinüber zu Krebs, Altern und Tod, verweilt ein wenig bei biologischen Waffen, springt danach zum Ursprung des Menschen, philosophiert kurz über die ewige Frage, ob uns Gene oder Umwelteinflüsse prägen, taucht hinab in die Welt der Grünen Gentechnik, landet anschließend - mit einem Abstecher zur Kriminalistik - beim Humangenomprojekt, um sich daraufhin mit der Entstehung des Lebens zu beschäftigen, erklärt ein wenig Entwicklungsbiologie, bevor er mit dem großen Finale über Artenvielfalt und Evolution sein Werk vollendet. Kurz: Die komplette Biologie soll's schon sein.
An spannenden Themen mangelt es dem Autor also nicht. Doch Bublaths Versuch, all das in "bewährt verständlicher Weise" - wie es im Klappentext heißt - dem Leser näher zu bringen, endet in ständigen, ermüdenden Wiederholungen. So wird dem Leser immer wieder eingetrichtert, dass das Genom sich nur aus den vier Buchstaben A, T, G und C zusammensetzt, dass der genetische Code bei allen Arten gleich ist, dass sich Schimpanse und Mensch genetisch zu 99 Prozent gleichen.
Die Wiederholungen ziehen sich durch ganze Absätze. Eine kleine Kostprobe zum Thema Telomere, jenen Endstücken der Chromosomen, die bei der Zellteilung eine Rolle spielen: "Dort [am Chromosomenende] bleibt immer ein Stück übrig, das verloren geht... und jedesmal verliert das Chromosom an seinem Ende ein Stück DNS... mit der Folge, dass das freie Ende verloren geht und die DNS kürzer wird... Doch bei jeder Zellteilung wird die Abfolge an den Enden der DNS kürzer... So schrumpfen die schützenden Telomere... Die Verkürzung der Chromosomen ist noch nicht des Rätsels Lösung. Niemand stirbt, weil die Telomere... zu kurz geworden sind... Welche Rolle dabei die verkürzten Chromosomenenden spielen, ist nicht geklärt, man beobachtet nur, dass sich... die Enden verkürzt haben..."
Bublath kann damit seine Herkunft als Fernsehredakteur nicht verleugnen. Denn in diesem Medium machen gelegentliche Wiederholungen - und kurze, knappe Sätze - durchaus Sinn, doch das Fernsehen setzt auch mehr auf die Macht der Bilder. Und genau das versucht Bublath auch mit seinem Buch: Blättert man es durch, beeindrucken die großformatigen, phantasievollen, in Hochglanz gedruckten Abbildungen und bieten dem Auge durchaus Genuss. Doch so schön sie auch sein mögen, zum Verständnis tragen sie eher wenig bei. Und ob Bublaths abgehackter Schreibstil das Verständnis unbedingt fördert, sei dahingestellt - dem Lesespaß dient er zumindest nicht.
Fazit: Im Bücherschrank macht sich "Die neue Welt der Gene" sicherlich gut, als vergnügliche und anregende Lektüre ist sie weniger geeignet. Rezensent: Dr. Andreas Jahn
Kurzbeschreibung
In bewährter Weise erklärt Joachim Bublath die Grundlagen der Genetik und erläutert die faszinierenden Fortschritte in der Genforschung - aber auch deren Gefahren. Die Gentechnik macht mit immer neuen Schlagzeilen von sich reden. Ethische Grundsätze sind ins Wanken geraten. Das Klonen von Menschen scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein. Ist nun ohne Umschweife erlaubt, was gentechnologisch machbar ist? In seinem neuen Buch bietet Joachim Bublath eine ebenso fundierte wie verständliche Einführung in das komplexe Forschungsgebiet der Genetik und in die Probleme, die sich der Menschheit dort mit wachsendem Wissen stellen. Auch wenn das menschliche Erbgut so gut wie entschlüsselt ist, bleibt das genaue Zusammenspiel der Gene noch weitgehend ein Rätsel. Weiß die moderne Genetik tatsächlich genug, um erfolgreich in die Entwicklungsprozesse der Natur eingreifen zu können?
Über den Autor
Joachim Bublath, promovierter Physiker, mehrfach preisgekrönter Wissenschaftspublizist und Buchautor, ist als Leiter und Moderator mehrerer populärwissenschaftlicher Sendereihen (u. a. Knoff-hoff-Show, Abenteuer Forschung) beim ZDF zum prominentesten TV-Wissenschaftsexperten im deutschsprachigen Raum geworden. Seine TV-Begleitbücher wurden Bestseller.