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Die natürliche Ordnung der Dinge: Roman
 
 
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Die natürliche Ordnung der Dinge: Roman [Taschenbuch]

António Lobo Antunes , Maralde Meyer-Minnemann
4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 352 Seiten
  • Verlag: btb Verlag (7. August 2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442733898
  • ISBN-13: 978-3442733897
  • Originaltitel: A Ordem Natural Das Coisas
  • Größe und/oder Gewicht: 18,4 x 11,8 x 2,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 365.524 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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António Lobo Antunes
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Nach der letzten Seite erwacht der Leser aus einer Trance … Die Schwerkraft einer Erzählung von A bis Z wird durch Antunes entmachtet. Er liebt das Schweben, denn er ist ein Hypnotiseur … Ein Meister hat gezeigt, daß er ein Meister ist." (Süddeutsche Zeitung )

"Eine furiose, auch vor Wut zitternde, vertrackte Liebeserklärung an sein Land und die Weiße Stadt am Tejo - geschrieben mit der unendlichen, ekstatischen Barmherzigkeit der Leidenschaft, wie sie nur diesem portugiesischen Lyriker eigen ist." (Frankfurter Rundschau )

Kurzbeschreibung

Ein älterer Mann erzählt seiner jungen Geliebten nachts von seiner Kindheit. Für sie ist er eher lästig und nur „der, der bei mir schläft“. Aus seiner Geschichte, die von anderen Erzählern ergänzt wird, entwickelt sich ein furios-surreales Familienepos, das mehrere Generationen umspannt und die gar nicht natürliche Geschichte Portugals seit den fünfziger Jahren schildert.



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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
13 von 14 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Irritierend genial 21. Oktober 2004
Format:Gebundene Ausgabe
Es ist wahrhaftig sehr viel, das Antunes seinen Lesern hier abverlangt: Er lässt unterschiedliche Personen ihre Geschichten erzählen, Geschichten von persönlichem Leid, überschattet von der Diktatur. Personen, die einem fast nie vorgestellt werden, deren Namen unwichtig sind und die erzählt werden, ohne dass man am Beginn eines Kapitels weiß, wer gerade zu einem spricht.

Und wie diese Geschichten erzählt werden! Antunes hat eine Erzählweise gefunden und zur Perfektion gebracht, die ohne Beispiel ist: er schreibt Sätze über dreieinhalb Buchseiten, Sätze, in denen sich mehrere Erzählebenen, Vergangenheit und Zukunft, Realität und Fiktion, direkte Rede und Gedankengänge - nur durch Kommata getrennt - überlagern und ineinander verweben, in einer Weise, dass man bei der ersten Begegnung mit diesem Stil ratlos und überfordert das Buch zur Seite legen oder genauer: an die Wand werfen möchte.

Aber man tut es nicht (sollte es nicht tun), denn dieses Buch zieht einen in seinen Bann. Man merkt mit jeder Seite, mit jedem Satz, dass hier nicht einer einfach anders schreibt, um aufzufallen, sondern dass hier ein Autor ist, der wie besessen schreibt und der sich mit dem selbstverständlichen Recht des besonderen Talents über die hergebrachten Formen hinwegsetzt, so, wie z.B. Picasso sich über die Gesetze der Perspektive hinweggesetzt hat. Das Weiterlesen wird zur Sucht und man taucht ein in diese Welt, in der es nur Traurigkeit, Unglück und Verzweiflung zu geben scheint und findet sich am Ende selbst gefangen in dieser alles durchdringenden Traurigkeit.

Es ist vielleicht absurd, aber manchmal kann ein Buch zu gut sein, um fünf Sterne zu erhalten, jene fünf Sterne, die ich nur Büchern zuordnen will, die mir besonders viel bedeuten und(!) die ich immer wieder lesen möchte. Aus diesem Grund muss ich Antunes hier Unrecht tun und nur vier Sterne vergeben, denn die Leseerfahrung war so intensiv und verstörend, dass ich zum ersten Mal froh bin, dass es auch weniger geniale Autoren, einfache Geschichten und fröhliche Bücher gibt, die einen Atem holen lassen. Ein solches werde ich im Anschluss lesen, bevor ich mich mit Sicherheit weiteren Büchern von Antunes zuwende. Aber wenn mich jemand nach einem Nobelpreiskandidaten fragen würde, wüsste ich einen Namen.

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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Es gibt viele sehr gute Schriftsteller, aber so eine Erzähltechnik wie bei Antunes ist mir noch nie begegnet. Nie wird einem gesagt, wer in diesem Kapitel gerade aus seinem Leben erzählt. Sind die Zusammenhänge zu Beginn des Buches noch unklar, werden die Personen mit jeder Seite schärfer umrissen. Plötzlich entstehen Querverbindungen und bald erkennt man nach wenigen Sätzen, mit wem man es hier zu tun hat. Das macht das Lesen eines Buches von Antunes zu einem besonderen - wenn auch zugegebenermaßen keinem einfachen - Erlebnis.

Das Thema von Antunes ist die Salazar-Zeit. Auch wenn die Diktatur zum Zeitpunkt der Handlung bereits vorbei ist, spürt man die Auswirkungen auf das Leben der Menschen noch immer. Die große Gemeinsamkeit der Personen in diesem Buch (und auch allen anderen Büchern, die ich von Antunes kenne) ist, daß alle Unglücklich sind. Die Personen und Ihr Leben sind todtraurig, manchmal aber auch gleichzeitik grotesk, wie z. B. der ehemalige Geheimpolizist, der nun versucht, mit einem "Fernkurs in Hypnose" Geld zu verdienen und der das Fliegen von hypnotisierten Menschen als das Transportmittel der Zukunft anpreist. Dabei ist das Buch so wunderschön geschrieben, daß man sich trotz des Elends beinahe wünscht, in dieser Welt Leben zu dürfen.

Fazit: Unbedingt lesen und sich vor allem am Anfang nicht entmutigen lassen. Es wird mit jedem Kapitel und mit jedem Buch von Antunes einfacher. "Das Handbuch der Inquisitoren" vom selben Autor ist übrigens genauso genial wie "Die natürliche Ordnung der Dinge".

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2 von 2 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Eigentlich geschieht in diesem Roman so gut wie nichts. Im ersten Teil erzählt ein alter Mann, übrig geblieben aus der Diktatur Salazars, einem jungen Mädchen sein Leben. Er wohnt, zusammen mit ihr, die sich von ihm nicht berühren lässt, in einem heruntergekommenen Haus. In der Vergangenheit war er ein Mitglied der Geheimpolizei PIDE, die Gegner der Diktatur willkürlich verhaftete, verschleppte und folterte. Deshalb ist er nach der Nelkenrevolution in Ungnade gefallen und bezieht nicht einmal eine noch so schmale Pension. Aber die Frage ist, ob man ihm glauben darf. Denn die Sprache dieses Erzählers könnte die eines wieder auferstandenen Orpheus sein, der seine Eurydike aus der Unterwelt holt; so unirdisch schön ist sie. "Bis ich sechs Jahre alt war, Iolanda, kannte ich weder die Familie meiner Mutter noch den Duft der Kastanienbäume, den der Septemberwind von Buraca herüberwehte, mit dem Geruch der Schafe und Ziegen, die, von einem Alten mit Schirmmütze und den Stimmen der Toten vorwärtsgetrieben, über die Calcada zum aufgelassenen Friedhof hinauf sprangen."(S.9) Ist das vielleicht die Sprache eines ehemaligen Geheimagenten und Folterers?
Aber wie auch immer: Diese Ebene - die Ebene der nackten, nüchternen Realität - wird in diesem Buch nur selten gestreift. Meist klingt Antunes Prosa eher wie die Musik des Orpheus oder wie der Gesang der Sirenen. Dieser Gesang ist so betörend, dass man Gegenwart und Vergangenheit kaum noch auseinander halten kann. Eins scheint dem Erzähler so wichtig wie das andere. Es gelingt ihm, in einem Atemzug von Dingen zu erzählen, die gerade im Moment passieren und anderen, die fünfzig oder sechzig Jahre zurückliegen. Das gleiche gilt auch für die Ich-Erzähler aus den anderen Teilen, von denen aber nicht immer klar ist, wer sie sind. Im zweiten Teil "Die Argonauten" ist es der Vermieter des ehemaligen Geheimpolizisten und Vater des Mädchens, mit dem der erste Erzähler seine Nächte teilt. Er träumt nicht vom Fliegen sondern von den Gängen eines imaginären Bergwerks. Außerdem erzählt auch noch dessen Schwester, die wiederum einen eher nüchternen Blick auf ihren Bruder wirft. Aber was ist schon nüchtern in diesem Roman, der selbst den "magischen Realismus" eines Gabriel Garcia Marquez in den Schatten stellt.
Was die Wirklichkeit hinter all diesen phantastischen Bildern ist, dahinter kommt man als Leser wohl nicht. Aber vermutlich ist das auch gar nicht so wichtig, denn wer will schon einen so betörenden Traum wie Lobo Antunes ihn hier träumt, gegen die nüchterne Wirklichkeit tauschen?
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