"Sed fugit interea, fugit inreparabile tempus" - "Aber es flieht unterdessen, es flieht die unwiederbringliche Zeit." Mit diesem Ausspruch hat Vergil (70-19 v. Chr.) den wichtigsten Aspekt der Zeit beschrieben: Unsere Zeit ist begrenzt. Damit und mit den Perspektiven der Zeit beschäftigt sich "Die neue Psychologie der Zeit und wie sie Ihr Leben verändern wird" ((Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2009 - "The Time Paradox - The New Psychology of Time That will Change Your Life", Free Press Simon & Schuster, New York 2008) von Philip Zimbardo, Professor an der Stanford University, und John Boyd, Forschungsmanager bei Google. Das Buch will aufzeigen, welche Rolle die Zeit im Leben des Menschen spielt und wie man dieses Wissen nutzen kann, um sich selbst besser zu verstehen. Die Autoren gehen davon aus, daß jeder Mensch ein Leben überwiegend in einer der Zeitperspektiven lebt (der was war, der Vergangenheit; der was ist, die Gegenwart; der was sein wird, die Zukunft) und die anderen vernachlässigt. Jede der Zeitperspektiven ist nicht nur positiv oder nur negativ zu sehen. So kann die Vergangenheitsorientierung positiv (gute alte Zeit) oder negativ (Reue wegen verpaßter Chancen) geprägt sein. Die Gegenwartsorientierung kann hedonistisch (Genuß, Risikofreude, Nervenkitzel) oder fatalistisch (Schicksalsergebenheit) sein. Die Zukunftsorientierung kann zielorientiert Pläne umsetzen bedeuten oder transzendent orientiert sein (Warten auf ein Leben nach dem Tod). Jede Entscheidung eines Menschen ist von seiner Zeitperspektive geprägt. Deswegen ist die Kenntnis der persönlichen Zeitperspektive wichtig (Zimbardo/Boyd liefern hierzu einen Fragebogen). Nur bei Kenntnis der individuellen Zeitperspektive ist es möglich, die zeitlichen Voreingenommenheiten anzupassen, die die persönlichen Entscheidungsprozesse zu optimieren und das eigene Leben zu verbessern. In Teil I gehen die Autoren auf die Zeit und ihre Bedeutung, die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft ein. Teil II befaßt sich mit den Möglichkeiten, wie ein Mensch die Zeit für sich arbeiten lassen kann. Interessant ist hier besonderen Kapitel 11 "Justierung der psychischen Uhr", wo aufgezeigt wird, wie jeder für sich seine ideale Zeitperspektive findet. Nach Lesen dieses Buches weiß man, daß Benjamin Franklin mit seinem Ausspruch "Zeit ist Geld" Unrecht hat, denn die Zeit - unsere knappste Ressource - ist viel wertvoller als Geld.