Als Sklaven werden sie durch die Wüste getrieben. Die glimmende Sonne im Rücken und den unbamherzig brennenden Wüstensand unter den nackten Füßen. Ein magisches Halsband hindert X an der Ausübung der arkanen Künste, so dass es ihnen unter den wachsamen Augen der Wärter und deren peitschenfreudigen Händen unmöglich ist, einen Fluchtversuch zu wagen. So bleibt ihnen vorerst nicht viel anderes übrig, als abzuwarten, bis sich eine neue, besser Situation ergibt...
Das Abenteuer startet wiederum mit einem etwas längeren Erzählerparts X, der einem berichtet, welches Schicksal die beiden Gefährten nach dem letzten Abenteuer ereilt hat. Wie aber schon in den vorherigen Hörspielen fallen selbst solch umfassender Erzählertexte dank der starken Untermalung mit Musik und Geräuschen sowie dem eindrucksvollen Spiel Dietmar Wunders äußerst lebendig aus.
Diesmal erstreckt sich das Abenteuer wieder über zwei CDs, bei einer Spielzeit von knapp 140 Minuten. Die beiden ersten Drittel der Geschichte sind recht linear aufgezogen und bieten noch keine besonders großen Überraschungen. Nichtsdestotrotz fällt dieser Part äußerst unterhaltsam aus. Die reizvolle Situation der Gefangenschaft, welche unsere Gefährten in ihren Möglichkeiten stark einschränkt und sie vor eine scheinbar ausweglose Situation stellt, zumal sie auch noch voneinander getrennt werden, lässt einen als Hörer unweigerlich mitfiebern. Denn natürlich will man unbedingt wissen, wie es die beiden letztendlich anstellen, sich aus dieser Bedrohungssituation zu befreien. Dass es ihnen gelingen dürfte, daran hegt man indes von Anfang an wenig Zweifel.
Vor allem die Gladiatorenkämpfe nehmen hier recht viel Raum ein. Zwar findet sich dort wenig, was die Spannung massiv nach oben treiben könnte, doch die Umsetzung ist derart eindrucksvoll und mit einem sanft-ironischen Unterton geschildert (erwähnen möchte ich diesbezüglich nur die Stimme des Kalifen - großartig!), dass einen ersteres überhaupt gar nicht stört.
Im letzten Drittel scheinen sich die Ereignisse dagegen fast wieder zu überschlagen und dabei ist wieder die ganze Konzentration der Hörerschaft gefragt, wenn man einen weiteren Einblick in die Geheimnisse dieser sonderbaren Welt gestattet, die man momentan ohnehin nur recht unzureichend zu überblicken vermag. Einige Wendungen werden einem sicherlich noch nach Abklingen der letzten Schlussakorde zu denken geben.
Sehr erfreut war ich, als ich das ans veränderte Umfeld angepasste Musikbild vernommen habe. Viele andere Produzenten hätten womöglich einfach mit den bisherigen musikalischen Bild weitergearbeitet, hier jedoch wird ein ganz eigenes orientalisches Klangbild ins Leben gerufen, welches dieser Geschichte erst seine ganze Würze verleiht. Auch wenn einige Stücke in meinen Ohren manchmal ein klein wenig gewöhnungsbedürftig klangen, so muss man hier einmal mehr ein großes Lob aussprechen.
Aufgrund der Trennung von Amon und X merkt man zum ersten Mal, wie wertvoll die Idee eines stetigen Begleiters wie Eye tatsächlich ist. Stellt dies doch DIE Möglichkeit dar, Dialoge zu realisieren, wo sonst nur Erzählerparts oder größere Sprünge in der Handlung möglich gewesen wären. Dank Engelbert von Nordhausens exzellenter Darstellung des äußerst spitzzüngigen Wesens kommt man als Hörer hier so richtig auf seine Kosten. Diese amüsante Ader steht der ansonsten durchaus ernst angelegten Erzählung sehr gut zu Gesicht. Nicht unbedingt gebraucht hätte es dagegen meines Erachtens die erneuten Anleihen an bekannte Märchen; Stichwort: Ali Bapa.
Der Sprechercast ist mindestens so eindrucksvoll wie der Rest des Hörspiels auch. Erwähnen muss man diesmal vor allem Julia Haacke als Aisha, Ernst Meincke als Hasredin, Roland Hemmo als Nebahath und Bernd Vollbrecht als Kamil.
Fazit: Eine dicke Überraschung, welche weite Teile dieser Episode beeinflussen soll, gibt es bereits ganz zu Beginn. Danach knüpft ein eher linearer, aber alles andere als uninteressanter Handlungsstrang an, nur um am Ende wieder so einiges auf den Kopf zu stellen. Zusammen mit der erstklassigen Inszenierung kommt man als Fantasy-Fan weiterhin voll auf seine Kosten. Wenn es ebenso ansprechend weitergeht, darf man sich noch auf einige schöne und hoffentlich spannende Stunden zusammen mit den letzten Helden dieser Welt freuen.