Die mechanische Welt
Ein Schiff namens Meskaton fährt über den großen Ozean, und die Passagiere sehnen sich nach großen Festen und Unterhaltung. Neben den Menschen gibt es noch alle Arten von Tiermenschen, egal ob mit Kopf von Vogel, Schlange oder Hund, auf der Meskaton ist alles möglich, und niemand scheint sich darüber zu wundern. Gesteuert wird das Schiff von einem weisen Kapitän, der wahre Machthaber ist jedoch der Chef der Sondertruppe, eine Art Schiffspolizei.
Nur der kleine Menschenjunge Bruno ist von dem dekadenten Treiben auf dem Schiff genervt. Als er mitbekommt wie Phileon, ein Wesen mit Nashornkopf, vom Schiff fliehen will, hilft er ihm, und bringt ihn in die Kabine seiner Mutter. Die attraktive Dame ist jedoch alles andere als begeistert von der Fluchthilfe ihres Sohnes. Phileon berichtet jedoch, dass er entgegen den Angaben der Sondertruppe kein Verbrecher ist, sondern einfach nur das Schiff verlassen will.
Mutter und Sohn erscheint das unglaubwürdig, denn angeblich soll ein Leben außerhalb des Schiffs nicht möglich sein. Doch als ihnen die Sondertruppe auf die Schliche kommt, sind Bruno und seine Mutter gezwungen, mit Phileon zu fliehen. Durch Zufall sind der desillusionierte Kapitän des Schiffes und ein kleines stummes Mädchen mit an Bord des kleinen Bootes, dass das Schiff verlassen kann.
Doch das Glück ist der kleinen Gruppe nicht hold: sie finden sich inmitten des Eismeers der Antarktis wieder. Nun müssen sie sich gegen die Kälte, den Hunger, Verfolger vom Schiff und merkwürdige Roboter durchsetzen.
Jean-Baptiste Andreae, zeitgleich Autor und Zeichner, hat hier einen wunderbar phantasievollen Comic über eine fremdartige Welt erschaffen, die sich dem Leser erst am Schluß des Bandes offenbart. Sein verspielter, etwas verniedlichender Stil passt ausgezeichnet zur Geschichte. Ebenso wie in seiner beim alten Splitter Verlag veröffentlichten Serie "Herzfresser" versteht er es, jede Menge Fabelwesen detailliert darzustellen, und sie interagieren zu lassen. Das Ergebnis: die Figuren wachsen dem Leser schnell ans Herz.
Auch der neue Splitterverlag ist von dem Talent Andreaes überzeugt, und veröffentlicht nun auch dessen weitere Serie "Die Bruderschaft der Krabbe".
"Die mechanische Welt" wurde als Splitterbook herausgebracht, d.h. mehrere Alben gesammelt, im kleinformatigen Hardcover mit Schutzumschlag. Enthalten sind die 3 Alben Oceanica, Antartica und Urbanica. Ganze 144 Seiten bester frankobelgischer Unterhaltung also zu einem sehr günstigen Preis, hätte die Veröffentlichung als Einzelalben doch fast das Dreifache gekostet. Und wie immer bei Splitter ist die Verarbeitung hochwertig. Schade nur, dass kein Bonusmaterial enthalten ist.
Fazit:
Eine Geschichte über Freundschaft, Andersartigkeit und Ausbruch aus der Mehrheitsgesellschaft, die durch schöne Figuren zu begeistern weiß. Hier gibt es sie noch, die Guten und die Bösen, und der Leser kann sie ohne Probleme erkennen. Zum Schluß des Bandes gibt es noch einen Aha-Effekt, wenn plötzlich die ganze verrückte Welt Sinn macht, und alle Fragen gelöst werden. Kurzum: Großartige Unterhaltung!
(project:equinoX)