Die neue Unterschicht - Armut in Deutschland? "In nur 2 Stunden wissen Sie Bescheid!" ist wohl bei Lichte betrachtet etwas übertrieben.
Das Buch liefert "Kurz und bündig", so auch der Titel der Reihe, einen breitgefächerten Überblick zum Thema Armut in Deutschland.
Der Autor erläutert auch verschiedene Begriffe zur Thematik (z.B. working poor, Prekariat) und stellt - durchsetzt mit Bibelzitaten - verschiedene Armutsdefinitionen und theoretische Erklärungskonzepte für die "neue" Armut in Deutschland dar, bleibt jedoch meistens zu vage und bezieht keine eindeutige Stellung. Wenn es allerdings um Reichtum und die Verteilung des Wohlstandes geht, bezieht der Autor eindeutig Stellung und zitiert vollkommen kritiklos einen Herrn Steingart vom Nachrichtenmagazin "Der Spiegel", demzufolge die "Reichen" - zu denen zum Beispiel Multimilliardäre wie die Gebrüder Albrecht, die Familie Quandt und der Erbprinz von Thurn & Taxis gehören - ihre Vermögen, für die ein Normalverdiener in Deutschland mehr als 100.000 (in Worten: einhunderttausend) Jahre arbeiten müsste, "keiner Lotterie oder Seeräuberei verdanken", sondern es in aller Regel auf Leistung beruhe, die über das Normalmaß deutlich hinausragt.
Auch der Hinweis des Autors, dass es den Hartz IV-Empfängern in Deutschland materiell viel besser gehen würde als den Armen in Uganda oder einem anderen Dritte-Welt-Land, trifft zweifelsohne zu, aber wem hilft das bei Lichte betrachtet weiter? Es ändert weder etwas an der Situation der Hartz IV-Empfänger hierzulande noch an der Lage der Slumbewohner in Uganda. Der Vergleich liefert allenfalls eine billige Ausrede für diejenigen, die daran nichts ändern wollen.
Da könnte man auch argumentieren: Jemand, der im Krieg ein Bein verloren hat, ist besser dran als ein anderer, der im Krieg zwei Beine verloren hat. Ist es nicht am besten, wenn man zwei gesunde Beine hat?
Eindeutig Stellung bezieht der Autor bei seiner Kritik an der gesetzlichen Sozialversicherung deutscher Ausprägung zugunsten einer solidarischen Bürgerversicherung, bei der "die Beitragspflichten und Leistungsrechte nicht an einen überholten Arbeitnehmerstatus" knüpfen, sondern an einen Bürgerstatus und dadurch den Faktor Arbeit entlasten, weil auch Einkünfte aus Mieten und Pachten sowie Dividenden und andere Kapitaleinkünfte einbezogen werden.
Als oberflächlicher "Einstieg" in die Thematik ist das Buch zwar geeignet, wer sich allerdings etwas kritischer und tiefgründiger mit dem Thema Armut in Deutschland auseinandersetzen will, für den bringt das Buch leider nur wenig Erkenntnisse.