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Die letzte Welt. SPIEGEL-Edition Band 25
 
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Die letzte Welt. SPIEGEL-Edition Band 25 (Gebundene Ausgabe)

von Christoph Ransmayr (Autor)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 295 Seiten
  • Verlag: Spiegel-Verlag (29. Januar 2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3877630251
  • ISBN-13: 978-3877630259
  • Größe und/oder Gewicht: 20,8 x 13,2 x 2,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.9 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (25 Kundenrezensionen)
  • Amazon.de Verkaufsrang: Nr. 268.962 in Bücher (Die Bestseller Bücher)

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Produktbeschreibungen

Der Spiegel

Im ganzen Weltkreis nichts Beständiges
So viel Einhelligkeit war selten. Als hätte es eine geheime Absprache gegeben, wurde der Roman eines nahezu unbekannten Wiener Schriftstellers im Herbst 1988 gewissermaßen zum Buch der Saison ausgerufen. Einmütig priesen die „Frankfurter Allgemeine“, „Die Zeit“ und der SPIEGEL das Werk. Der Autor Christoph Ransmayr habe sich mit der „Letzten Welt“ einen „Logenplatz in der deutschen Literatur“ erschrieben, hieß es, der Roman habe offenkundig den Ehrgeiz, „in dem Augenblick, da er erscheint, das Jahr seines Erscheinens auszustreichen“.

Wo immer man ein Literaturblatt aufschlug: Jubel über den neuen Star. Und die Kritiker blieben mit ihrer Begeisterung nicht allein. Das Buch wurde gekauft. Nach wenigen Monaten, zum Jahreswechsel 1988/89, waren schon rund 150 000 Exemplare gedruckt, der Titel kam auf die Bestsellerliste. Zwar gab es auch die eine oder andere Gegenstimme – so sprach Joachim Kaiser in der „Süddeutschen Zeitung“ dem Roman gerade das ab, was ihm landauf, landab nachgerühmt wurde: Sprachmächtigkeit, stilistische Bravour –, aber dem nachhaltigen Erfolg des Buches konnte das nichts anhaben. „In der deutschen Literatur der achtziger Jahre“, resümierte 1990 der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger (in der damals von ihm herausgegebenen „Anderen Bibliothek“ war das Werk publiziert worden) stehe der Roman „wie ein Findling da“.

Ransmayr ist Jahrgang 1954, „Die letzte Welt“ sein zweiter Roman. Die große Aufmerksamkeit der Kritiker für dieses Buch war kein Zufall: Der Autor galt nach seinem Romandebüt mit dem sprechenden Titel „Die Schrecken des Eises und der Finsternis“ als eine Art Geheimtipp; dieses Buch kam 1984 heraus und hatte bereits hervorragende Kritiken. Thema ist eine Nordpolexpedition im 19. Jahrhundert, die im ewigen Eis stecken zu bleiben droht (die Geschichte basiert auf historischen Begebenheiten). Viele Motive des neuen Romans sind in diesem ersten schon angelegt, etwa das Spiel mit den Aufzeichnungen, die verlorenzugehen drohen. Einer der Teilnehmer der Expedition schreibt, als kaum noch Hoffnung auf Rettung ist, in sein Notizheft (ein authentisches Zitat, das Ransmayr übernommen hat): „Mein ganzes Sinnen und Trachten geht nur darauf aus, die Journale derart deponieren zu können, dass sie im kommenden Jahr aufgefunden werden …“

Ransmayr, der sich lange Zeit mit dem Gedanken trug, Ovids „Metamorphosen“, das Buch der Mythen und Verwandlungen, neu zu übersetzen, mag sich eines Tages gefragt haben: Was würde fehlen, wenn dieses Werk der Weltliteratur nie geschrieben worden oder verschollen wäre? Abwegig ist dieses Gedankenspiel keineswegs, denn der Dichter Ovid (43 v. Chr. bis um 18 n. Chr.) wurde verbannt, er musste sein geliebtes Rom verlassen, aus Schmerz und Empörung darüber verbrannte er demonstrativ eine Abschrift seiner „Metamorphosen“. Genug historischer Stoff, um ein neues Spiel der Verwandlungen in Gang zu setzen.
Bei Ransmayr wird Ovid, mit seinem Beinamen Naso genannt, wegen einer politischen Unbotmäßigkeit bis ans Schwarze Meer gejagt. Von seinen sagenumwobenen „Metamorphosen“ existieren hier im Roman nur Gerüchte, bald heißt es daheim in Rom, der Dichter sei gestorben. Sein Freund Cotta macht sich auf, um Autor und Werk im fernen, gottverlassenen Tomi nachzuspüren. Er gerät in eine bizarre Szenerie, und er wird, wie es scheint, selbst Teil der sagenumwobenen Dichtung, ein Verwandelter. Das alles ist in einer sehr kunstvollen, kristallklaren und marmorkalten Sprache gezeichnet; von Wärme und Wohlbehagen keine Spur. Ransmayrs Roman ist eine abgründige Endzeitvision: „Bücher verschimmelten, verbrannten, zerfielen zu Asche und Staub; Steinmale kippten als formloser Schutt in die Halden zurück, und selbst in Basalt gemeißelte Zeichen verschwanden unter der Geduld von Schnecken. Die Erfindung der Wirklichkeit bedurfte keiner Aufzeichnungen mehr.“

Wie von weit her betrachtet, aus einer fernen Zukunft, kommt diese „Letzte Welt“ daher – als ob bei einer Zeitmaschine die Feinabstimmung nicht richtig funktioniert hat: Echos aus verschiedenen Epochen überlagern sich. Der historische Ort ist nicht exakt zu bestimmen. Ein Rom am Beginn unserer Zeitrechnung, in dem es Telefone gibt? Eine Stadt namens Tomi, neben der der Olymp aus dem Boden wächst? Wann war das? Wann wird das sein? Auch die Zeiten sind in steter Verwandlung begriffen.

Im Grunde enthält der Anfang des Romans schon das Bauprinzip der „Letzten Welt“: „Ein Orkan, das war ein Vogelschwarm hoch oben in der Nacht; ein weißer Schwarm, der rauschend näher kam und plötzlich nur noch die Krone einer ungeheuren Welle war, die auf das Schiff zusprang.“ Kein Zustand ist von Dauer, oder wie es bei Ovid (in der Prosaübersetzung Michael von Albrechts) heißt: „Es gibt im ganzen Weltkreis nichts Beständiges. Alles ist im Fluss, und jedes Bild wird gestaltet, während es vorübergeht. Ja, auch die Zeiten gleiten in ständiger Bewegung dahin, nicht anders als ein Strom. Denn stillstehen kann weder der Fluss noch die flüchtige Stunde, sondern wie die Woge von der Woge getrieben wird und im Herankommen zugleich gedrängt wird und die Vorgängerin verdrängt, so fliehen die Zeiten und folgen zugleich. Stets sind sie neu; denn was vordem gewesen ist, das ist vorüber; es wird, was nicht war, und jeder Augenblick entsteht neu.“

Ransmayr, der im österreichischen Wels geboren wurde, arbeitete zunächst als Reporter, und er hat die Form der Reportage auch späterhin gepflegt, nachdem er als Romanschriftsteller längst Erfolge verzeichnen konnte. Er ist alles andere als ein Stubenhocker, dessen Werke lediglich im Umgang mit anderen Büchern entstehen. Er geht hinaus, spricht mit Menschen, liebt aber auch die Einsamkeit, die Natur fernab der Zivilisation; er braucht Raum und Zeit, um seine Bücher entstehen zu lassen. Lange Wanderungen sind ihm wichtiger als die ständige Präsenz auf dem Buchmarkt. Auf die Frage nach dem nächsten Roman antwortete er drei Jahre nach Erscheinen der „Letzten Welt“ fast ein wenig unwirsch: „Darauf können Sie lange warten. Ich habe keine Ambition, so schnell in irgendeine Art von Öffentlichkeit zurückzukehren. Es gibt doch keinen größeren Luxus, als Zeit zu haben und mit einer Arbeit auch über Jahre hinweg allein zu sein.“ Der Ovid in seinem Roman, so erklärte mir Ransmayr 1991 in einem der seltenen Interviews, die er autorisiert hat, sei alles andere als ein Held, sondern ein „luxussüchtiger, beifallsüchtiger Mann“. Sein Naso sei einer, „der unter Sonnenschirmen in der Nähe der großen Stadien sitzt und verzückt dem Aufrauschen des Beifalls lauscht und dieses Rauschen als Musik empfindet“. Aber die Wahrheit, die Größe seiner Dichtung bleibe von seiner Eitelkeit – ¬„einer kindischen, maßlosen Eitelkeit“ – unberührt.

In Ransmayrs Roman hält Publius Ovidius Naso seine Rede im neuen, aus Kalkstein und Marmorblöcken aufgetürmten Stadion Roms, zur Zeit des Kaisers Augustus. Rund 200 000 Römer verfolgen die aufrührerische Parabel von der Pest, vom Volk, das vergeht und durch Heere von Ameisen wieder körperliche Gestalt gewinnt, als Sklavenvolk aufersteht, eine Rede über die Bewohner von Aegina – dem römischen Volk nicht unähnlich, wie Naso am Ende eigens betont. Zwar hat Augustus, der Herr des Römischen Reiches, die Ansprache verschlafen und beschenkt den Dichter wie die Lobredner mit silberbeschlagenem Zaumzeug, doch am Hof beginnt eine Zeit der Dossiers und Aktenvermerke. Von Augustus gibt es auch später keinen Kommentar zu Ovids Rede. Eine undeutliche Handbewegung am Fenster, durch das er ein Nashorn in seinem Garten beobachtet: Das ist alles, was von ihm kommt. Diese Handbewegung aber wird am Hof beredet und interpretiert. Eine Deutung setzt sich durch und verfestigt sich zum Strafspruch: Verbannung für Naso, den Dichter – an die Grenze des Reiches, jenseits aller Zivilisation.

Jahre später macht sich Cotta auf die Reise. Die Schiffspassage nach Tomi ist beschwerlich, erschöpft taumelt Cotta an Land. Die Suche nach dem Dichter gestaltet sich schwierig. Ja, man habe von ihm gehört, ihn gesehen, sagen die Bewohner, die Tereus, Fama oder Arachne heißen, doch mehr ist aus ihnen nicht herauszubekommen. In der Ruinenstadt Trachila findet Cotta die erste Spur, ein Steinmal, an dessen Spitze ein beschrifteter Stofffetzen hängt. Aber lässt sich auf Cottas Wahrnehmungen überhaupt bauen? Merkwürdige Verwandlungen geschehen um ihn her. Er selbst scheint ein anderer zu werden. Oder wird auch er, fern von Rom, ganz einfach verrückt? Am Ende wird Tomi für ihn zu einer menschenleeren Welt, einer Stadt, die unter der Vegetation zu verschwinden beginnt.

Ransmayrs Roman geht frei mit den historischen Fakten und literarischen Vorbildern um. Der römische Dichter Ovid hat natürlich niemals in Mikrofone gesprochen, er hat gewiss auch keine aufrührerischen Reden gehalten. Er stand die meiste Zeit seines Lebens mit dem Kaiserhaus auf gutem Fuß. Wäre er nicht Dichter geworden – es hätte ihm eine politische Karriere gewinkt. In den „Metamorphosen“, seinem Hauptwerk, feiert er den regierenden Augustus als Krönung der Menschheitsgeschichte, als Kaiser, der es verdiene, ein Gott zu werden. Freilich wäre Ovid ohne Weiteres imstande gewesen, eine große Rede zu halten: Er hatte wie jeder Römer eine gründliche rhetorische Ausbildung erhalten.
Und Ovid ist auch tatsächlich verbannt worden – im Jahre 8 unserer Zeitrechnung, nach Tomi ans Schwarze Meer (dem heutigen Constanta). Warum, weiß man nicht genau. Offiziell hieß es, dass Ovids „Liebeskunst“ Augustus, der die Ehe aufgewertet wissen wollte, missfallen habe – das freizügige Werk war allerdings schon Jahre zuvor erschienen. Fast gleichzeitig mit dem Dichter wurde eine Enkelin des Kaisers verbannt; das führte zu der Vermutung, Ovid könne womöglich etwas über deren Lebenswandel ausgeplaudert haben. Seit vielen Jahren hatte der Dichter als prominenter und geachteter Mann in Rom gelebt, bevor ihn das Urteil traf: keine regelrechte Verbannung, da er Haus und Vermögen behalten durfte – aber doch der endgültige Abschied von der geliebten Stadt.

Und so war es wohl eher eine Verklärung, wenn Goethe in seinen „Maximen und Reflexionen“ schrieb: „Ovid blieb klassisch auch im Exil: Er sucht sein Unglück nicht in sich, sondern in seiner Entfernung von der Hauptstadt der Welt.“ Einer der wenigen in Rom, die dem Verbannten die Treue hielten, war sein Freund Cotta Maximus Messalinus. Nachgereist freilich ist er dem Dichter nicht.

Der Roman „Die letzte Welt“ beginnt mit der fiktiven Reise Cottas nach Tomi. Schon der erste Satz gibt das Tempo vor, schon hier klingt unaufdringlich das Motiv der Verwandlung an (der Vogelschwarm, der eine Welle ist). Was vorher geschehen ist, die Verbannung Nasos, wird in Rückblenden eingefügt. Ovid selbst taucht, außer in den Erinnerungen Cottas und der Bewohner von Tomi, im Roman nicht auf. Einmal scheint es zwar, als hätte Cotta ihn gefunden – doch das ist eine Täuschung, von Ransmayr großartig in Szene gesetzt.

Der Verlust ist der Ausgangspunkt dieses Romans. Cotta sucht Gewissheit über das Schicksal seines Freundes, sucht Spuren des Dichters, ein wenig gewiss auch das Abenteuer, gelangweilt von der Metropole Rom. Gesucht wird hier vor allem ein Buch, ein Buch, von dem nur wir wissen, dass es existiert. Wer „Die letzte Welt“ mit der Lektüre der „Metamorphosen“ im Hintergrund liest, vermag zu erkennen, dass im Laufe von Cottas Suche die Grenzen zwischen dem Suchenden und dem Gesuchten verschwimmen.

Es gibt keine Auflösung, nur ewige Verwandlung in diesem Roman, neue Rätsel auf jeder Stufe, immerwährenden Verlust und Neugewinn. Ein Buch über das Ende – aber welches Ende? Ein Buch über den Fluss der Zeit – doch eine Bewegung in welcher Richtung? Ein Buch über den Verlust der Dichtung – und neue Dichtung! Am Ende bleiben lauter Fragen: Hat sich der Kreis geschlossen? Sind wir wieder am Anfang? Ist der Film rückwärts gelaufen? Der Olymp überragt erneut die Welt, jener Berg, den Götterzorn zu Beginn von Ovids „Metamorphosen“, noch vor der Geburt der Menschheit, zertrümmert hat. Die Welt wird wieder Natur, und der Bürger Roms, der Verrückte, der Suchende, verschwindet in ihr.

Auch der Schriftsteller Ransmayr ist einer, der gern verschwindet, sich aus dem Getriebe der Welt (und des Literaturbetriebs) zurückzieht. Und wie er es vor 15 Jahren angekündigte, hat er sich für seine Romane viel Zeit gelas¬sen. Erst 1995, sieben Jahre nach der „Letzten Welt“, erschien sein traumverloren-zeitenthobenes Nachkriegs¬fres¬ko „Morbus Kitahara“, und noch einmal elf Jahre sind vergangen, bis er im Herbst 2006 wieder mit einem Roman zur Stelle ist: „Der fliegende Berg“. In der Zeit dazwischen publizierte er kleinere Prosabücher mit Reden und autobiografischen Texten wie „Die dritte Luft“ (1997) oder „Geständnisse eines Touristen“ (2004) und ein Theaterstück („Die Unsichtbare“), das 2001 bei den Salzburger Festspielen uraufgeführt wurde.

Öffentliche Auftritte sind ihm – anders dem Ovid seines Romans – ein Greuel: Er sei ja kein „Prediger, kein Redner, sondern eben Schriftsteller“, sagte er schon 1991 in unserem Gespräch. Er bevorzuge „das Gegenteil davon“, für ihn ist das „der Erzählraum, in dem der Schriftsteller mit sich und seiner Sprache, seinen Geschichten allein ist und sich alle Zeit, alle erforderliche Zeit, nehmen kann, um das, was er sagen will, zum Ausdruck, zur Sprache zu bringen, zu seiner Sprache. Am Ende einer solchen Anstrengung steht vielleicht ein Roman, eine Erzählung, irgendeine literarische Arbeit, die im günstigsten Fall eine Art Museum lichter Momente ist, die sich über die Jahre hin eingestellt haben.“ Und Ransmayr fügte rasch hinzu: „Aber wie viele lichte Momente hat man schon!“

Nachwort von Volker Hage zu Die letzte Welt. SPIEGEL-Edition Band 25



Buch der 1000 Bücher

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Die letzte Welt
OA 1988 Form Roman Epoche Postmoderne
Die letzte Welt von Christoph Ransmayr stellt eine postmoderne Auseinandersetzung mit den Metamorphosen (entst. 1–8) von R Ovid dar, jenem epischen Sagengedicht, das eine Vielzahl von Verwandlungsmythen aus der griechischen und römischen Kultur zu einem Gesamtwerk verknüpft. Durch Transformationen und Bezüge zur Gegenwartskultur nimmt der Roman eine Neugestaltung des Prinzips der Verwandlung vor.
Inhalt: Der römische Bürger Cotta bricht in die am Schwarzen Meer gelegene Provinzstadt Tomi auf, um dort nach dem Dichter Ovid und einer letzten Fassung von dessen Hauptwerk, den Metamorphosen, zu suchen. Die graue Stadt am Rande des römischen Reichs, deren Bewohner von der Eisengewinnung leben, ist ein Ort des Verfalls, der von Überschwemmungen und Erosionen heimgesucht wird. An diesen Ort war Ovid wegen einer gesellschaftskritischen Rede und seines als staatsfeindlich eingestuften Werks vom Imperator Augustus verbannt worden. Vor seiner Abreise hatte der Dichter die Manuskripte seiner Metamorphosen verbrannt; er selbst soll Gerüchten zufolge inzwischen verstorben sein. Einige Stofffetzen, die Cotta in der Umgebung von Tomi findet, bestärken diesen jedoch in der Vermutung, dass Ovid noch am Leben sei oder zumindest in der Verbannung an seinem Werk weitergearbeitet habe. Pythagoras, Ovids ehemaliger Diener, führt Cotta zu einem Platz mit Steinmonumenten, in denen die Schlussverse der Metamorphosen eingraviert sind. Von der schönen, aber an Schuppenflecken leidenden Echo erfährt Cotta von Ovids Projekt eines Buchs der Steine, in dem sich das Ende der Welt ankündige, und in den Teppichen der taubstummen Weberin Arachne finden sich weitere Motive von Ovids Erzählungen. Mit den Bewohnern von Tomi gehen unterdessen Verwandlungen vor sich, sie versteinern oder verwandeln sich in Tiere; die Stadt selbst wird nach und nach von Pflanzen überwuchert.
Aufbau: Der Roman blendet verschiedene Referenzsysteme ineinander, zu denen das Zeitalter des Kaisers Augustus, bestimmte Phänomene der Gegenwart, insbesondere aus dem Bereich moderner Medien, sowie das im Anhang erläuterte »ovidische Repertoire« gehören. So werden etwa die Reden der Großveranstaltungen in Rom mit Mikrophonen übertragen, und in Tomi begegnet Cotta dem Filmvorführer Cyparis, der selbst eine Figur Ovids ist und dessen Filme ebenfalls Motive aus dem Werk des Dichters enthalten. Die sinnfälligen Szenerien in der Gegend von Tomi verknüpfen antike und mythologische Momente mit solchen der modernen Industriegesellschaft. Den ovidischen Metamorphosen folgend, gestaltet Die letzte Welt das Prinzip der Verwandlung gleichermaßen als Gegenstand des Erzählens und als literarische Verfahrensweise. In seiner Verknüpfung verschiedener Zeiten und Mythen setzt der Roman das Prinzip der Verwandlung an die Stelle eines kontinuierlichen Geschichtsverlaufs. Die Welt Ovids erscheint als ein Gegenentwurf zu dem von Rom repräsentierten »Reich der Notwendigkeit und der Vernunft«, welches eine »Dauer und Unwandelbarkeit der Macht« intendiert. Das von Cotta gesuchte Werk Ovids, die Metamorphosen, zeigt sich am Ende in jenem Verwandlungsprozess, der sich in der Welt von Tomi vollzogen hat, deren Bewohner letztlich allesamt Transformationen von Figuren Ovids sind. In dieses Werk gehen schließlich auch Cotta und Ovid selbst ein. Die Fiktion erweist sich so als Wirklichkeit und die Wirklichkeit als Fiktion.
Wirkung: Die letzte Welt gehört zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Büchern der Gegenwart und wurde in mehr als 20 Sprachen übersetzt. Nachdem das Buch bei seinem Erscheinen in vielen Feuilletons gewürdigt wurde, hat es inzwischen auch ein breites Interesse in der Literaturwissenschaft auf sich gezogen. D. G. -- Dieser Text bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch .

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9 von 9 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
4.0 von 5 Sternen Grandiose Erzählwelt, die sich in keine Kategorie einordnen lässt, 20. März 2007
Von hartmutw (München) - Alle meine Rezensionen ansehen
(TOP 500 REVIEWER)   
Lange habe ich überlegt, ob und was ich zu diesem Buch sagen könnte, das für mich - wertfrei verstanden - völlig unvergleichlich ist.

Im sanften, poetischen Ton eines Märchenerzählers konstruiert Ransmayr eine Parallelwelt, die irgendwo zwischen römischer Antike und moderner Industriestadt in Endzeitstimmung ("Die eiserne Stadt") angesiedelt ist und auch sonst zwischen den Zeiten liegt: Zwar wird Naso (Ovid) erst seit Kurzem vermisst, was aufs alte Rom verweist, dennoch spielen aber Dinge des modernen Lebens wie Megaphone, Telefone und Filmprojektoren eine Rolle.
So, wie die Stadt sich im luftleeren bzw. zeitlosen Raum befindet, so sind auch sämtliche Personen irgendwo zwischen den klassischen Ovid'schen Helden und Romanfiguren angesiedelt.
Mein Tipp: Wenn man mit der griechischen Mythologie nur wenig vertraut ist sollte man unbedingt zuerst das Nachwort ("Ovid'sches Repertoire") lesen, da es die Anleihen aus der Mythologie erklärt.

Sowohl die Stadt als auch die Personen selbst verwandeln sich im Laufe der Erzählung noch immer weiter, sofern sie im Fluss der extremen Jahreszeiten nicht einfach verschwinden. Damit folgt Ransmayr inhaltlich Ovids Metamorphosen, imitiert also den sagenhaften Römer.
Immer mehr dominiert zum Ende hin die Natur die Stadt, während die Personen von ihrer ganz eigenen Vergangenheit (meist frei nach Ovid) eingeholt werden. Zum Schluss selbst möchte ich hier nichts verraten, außer dass er dem Motiv des Wandels und der Verwandlung treu bleibt.

Wer diese Wandlungen und Mischungen aus zwei Perspektiven jetzt komplex oder verwirrend findet, der liegt genau richtig. Allerdings bereitet Ransmayrs fast traumverlorener Tonfall ein sehr sinnliches Lesevergnügen und verführt genauso wie die Anspielungen auf Ovids Werk und das alte Rom immer aufs Neue zum Weiterlesen, wenn auch nur selten Spannung im konventionellen Sinn aufkommt.

Wirklich empfehlen kann ich dieses Buch allen, die beim Lesen auch an Sprache und Stil selbst viel Freude haben oder Liebhabern der antiken Mythologie. Für Fans konventioneller Romane könnte dieses Werk schwer verdaulich sein. Einzigartig ist es aber in jedem Fall.
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12 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Faszinierende Annäherung an einen Klassiker, 6. September 1999
Von Ein Kunde
Mit diesem Roman, der Ransmayr internationale Beachtung einbrachte, ist dem Autoren eine faszinierend komplexe Auseinandersetzung mit dem Werk "Metamorphosen" des römischen Dichters Ovid gelungen. Wie in seinem späteren Werk verschlingt Ransmayr geschickt Realität und Fiktion miteinander, so dass das Ergebnis gleichzeitig plausibel wie phantastisch erscheint.

In "Die letzte Welt" lässt der Autor den Römer Cotta nach Tomi reisen, um dort nach Spuren des dorthin verbannten Ovid zu suchen. Ihn selbst findet er nicht, dafür gerät er aber zunehmend in die Welt des Ovid selbst. Er trifft Figuren aus dessen "Metamorphosen" und entfernt sich immer mehr von der Realität, während er tiefer und tiefer in die künstliche Welt Ovids eintaucht.

Wie in den anderen Werken Ransmayrs fasziniert auch hier die Sprache, die den düsteren Grundton der Erzählung hervorragend vermittelt und bereits allein den Leser zu fesseln weiß. Die Beschreibung der trostlosen Landschaften um Tomi, der unwirtlichen Gegebenheiten und der verschrobenen Einwohner des Örtchens am Ende der Welt ist einzigartig und würde in einer anderen Formulierung viel verlieren.

Sehr hilfreich ist auch das angehängte ovidische Repertoire, das den mit Ovids Werk nicht vertrauten Leser in dessen Geschichten und Figuren einführt und die Vermischung der Geschichten Ransmayrs und Ovids erst deutlich macht. Somit dient "Die letzte Welt" auch als Lehrbuch, welches die Bedeutung von Ovids Werk im alten Rom veranschaulicht. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)

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18 von 21 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich:
5.0 von 5 Sternen Ein traumhaftes Buch!!!, 5. Oktober 2005
"Die letzte Welt" ist ein Roman, der völlig aus der Zeit herausgerissen scheint. Nicht nur
einmal war ich über meine Gedanken erstaunt, die mir ein antikes Bild zeigten, welches aber
beispielsweise durch den Auftritt eines Filmvorführers mit den neuesten Hollywood-
Heldenfilmen zunichte gemacht wurde. Diese zeitlose Vermischung von äußeren Umständen
bestimmter Zeitalter ist wirklich sehr gelungen. Auch die Sprache ist eine ganz besondere.
Obwohl es ein Prosa-Roman ist, habe ich mich einige Male dabei erwischt, wie ich still
anfing beim Lesen zu intonieren - gerade als ob ich ein Gedicht lesen würde.
Christoph Ransmayr beschreibt phantasievoll, teilweise aber auch wunderbar verworren,
eine Welt, die so eigentlich nicht existieren kann, zugleich jedoch zu einem sehr realen Gedankenbild
wird.
Mich persönlich hat dieser Roman aus den oben genannten gründen sehr angesprochen,
zudem ist er wunderbar für Personen geeignet, die an der Primärgeschichte interessiert
sind. So ist z.B. Cotta eine aus Ovids "Briefen aus dem Exil" historisch belegte Figur. Das
zentrale Thema der Unendlichkeit, das sich in der Auflösung der Literatur zu einer gelebten
Realität zeigt, führt zu einigen kuriosen Gedankengängen.

Christoph Ransmayr wagt sich an Figuren der griechischen Mythologie sowie deren Eigenschaften
und Probleme heran und gibt ihnen einen Platz in einem zwar fiktiven, aber dennoch
durchaus realen Ort in unserer Zeit. Die vorherige Beschäftigung mit eben dieser Mythologie
halte ich für sehr sinnvoll, da meiner Meinung nach ansonsten zu leicht etwas über
den Sinn des dargestellten Wesens und Agierens der Figur verloren geht. Das Buch hat
jedoch auch einen kleinen Anhang über die wahren Figuren Ovids, den ich unbedingt zuerst
lesen würde. Vielleicht stellt dieser Roman sogar den Beginn einer neuen Leidenschaft dar.

Ich wünsche diesem Buch einen Leser, der viel Phantasie hat, der ein Träumer und bereit
ist, sich in der letzten Welt zu verlieren.

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Gedanken und Ideen sind unsterblich, auch wenn man den Denkenden oder den Ideengeber verbannt oder der Stadt verweist. Lesen Sie weiter...
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Ransmayr entführt seine Zuhörer in eine seltsame Welt, die halb aus Antike und halb aus einer Welt jenseits der Zeit besteht. Lesen Sie weiter...
Vor 18 Monaten von Media-Mania.de veröffentlicht

4.0 von 5 Sternen Sehr gut mit Einschränkungen
Anfangs konnte ich mit diesem Buch, mit dem der damals noch junge österreichische Autor seinen internationalen Durchbruch schaffte und zum Star am Literaturhimmel wurde, nicht... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 18. September 2007 von Indianer

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Ein Roman, der ein Konvolut an Namen benötigt, die sich auf die Gestalten der letzten wie der alten Welt beziehen, erfordert eine Menge Vorwissen oder Geduld beim Nachschlagen,... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 11. August 2007 von Polar

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Haben wir Menschen im Großen und Ganzen in unserem Leben eine wirkliche gemeinsame Welt vorgefunden? Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 10. Juni 2007 von kpoac

5.0 von 5 Sternen Faszinierendes Spiel mit Literatur und Geschichte
Ransmayrs Erfolgsroman "Die letzte Welt" erzählt die Geschichte des Römers Cotta, der sich auf die Suche nach dem tot geglaubten Dichter Naso (= Ovid) und dessen Hauptwerk, den... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 19. Dezember 2006 von Rolf Dobelli

5.0 von 5 Sternen man lernt ovid spielerisch
Das Buch ist perfekt,wenn man Ovid kennen und lieben lernen möchte.Es entführt in einen Stadt,Tomi,in der die Geschichte Ovids neu erzählt wird,und eigentlich auch die Zeit damals... Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 30. August 2005 von hesperia

5.0 von 5 Sternen Auf den Spuren Ovids
Ransmayrs Roman ist in inhaltlicher und stilistischer Hinsicht ein Meisterwerk- ein moderner Klassiker. Lesen Sie weiter...
Am 14. Dezember 2003 veröffentlicht

5.0 von 5 Sternen Die Verwandlung findet im Leser statt
Als Freund der antiken Mythologie und von Ovid war ich bei der ersten Lektüre dieses Buchs vor allem von der Idee an sich und der Sprache des Autors begeistert. Lesen Sie weiter...
Am 19. August 2001 veröffentlicht

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