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Die neue Sklaverei
 
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Die neue Sklaverei [Gebundene Ausgabe]

Kevin Bales , Inge Leipold
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 381 Seiten
  • Verlag: Kunstmann (1. Januar 2001)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3888972647
  • ISBN-13: 978-3888972645
  • Originaltitel: Disposable People
  • Größe und/oder Gewicht: 21,6 x 14,4 x 3,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 511.494 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Neuerdings hat mit der Sklaverei eine als abgeschafft geltende Ausbeutung des Menschen durch den Menschen ungeahnte Wiederauferstehung erlebt. In ihrer neuen Prägung macht sie alte Bilder von Baumwollpflückern in den Südstaaten der USA geradezu nostalgisch: Immerhin war dort der "Besitz" von Menschen noch mit juristischen Skrupeln und Kosten verbunden. Aus solcher Verantwortung sind die modernen Sklavenhalter weitgehend entlassen. Nach vorsichtigen Schätzungen leben derzeit 27 Millionen Menschen weltweit in einem Abhängigkeitsverhältnis, das vollkommene Beherrschung zum Zwecke wirtschaftlicher Ausbeutung bedeutet. Ohne Lohnzahlung und immer der Willkür des "Eigentümers" ausgesetzt, schuften diese neuen Sklaven, nur mit dem Nötigsten versorgt, auf unbestimmte Zeit. Oft genug sind sie Wegwerfware, ihre "Entsorgung" bedeutet häufig Tod.

Kevin Bales hat die betreffenden Länder bereist und kennt seinen Forschungsgegenstand aus eigener Anschauung. Er zeigt dabei, dass die neue Sklaverei (die besonders in Brasilien und Thailand vorkommt) kein lokal abgegrenztes Phänomen ist, sondern mittelbar oder direkt im Weltmarkt aufgeht. Hierin sieht der in Surrey lehrende Soziologieprofessor den Hebel für Gegenmaßnahmen: Sobald es kein einträgliches Geschäft mehr sei, bestünde kaum noch Anreiz Menschen zu versklaven.

Ein guter Ansatz, den Bales leider verspielt, indem er Sklaverei nur als eine Art Krankheit in einem ansonsten gesunden Wirtschaftskörper ansieht. Nun ist aber die globale Ökonomie von Haus aus Vernichtung durch Arbeit, und in ihr Versklavung nur die besonders hässliche Form einer grundsätzlich falschen Vernutzung menschlicher Tätigkeit. Verändertes Konsumverhalten, neue Gesetze, Stärkung von Antisklaverei-Organisationen und Menschenrechts-Appelle können zwar taktische Erfolge bringen, sind als strategische Waffen jedoch stumpf. Zudem macht Bales den Bock zum Gärtner, wenn er (ausgerechnet!) die Macht von IWF und WTO auf die Verfolgung der Sklaverei lenken möchte.

Als aufrüttelnde Dokumentation dennoch durchaus begrüßenswert und brauchbar. --Jürgen Grande


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14 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Allen gegenteiligen Mutmaßungen zum Trotz: Die Sklaverei ist weltweit keinesfalls abgeschafft, ganz im Gegenteil. In einer in dieser Form einzigartigen Bestandsaufnahme und anhand zahlreicher tragischer Gegenwartsbeispiele führt der Soziologieprofessor Kevin Bales den eindrücklichen Beweis, dass sich moderne Formen der Sklaverei weltweit rasant ausbreiten. Als führender Experte auf diesem Gebiet schätzt Bales vorsichtig, dass zurzeit mehr als 27 Millionen Menschen in Sklaverei leben. Das sind mehr Menschen, als während der gesamten Dauer des transatlantischen Sklavenhandels in Afrika gefangengenommen und verschifft wurden. Die Gesamtzahl aller heute versklavten Menschen übersteigt die Einwohnerzahl Kanadas.

"...Den ganzen Tag über habe ich arbeiten müssen. In dem Haus, das ihnen (den Herrschaften) gehört hat, habe ich die ganze Arbeit gemacht; ich habe geputzt, gekocht, mich um die Kinder gekümmert und das Baby gebadet und gefüttert.... Manchmal hatte ich Bauchschmerzen, aber ich musste auch dann arbeiten, wenn ich krank war. Gelegentlich habe ich geweint, weil es so schrecklich weh getan hat, aber dann hat meine Herrin mich angeschrien." (S. 7 f.). Mit dem erschreckenden Lebensbericht von Seba, einer erst kürzlich befreiten Sklavin aus Mali, beginnt dieses aufrüttelnde und hervorragend recherchierte Buch. Seba diente ihren Herrschaften nicht, wie man vermuten könnte, in einer der Metropolen der Entwicklungsländer. Seba war, wenigstens fast, mitten unter uns: als eine von geschätzten 3000 Haushaltssklaven, die in Paris von morgens bis abends Schwerstarbeit leisten und denen beim kleinsten Vergehen Schläge drohen. Auch Folter ist keine Seltenheit. Aus Afrika angelockt mit dem Versprechen, die Schule besuchen zu können, wartet auf viele Kinder alles andere - nur kein regelmäßiger Unterricht.

Die Mehrzahl der Sklaven lebt allerdings in den Ländern der Dritten Welt. Allein 15 bis 20 Millionen dürften allein in Indien, Bangladesch, Pakistan und Nepal ihr Sklavendasein fristen. Exemplarisch für Millionen von ihnen schildert Bales etwa das traurige Los von Siri, einer Prostituierten in Thailand und Bilal, einem Kutscher von wasserbeladenen Eselskarren in Nouakchott/Mauretanien. Es folgen Berichte aus Brasilien, Pakistan und Indien. Persönliche Schicksale bettet Bales in historische, kulturelle, politische und ökonomische Zusammenhänge der Länder, in denen neue Formen der Sklaverei boomen. Ihnen allen ist gemein, dass sie auf Erfordernisse und Bedürfnisse einer globalisierten Ökonomie zugeschnitten sind, oder wie Bales es auf Seite 308 ausdrückt: "In der neuen Weltwirtschaft fließt das Kapital immer dorthin, wo die Arbeitskraft am billigsten ist, und die finanziellen Vernetzungen der Sklaverei umspannen die ganze Welt."

Obwohl die Leibeigenschaft überwiegend per Gesetz abgeschafft ist, hat sich die moderne Sklaverei im Zeitalter globaler Märkte in neue Kleider gehüllt. Und wir alle sind auf die eine oder andere Weise Nutznießer von Sklavenarbeit, denn "Sklaven stellen ein ungeheures Arbeitspotential für die globale Wirtschaft dar, von der wir alle abhängen" (S. 35).

Wir müssen den Tatsachen ins Auge blicken: So manches "Schnäppchen", das wir erstehen, haben Sklavenhände gefertigt. So recht erfreuen kann man sich da kaum noch an all den vielen Dingen, mit denen wir uns tagtäglich umgeben. Sind wir doch als Konsumenten ein wichtiges Glied der globalen ökologischen Kette! Gerade deshalb sollten wir uns jenen unbequemen Wahrheiten stellen und alles uns Mögliche tun, um Sklaverei zu beenden. Was aber kann das sein, dieses "alles uns Mögliche"? Nach Lektüre von Bales Buch kann jeder diese Frage für sich beantworten, denn im Kapitel 7, überschrieben mit "Was tun?", beschreibt der Autor mögliche Lösungen und gibt vor allem praktische Verhaltenstipps. Und eine Schlüsselstrategie zur Beendigung aller Sklavenverhältnisse fasst Bales in dem wenigen Sätzen zusammen, die Ihnen am Ende nicht vorenthalten sein sollen: "Gewalt ist das Werkzeug, nicht der Zweck der Sklaverei. Sklavenhalter werden ihre einträglichen Geschäfte wütend verteidigen, doch sie werden sich von den Sklaven und dem Geschäft, das sie mit ihnen machen, abwenden, wenn dieses keinen Gewinn mehr abwirft. Die Schlüsselstrategie zur Beendigung der Sklaverei besteht darin, bei den Profiten anzusetzen, um Druck auszuüben". (S. 318).

Ein bemerkenswertes Buch, trotz der Ernsthaftigkeit des Themas mit einer Prise Humor gewürzt, geschrieben von einem Autor, der das Schreiben versteht und sich vor allem einem ungewöhnlichen Thema mit brilliantem Sachverstand gewidmet hat. Empfehlung: unbedingt lesen!

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