Die meisten Deutschen hätten sicher nicht viel gegen eine Währungsunion zwischen Deutschland und den skandinavischen Staaten einzuwenden. Auch die Niederlande, Österreich oder die Schweiz wären für uns kein Problem. Doch dann gehen uns in Europa auch schon die Kandidaten aus. Mit den genannten Ländern verbinden uns viele Gemeinsamkeiten, vor allem aber ein ähnliches Denken und Wirtschaften.
Doch uns wurde 1999 (als Buchgeld) eine Einheitswährung aufgezwungen, die lediglich eine politische Konstruktion ist, jedoch kein belastbares ökonomisches Fundament besitzt. Leider verstehen Politiker in der Regel nur sehr wenig von Wirtschaft und glauben zudem auch noch, dass sich ökonomische Gesetze nach ihrem Willen richten. Über diesen Zustand und seine gravierenden Folgen im Fall des Euro berichtet das schmale Buch von Bruno Bandulet.
Im ersten Kapitel diskutiert der Autor unter anderem die gegenwärtige durch Griechenlands verschleppte Staatspleite offen zutage getretene Krise des Euro. Sein Schreibstil ist besonders am Anfang teilweise etwas holprig, seine Gedankenführung neigt bis zum Ende mitunter zur Sprunghaftigkeit.
Bandulet zeigt im zweiten Kapitel, dass unser Papiergeld, das immer auf Schulden beruht und keinen inneren Wert besitzt, zwangsläufig zu Inflation und Krisen führen muss, weil es beliebig "geschöpft", also aus dem Nichts erzeugt werden kann. Im dritten Kapitel wird der Weg zum Euro über den Vertrag von Maastricht beschrieben. Helmut Kohl opferte die D-Mark völlig unnötig der deutschen Einheit und glaubte dabei naiv, er könne die neue Währung so ausgestalten, dass sie der zu Grabe getragenen D-Mark ähnelt. Doch von dieser Absicht ist er in der Folge nach und nach zurückgewichen. Der Autor erklärt die einzelnen Verhandlungserfolge der Südländer und die schrittweise Aufweichung einstmals festgeschriebener Verpflichtungen der Euro-Länder.
Das setzt sich im folgenden Kapitel fort, in dem wir außerdem lernen, dass der Autor einst zu den Gründungsmitgliedern des Bundes Freier Bürger gehörte, der sich als Partei zu etablieren versuchte und massiv gegen den Euro auftrat. Diese Partei scheiterte ähnlich wie eine andere, weil es eben nicht ausreicht nur gegen etwas zu sein. Die Euro-Erschaffung war von Anfang an eine Fehlgeburt. Das begann lange vor seiner unmittelbaren Einführung und kulminierte in den sogenannten Konvergenzkriterien, die in sich schon eine Farce waren und witzigerweise mit einem festen Termin der Euro-Einführung gekoppelt wurden. Und das setzte sich später mit der schrittweisen Aufweichung des "Stabilitätspaktes" fort, den inzwischen auch offen sowieso keiner mehr einhält.
Die meisten Euro-Gegner haben anfangs nicht gesehen, dass ökonomische Fehlkonstruktionen nie sofort zu Katastrophen führen. Zunächst vollzieht sich immer ein Anpassungsprozess an die neuen Regeln. Erst wenn dieser vollendet ist, beginnen die Geburtsfehler ihre fatale Wirkung zu entfalten. Doch auch das braucht Zeit, zumal darüber hinaus eine weitere verzögernde Wirkung ins Spiel kommt. Dazu schreibt der Autor treffend:"...Politiker (neigen) nicht dazu, einen Kurs, der sich als falsch erwiesen hat, nur deswegen zu ändern. Sie beantworten selbst geschaffene Probleme damit, dass sie sie mit der Erzeugung neuer zu kurieren versuchen."
Im fünften Kapitel befasst sich der Autor mit dem Verhältnis von Euro und Dollar, dem Fed-System und der Frage, wie Wechselkurse zustande kommen. Schließlich vertritt er in diesem Abschnitt die wohl richtige These, dass die US-Finanzbranche die in den USA entstandene Finanzkrise geschickt exportierte, um so wieder einmal eine Krise einer fremden Währung zu erzeugen, die in der Konsequenz dem schwächelnden Dollar hilft. Aus der so entstandenen starken Verschuldung europäischer Banken in US-Dollar erklärt sich nämlich die für viele überraschende Stärke der US-Währung in der letzten Zeit.
Das nächste Kapitel beschäftigt sich mit der Frage, wie es sein konnte, dass sich niemand in den Führungsgremien der EU für die sich schon mit dem Euro-Beitritt Griechenlands abzeichnende Krise interessierte. Griechenland erfüllte nie die Beitrittskriterien und wurde zunehmend leistungsschwächer. Doch erstens erfüllten die sogenannten europäischen Kernländer die Kriterien ebenso nicht und zweitens möchten die EU-Planwirtschaftler möglichst viele europäische Staaten unter die Fuchtel der Eurokratie bringen. Denn es ist eben nicht der Gedanke der Liberalisierung und der Freiheit, der die Europa-Ideologen antreibt, sondern der Wille zur Gleichmachung unter der Allmacht einer zentralistischen Bürokratie. Der Autor beschreibt diese Entwicklung sehr eindringlich.
Im letzten Kapitel zeigt Bandulet, dass der Sündenfall inzwischen eingetreten ist. Seit Mai 2010 ist die Marke "Euro" endgültig zerstört. Erstmals und gegen ihre vorgeblichen Prinzipien kaufte die EZB Staatsanleihen südeuropäischer Länder auf. Damit verlor sie endgültig ihre Unabhängigkeit und wurde, wie im Lissabonner Vertrag bereits von den meisten unbemerkt festgeschrieben, zu einem Organ der EU. Der Euro ist seitdem mit der D-Mark nicht mehr vergleichbar, sondern tendenziell eine Weichwährung. Aus einer angeblichen Währungsgemeinschaft ist nun eine Transfergemeinschaft geworden, deren Hauptzahler Deutschland ist. Dass dieser Zustand zwar noch eine Weile anhalten kann, aber nicht von Dauer sein wird, ist wenigstens mathematisch offensichtlich.
Das Buch enthält ein Nachwort, indem der Autor einige kurze Bemerkungen über Strategien macht, mit denen sich der deutsche Steuerzahler vor der zu erwartenden Katastrophe wenigstens einigermaßen schützen kann. Schließlich endet das Buch mit einer Tabelle über das BIP in verschiedenen Euro-Staaten und mit einigen unkommentierten und lieblos angehefteten Charts zum Verhältnis von Gold und Aktienindizes und zu verschiedenen Cross Rates von Währungen.
Fazit.
Dieses Buch zeigt wie die Deutschen um ihre einst so stolze Währung und damit um ihren Wohlstand betrogen wurden. Das Ende ist noch offen, aber eine Besserung der Lage scheint ausgeschlossen. Obwohl der Text wirklich interessant ist, viele Informationen enthält und historische und manchmal auch ökonomische Zusammenhänge verdeutlicht, hätte man aus der Idee wesentlich mehr machen können. An vielen Stellen hätte ich mir eine klarere Gedankenführung gewünscht. Ohne ausführlich darauf einzugehen, warum diese Währungsunion nicht funktionieren kann, verlegt sich der Autor im Wesentlichen darauf zu berichten, wie wir Schritt für Schritt getäuscht wurden und was uns wahrscheinlich noch erwartet.