Karl Kraus - legendärer Verfechter der Demokratie, Antifaschist, Antikatholik, wortgewaltiger Antipode verlogener Gemütlichkeit, die sich "arrangiert" - "Zuschreibungen" des Meisters gibt es viele.
Am Besten wird es wohl sein, das Werk für den Schöpfer sprechen zu lassen.
Demgemäß vermag etwa das monumentale Spiel "Die letzten Tage der Menschheit" nur eines: Kraus als genialen Zuspitzer, Kulminierer einer sich verändernden Weltordnung sprechen zu lassen. Beinahe als einzelner Rufer in der Wüste hat er bereits eine Dekade vor der Machtübernahme der NS-Schergen das Dräuende gesehen; verschmäht, ja vielgescholten - die Reaktion des Establishments.
Nun: Kraus war's egal.
Als Fanal einer ganzen Generation von Intellektuellen sollte er auch weiterhin mit Leidenschaft die Fackel hochhalten, die Fackel des Unbotmäßigen, der ewig Gültiges vertritt. Demgemäß auch der Titel der gerühmten Schriftenreihe.
In diesem Werk sind einige Beiträge versammelt: Zeithistorisch von Belang, für den Leser von Interesse, taucht man ein in ein anderes Zeitalter.
Verkrustungen der Bürokratie, Verfilzungen der Justiz prangert der Meister ebenso wortmächtig an, wie er - seinerzeit "angesagte" - Kollegen der schreibenden Zunft bereits durch bloße Zitation der Lächerlichkeit preisgibt. Eine regelrechte Schule für Sprachinteressierte und: Zyniker.
Verfasst in der Sprache der Zeit - heutzutage antiquiert, dennoch präzise, punktgenau.
Insgesamt: anspruchsvolles Lesevergnügen.