"Manch kostbares Stück werden wir finden, [...]"
(Spr 1,13)
Ein Auszug aus dem Buch "Die großen Philosophen" wird in diesem Band veröffentlicht. Jaspers (1883-1969) wendet sich den maßgebenden Menschen zu, die er aus Gründen derer Historien ausmacht: (1) Sokrates, (2) Buddha, (3) Konfuzius, (4) Jesus. Alle vier sieht er gleichzeitig nicht nur in deren eigenen Geschichte, sondern in der Tiefe der historischen Wirkung auf viele Menschen. Sie repräsentieren eine umfassende Geschichtlichkeit des Menschseins und gleichzeitig eine Tiefe des Wesens. Sie sind Genien der Menschheit, ihre Gemeinsamkeit liegt im Tun und nicht im Schreiben. Keiner von ihnen hat sein Werk verschriftlicht, doch allen wurde die Schrift anderer zum Träger deren Botschaft. Alle konnten über die Verschriftlichung andauernde Wirkung auf die Menschheit an sich und auf deren Philosophie ausüben. Diese Wirkung bezogen sie aus der Stärke der Herkunft, niemals verloren sie ihren eigenen Boden, sich selbst nicht und nicht den tatsächlichen unter den Füßen. Sie lebten nahezu ohne Familie, jedoch mit Jüngern und Schülern; ihr Verhalten entsprang und entsprach der faktischen Tat, nicht dem Willen oder einem Prinzip. Einig waren sie im Suchen nach der Wahrheit, im Durchbrechen des Üblichen und in der Hinwendung zu neuem Denken, das nicht zu Ende gehen kann. Sie repräsentieren neue Lebenswirklichkeiten als Maßgabe einer Umwandlung. Selbst dem Tode zeigen sie eine besondere Haltung gegenüber, sei er gewaltsam gekommen (Sokrates, Jesus) oder als normales Ende des Leben. Der Tod ist für sie ein Tatbestand des Lebens, freudig in der Reife des Lebens erlitten oder brutal am Kreuze mit dem Glauben an die Transzendenz.
Ihr Verhältnis zur Welt war (a) ein Denken (Sokrates) als Weltüberwindung, (b) in der Versenkung und im Leiden als Mitleiden (Buddha) ein Heils-Pfad ins Nirwana, (c) die Welt im Tao (Konfuzius) als Ort der ewigen Ordnung und (d) im Durchbruch aller Ordnungen (Jesus) ein Welt-Ende als ein Gottesreich, in das jeder vom ewigen Wert geprüft eintritt. Freie Kommunikation, Mönchsschulen oder Schulen und letztendlich die Verkündung sind deren Methoden diese Welt zu überwinden, aus dem Beharrlichen zu überführen in ein Überweltliches, von dem sie getrieben sind. Nichtwissen und Schweigen sind ihre inneren Motive und Haltungen, es gilt nichts dem Verschweigen. Denn eines wird bei allen deutlich: ihre tiefe Botschaft bedarf eines indirekten Weges. Ungemäße Fragen bleiben ohne Antwort, das Reden in Gleichnissen bestärkt ihre indirekt geoffenbarten Wahrheiten.
Die Bestimmung des Abendlandes durch deren Denken (Sokrates, Jesus) wird heute in einer globalen Welt durchmischt von den Philosophien Asiens. Jaspers Erkenntnis der Achsenzeit, jene Zeit, in der in Unabhängigkeit vom Ort bei den jeweiligen Menschen gleiche Ideen entstanden, ist noch einmal erwähnenswert. Über diesen Punkt gewinnt man Wissen über die Zusammenhänge und deren inhaltliche Nähe. Mit Sokrates und Konfuzius können wir heutigen Menschen das Diesseits bestreiten, jene Botschaften von Jesus und Buddha offenbaren ein Reich in Transzendenz, der eine verkündet das Gottesreich, der andere das Nirwana. Ihnen zu folgen verwehrt deren Form zu leben (vielleicht). Betrachten wir uns als Menschen aus dem Schatten derer, die im Lichte stehen. Eben im Schatten jener maßgebenden Menschen.
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