Möchten Sie verkaufen? Hier verkaufen
Die nackten Masken
 
Größeres Bild
 
Den Verlag informieren!
Ich möchte dieses Buch auf dem Kindle lesen.

Sie haben keinen Kindle? Hier kaufen oder eine gratis Kindle Lese-App herunterladen.

Die nackten Masken [Gebundene Ausgabe]

Luigi Malerba , Iris Schnebel-Kaschnitz , Iris Schnebel- Kaschnitz
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)

Erhältlich bei diesen Anbietern.


Weitere Ausgaben

Amazon-Preis Neu ab Gebraucht ab
Gebundene Ausgabe --  
Broschiert EUR 13,90  
Hörkassette --  

Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, kauften auch


Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 272 Seiten
  • Verlag: Wagenbach (2004)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3803130646
  • ISBN-13: 978-3803130648
  • Größe und/oder Gewicht: 21,8 x 12,8 x 2,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 758.921 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Mehr über den Autor

Luigi Malerba
Entdecken Sie Bücher, lesen Sie über Autoren und mehr

Besuchen Sie die Seite von Luigi Malerba auf Amazon

Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Blutdrama unter Purpurträgern

Luigi Malerba: «Die nackten Masken»

Von Alice Vollenweider

Obschon die italienische Literatur der Gegenwart nicht besonders reich an herausragenden Werken und Namen ist, staunt man immer wieder über den Witz und die Phantasie, mit der die Schriftsteller auf die düstere und komplexe Umbruchsituation in ihrem Land reagieren. Zum Glück fühlen sie sich nicht verpflichtet, die Korruptionsskandale der letzten Jahre zu analysieren oder die politische Wende nach dem Zusammenbruch des traditionellen Parteiensystems darzustellen, sondern überlassen das den politischen Kommentatoren. Sie erfinden wie eh und je Geschichten, in denen sich Komik in allen Schattierungen entfaltet, von Tabucchis melancholisch gefärbter Ironie über Stefano Bennis freche und überzogene Karikaturen bis zum unbekümmerten Humor des eben erst entdeckten einundzwanzigjährigen Enrico Brizzi.

Schein und Sein

Auch Luigi Malerba ist ein Autor mit scharfem Blick für die absurden und lächerlichen Aspekte der menschlichen Existenz, die er in Minigeschichten, Erzählungen und Romanen immer wieder amüsant und sarkastisch denunziert hat. Sein jüngster Roman, «Nackte Masken», weist schon im pirandellesken Titel auf das Dilemma zwischen Schein und Sein hin, das in Italien von jeher bewusster erlebt wurde als anderswo. Es ist ein historischer Roman; er beginnt 1521 im päpstlichen Rom mit einem schwierigen Konklave, in dem ein unbekannter Flame zum Papst gewählt wird, der sich zum Entsetzen der geld- und machtgierigen Kardinäle bald als ein gottesgläubiger und asketischer Christ entpuppt.

Zwischen der Wahl des neuen Pontifex maximus und seinem Eintreffen in Rom vergehen ein paar Monate, in denen sich Beulenpest und Bandenkriminalität in der Stadt ausbreiten und Willkür, Angst und Hass zwischen den rivalisierenden Kirchenfürsten ins Kraut schiessen. Als Protagonisten agieren die beiden Kardinäle Ottoboni und della Torre, die um das Amt des Kardinalkämmerers einen Kampf bis aufs Messer im wahrsten Wortsinn ausfechten: ihnen gelingt nämlich das Kunststück, sich am gleichen Tag gegenseitig durch gedungene Mörder umbringen zu lassen. Der Roman spielt auf zwei Ebenen: die Kardinalsintrige wird in vierundzwanzig Kapiteln erzählt, unterbrochen von sieben kursiv gedruckten Bildern, welche die Reiseetappen und die Ankunft des neuen Papstes schildern.

Malerba geht mit seinem historischen Stoff so kunstvoll leicht und elegant um, wie das bis heute keinem andern italienischen Schriftsteller – Umberto Eco eingeschlossen – gelungen ist. Er schreibt ganz ohne Effekthascherei; seine Pointen fallen locker; seine Karikaturen sind präzis und treffend, und seine spöttischen Anmerkungen überraschen durch ihren trockenen und drolligen Witz. Nirgends insistiert er auf Parallelen zur Gegenwart, obwohl manche Assoziation auf der Hand liegen, nicht nur beim Ausländer auf dem Papstthron, sondern auch bei den korrupten Kirchenfürsten, die sich auf Kosten des Volks hemmungslos bereichern.

Das Maskenspiel der Mächtigen ist das dominierende Motiv, das in vielfältigen Abwandlungen und Symmetrien die Struktur des Romans bestimmt, angefangen beim Maskenball, an dem der als Teufel verkleidete Kardinal della Torre der Hure Palmira begegnet, die sich als Maria Magdalena maskiert hat. Die zum Scheitern verurteilte Liebesbeziehung der beiden durchzieht das Buch als seltsam ergreifender Kontrapunkt zu dem von Machtgier, Berechnung, Hass oder Angst geprägten Agieren aller übrigen Personen. Als entschlossene Einzelkämpferin gegen die Geilheit im Priestergewand profiliert sich dagegen die fromme Hure Margotta, die den Mönchen und Priestern, die mit ihr schlafen, die Kleider zum Fenster hinauswirft, so dass sie sich als nackte Sünder auf den Heimweg machen müssen.

Sehr eindringlich enthüllt sich die Diskrepanz zwischen Schein und Sein in den «Nackten Masken» auch zwischen dem, was geredet wird, und dem, was passiert, im Wechsel von Dialog und Handlung. Dass die Sprache in erster Linie dazu dient, Wirklichkeit zu verschleiern und Gesprächspartner zu täuschen, ihnen Fallen zu stellen oder auszuweichen, zeigen die zahlreichen Dialoge, in denen mit rhetorischen Drohgebärden, Unterstellungen und Sophismen so raffiniert und hartnäckig gefochten wird, dass in der Vieldeutigkeit des Gesagten die Grenze zwischen dem Wahrscheinlichen und dem Aberwitzigen verschwimmt.

Diabolische Logik

Besonders dramatisch erlebt das ein junger Franziskanermönch im Dienst des Kardinals della Torre, der in den Verdacht gerät, vom Teufel besessen zu sein, weil er in der Nähe der Kirche einen heftigen Niesanfall bekommt. Mit diabolischer Logik benützt der Kardinal diesen Verdacht, um den jungen Mann als Killer seines Rivalen aufzubauen, indem er ihm beweist, dass nicht er, sondern der Teufel in ihm für seine Handlungen verantwortlich ist. Der arme Franziskaner verstrickt sich immer tiefer in Zweifel und Widersprüche. Er beginnt wahnhafte Vergleiche zwischen dem Rot des Blutes und dem Purpur der Kardinalsrobe anzustellen und begreift am Ende nicht mehr, ob der Teufel in ihm steckt oder als Kardinal verkleidet vor ihm sitzt und ihn über den Scheincharakter der Kirche aufklärt:

Man sagt, die Kutte macht noch keinen Mönch, aber ich behaupte, dass sogar ein Kardinal von seinem Gewand gemacht wird. Ich übertreibe natürlich, aber im Grunde ist die ganze Liturgie nichts weiter als ein System von Formalitäten, in welchem die Erscheinungen die Substanz bestimmen.

Der Schluss des Romans bestätigt den Sieg der Masken über das Leben: Beim feierlichen Empfang des neuen Papstes fehlen die Kardinäle Ottoboni und della Torre, und die übrigen Purpurträger ahnen, dass die besseren Zeiten, die der flämische Papst ankündigt, für viele von ihnen schlechter sein werden. Die ausgezeichnete Übersetzung des Romans von Iris Schnebel-Kaschnitz, die im gleichen Jahr wie das italienische Original erschienen ist, kommt der federnden Eleganz und der Beweglichkeit von Malerbas Prosa sehr nahe. Ebenso gut gelingt es ihr auch, die altertümliche Patina, die im italienischen Text das Zeitkolorit stellenweise scherzhaft betont, in ein barockisierendes Deutsch zu übertragen. Und die witzigen Titel, mit denen die im Original bloss numerierten Kapitel versehen wurden, erhöhen noch das Lesevergnügen an diesem beziehungsreichen Krimi aus dem barocken Rom. -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Kurzbeschreibung

Ein historischer Roman aus der Feder Luigi Malerbas. Nach dem Tod des Medici-Papstes Leo X. bangen Künstler, Huren und vor allem Kardinäle um ihre fetten Pfründe und ihre Kundschaft. Denn der angekündigte Nachfolger auf dem Heiligen Stuhl, ein Flame, hat sich der Askese verschrieben... Ein beziehungsreicher "historischer Kriminalroman" aus dem barocken Rom - voller Anspielungen auf die derzeitigen politischen Verhältnisse in Italien und mit viel Witz und Ironie. Malerba ist ein Autor mit scharfem Blick für die absurden wie lächerlichen Aspekte der menschlichen Existenz. Er geht mit seinem historischen Stoff kunstvoll, leicht und elegant um, und man muss aufpassen, dass man bei seiner machiavellistischen, locker plaudernden Leichtigkeit nicht auf dem Argumentationsgleis ausrutscht.

Welche anderen Artikel kaufen Kunden, nachdem sie diesen Artikel angesehen haben?


Vorgeschlagene Tags zu ähnlichen Produkten

 (Was ist das?)
Setzen Sie den ersten relevanten Tag hinzu (ein Schlüsselwort, das mit diesem Produkt in engem Zusammenhang steht).
 
(1)

 

Eine digitale Version dieses Buchs im Kindle-Shop verkaufen

Wenn Sie ein Verleger oder Autor sind und die digitalen Rechte an einem Buch haben, können Sie die digitale Version des Buchs in unserem Kindle-Shop verkaufen. Weitere Informationen

Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
6 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
"Die nackten Masken" von Luigi Malerba spielt im Rom des 16. Jahrhunderts. Die Handlung, falls man von einer solchen sprechen kann, entspinnt sich in der Zeit zwischen der Wahl des neuen Papstes und dessen Ankunft in Rom. Akteure sind dabei allerlei Kardinäle, Bischöfe und Priester, aber auch Huren und Verbrecher. Rom wird als das dargestellt, was es damals wohl auch war: eine große, schmutzige, sündige Stadt.

Wie gesagt ist es mit einer Handlung nicht ganz so weit her. Malerba entwirft vielmehr ein großes Sitten- und Lebensgemälde der Spätrenaissance in der Hochburg Italiens. Es laufen korrupte Kirchenmänner über die Bühne, die ganz brutal ihre Ziele vor Augen haben: Aufstieg in der römischen Kurie, um weitere Einnahmequellen zu sichern. Es entspannt sich eine Kontroverse zwischen zweien von ihnen um einen weiteren Posten. In diesem Gemenge schreckt keiner vor den extremsten Maßnahmen zurück. Dazu kommt dann irgendwie noch die Pest ins Spiel...Ziemlich konfus also, aber wer die Sprache Malerbas mag, der erhält hier ein phantastisches und opulentes Bild von den Zuständen im Italien und insbesondere dem hohen Klerus des 16. Jahrhunderts. Die Lektüre lohnt sich wirklich. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)

War diese Rezension für Sie hilfreich?
5 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Der Klerus in Rom nach dem Tod von Leo X. Die "Purpurträger" sind von ihrer eigenen Wahl des neuen, ihnen nicht bekannten Papstes selbst sehr verunsichert (alle anderen möglichen Kandidaten wurden abgelehnt, da ihre "Mängel" bekannt waren). Und so beginnt ein berechnendes, intrigantes Spiel der Kardinäle um Posten und Pöstchen im barocken Rom. Ein witziges (auch spannendes) Buch, bei dem mir auch die Übersetzung sehr gelungen scheint.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
6 von 10 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Luigi Malerba gibt einen amüsanten Einblick in die Mechanismen, die bei einer Papstwahl in Gang gesetzt werden, er erzählt von den unheiligen Kandidaten für das höchste Kirchenamt und den kleinen Spitzeln und Handlangern aus den unteren Schichten der Bevölkerung. Auch die Frauen der kleinen und großen Kleriker kommen nicht zu kurz, so daß ein pralles Sittengemälde aus dem Spätmittelalter entsteht, das unterhält, aber auch über vergangene Zeiten belehrt und gewiß über die große Masse historischer Romane herausragt. An den Klassiker der Mittelalter-Romane, "Der Name der Rose", reicht es jedoch nicht heran. Ob man diese Vorgänge nur auf vergangene Zeiten beschränkt wissen will, ist jedoch die andere Frage.
War diese Rezension für Sie hilfreich?
Kundenrezensionen suchen
Nur in den Rezensionen zu diesem Produkt suchen

Kunden diskutieren

Das Forum zu diesem Produkt
Diskussion Antworten Jüngster Beitrag
Noch keine Diskussionen

Fragen stellen, Meinungen austauschen, Einblicke gewinnen
Neue Diskussion starten
Thema:
Erster Beitrag:
Eingabe des Log-ins
 


Aktive Diskussionen in ähnlichen Foren
Kundendiskussionen durchsuchen
Alle Amazon-Diskussionen durchsuchen
   
Ähnliche Foren


Lieblingslisten


Ähnliche Artikel finden


Anhand des Sachgebietes nach ähnlichen Produkten suchen:






Das bedeutet, jeder Titel/Artikel muss zu Sachgebiet 1 UND zu Sachgebiet 2 UND... gehören.

Ihr Kommentar