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Buchnotiz zu : Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.02.2003
Rezensent Jochen Hieber spricht von einem "fulminanten Stück Radiogeschichte", einer überaus kostbaren Ausgrabung aus den Tiefen des Tonarchivs. Die vorliegende Hörspielfassung des berühmten Karl-Kraus-Dramas entstand seinen Informationen zufolge im Frühjahr 1947 und wurde von keinem geringeren als dem aus dem Exil zurückgekehrten Hans Mayer als Chefredakteur verantwortet. An zwei Abenden habe der Vorläufersender des Hessischen Rundfunks, 'Radio Frankfurt' eine live ausgestrahlte Sprechoper nach Karl Kraus "entfesselt", deren Hörbucheinspielung, wie wir lesen, jetzt zum "Hörbuch des Monats" gekürt wurde. Wer Ohren habe, die sich erinnern, schreibt der euphorisierte Rezensent, erkenne unter den Sprechern berühmte Schauspieler der Nachkriegszeit, darunter Ursula Langrock, Siegfried Lowitz und Richard Münch. Als "markante Fußnote der Literaturgeschichte" bezeichnet der Rezensent auch die Tatsache, dass Kraus' Drama fürs Radio von Stefan Hermlin bearbeitet wurde, der aus dem Schweizer Exil zurückgekehrt war und kurz darauf, wie sein Freund Hans Mayer, in die "Sowjetzone" zog. Mit so ziemlich allen dramaturgischen Entscheidungen Hermlins, der etwa fünfzig Szenen aus dem Drama ausgewählt habe, geht Hieber mehr als d'accord. Grandios inszeniert findet er besonders die Schlussszene: "gewiss auch ein Höhepunkt der Dramatik des 20. Jahrhunderts".
© Perlentaucher Medien GmbH
-- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.
Rezensent Jochen Hieber spricht von einem "fulminanten Stück Radiogeschichte", einer überaus kostbaren Ausgrabung aus den Tiefen des Tonarchivs. Die vorliegende Hörspielfassung des berühmten Karl-Kraus-Dramas entstand seinen Informationen zufolge im Frühjahr 1947 und wurde von keinem geringeren als dem aus dem Exil zurückgekehrten Hans Mayer als Chefredakteur verantwortet. An zwei Abenden habe der Vorläufersender des Hessischen Rundfunks, 'Radio Frankfurt' eine live ausgestrahlte Sprechoper nach Karl Kraus "entfesselt", deren Hörbucheinspielung, wie wir lesen, jetzt zum "Hörbuch des Monats" gekürt wurde. Wer Ohren habe, die sich erinnern, schreibt der euphorisierte Rezensent, erkenne unter den Sprechern berühmte Schauspieler der Nachkriegszeit, darunter Ursula Langrock, Siegfried Lowitz und Richard Münch. Als "markante Fußnote der Literaturgeschichte" bezeichnet der Rezensent auch die Tatsache, dass Kraus' Drama fürs Radio von Stefan Hermlin bearbeitet wurde, der aus dem Schweizer Exil zurückgekehrt war und kurz darauf, wie sein Freund Hans Mayer, in die "Sowjetzone" zog. Mit so ziemlich allen dramaturgischen Entscheidungen Hermlins, der etwa fünfzig Szenen aus dem Drama ausgewählt habe, geht Hieber mehr als d'accord. Grandios inszeniert findet er besonders die Schlussszene: "gewiss auch ein Höhepunkt der Dramatik des 20. Jahrhunderts".
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Kurzbeschreibung
Es ist ein Dramenepos in fünf Akten, 220 Szenen und mit über 500 auftretenden Figuren wie dem Nörgler, dem Optimisten, Militär und Kaiser, Bettlerin und Spekulant. Karl Kraus komponierte sein Hauptwerk "Die letzten Tage der Menschheit" als Mosaik unterschiedlichster Bilder aus der Zeit des Ersten Weltkrieges, verbunden einzig und allein durch die schonungslose Offenlegung der Wirklichkeit. In seinen aus Zeitungsausschnitten, militärischen Tagesbefehlen, Gerichtsurteilen oder kommerziellen Anzeigen montierten Episoden blickt Kraus in Kanzleien wie in Kasernen, in Hinterhöfe wie in großbürgerliche Wohnungen, auf die Front wie in Lazarette.
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Über den Autor
Karl Kraus, 1894-1936, gilt heute als einer der bedeutendsten Sprach- und Kulturkritiker des 20. Jahrhunderts. Mit seiner Zeitschrift 'Die Fackel' und seinem literarischen Schaffen war er unbestechlicher Kommentator des kulturellen und politischen Zeitgeschehens.Helmut Qualtinger, geboren 1928 in Wien, gestorben 1986 in Wien, war einer der größten Künstler seiner Zeit und gleichermaßen genial als Kabarettist, Schauspieler und Schriftsteller.