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Die letzte Welt: Roman [Taschenbuch]

Christoph Ransmayr , Anita Albus
3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (33 Kundenrezensionen)
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  Alle Preisangaben inkl. MwSt.
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Kurzbeschreibung

1. April 1991
Als Christoph Ransmayrs Roman ›Die letzte Welt‹ 1988 erschien, wurde er von der Kritik gefeiert wie kaum ein anderer - er wurde bisher in 29 Sprachen übersetzt. Der Roman, der an Schauplätzen in Rom und am Schwarzen Meer Antike, Gegenwart und Zukunft zusammenfließen läßt, folgt den Spuren des römischen Dichters Ovid, der im Jahr 8 n. Chr. nach Tomi am Schwarzen Meer verbannt wurde. ›Die letzte Welt‹ erzählt von der abenteuerlichen Reise eines römischen Freundes von Ovid, der auf der Suche nach dem verschwundenen Dichter und seinem verschollenen Werk der ›Metamorphosen‹ immer tiefer in eine rätselhafte Welt der Bilder, Figuren und wunderbaren Begebenheiten gerät - und sich in eine Romanfigur verwandelt.

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Die letzte Welt: Roman + Der fliegende Berg: Roman + Atlas eines ängstlichen Mannes
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Produktinformation

  • Taschenbuch: 288 Seiten
  • Verlag: FISCHER Taschenbuch (1. April 1991)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3596295386
  • ISBN-13: 978-3596295388
  • Größe und/oder Gewicht: 18,8 x 12 x 1,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.8 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (33 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 29.222 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

Im ganzen Weltkreis nichts Beständiges
So viel Einhelligkeit war selten. Als hätte es eine geheime Absprache gegeben, wurde der Roman eines nahezu unbekannten Wiener Schriftstellers im Herbst 1988 gewissermaßen zum Buch der Saison ausgerufen. Einmütig priesen die „Frankfurter Allgemeine“, „Die Zeit“ und der SPIEGEL das Werk. Der Autor Christoph Ransmayr habe sich mit der „Letzten Welt“ einen „Logenplatz in der deutschen Literatur“ erschrieben, hieß es, der Roman habe offenkundig den Ehrgeiz, „in dem Augenblick, da er erscheint, das Jahr seines Erscheinens auszustreichen“.

Wo immer man ein Literaturblatt aufschlug: Jubel über den neuen Star. Und die Kritiker blieben mit ihrer Begeisterung nicht allein. Das Buch wurde gekauft. Nach wenigen Monaten, zum Jahreswechsel 1988/89, waren schon rund 150 000 Exemplare gedruckt, der Titel kam auf die Bestsellerliste. Zwar gab es auch die eine oder andere Gegenstimme – so sprach Joachim Kaiser in der „Süddeutschen Zeitung“ dem Roman gerade das ab, was ihm landauf, landab nachgerühmt wurde: Sprachmächtigkeit, stilistische Bravour –, aber dem nachhaltigen Erfolg des Buches konnte das nichts anhaben. „In der deutschen Literatur der achtziger Jahre“, resümierte 1990 der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger (in der damals von ihm herausgegebenen „Anderen Bibliothek“ war das Werk publiziert worden) stehe der Roman „wie ein Findling da“.

Ransmayr ist Jahrgang 1954, „Die letzte Welt“ sein zweiter Roman. Die große Aufmerksamkeit der Kritiker für dieses Buch war kein Zufall: Der Autor galt nach seinem Romandebüt mit dem sprechenden Titel „Die Schrecken des Eises und der Finsternis“ als eine Art Geheimtipp; dieses Buch kam 1984 heraus und hatte bereits hervorragende Kritiken. Thema ist eine Nordpolexpedition im 19. Jahrhundert, die im ewigen Eis stecken zu bleiben droht (die Geschichte basiert auf historischen Begebenheiten). Viele Motive des neuen Romans sind in diesem ersten schon angelegt, etwa das Spiel mit den Aufzeichnungen, die verlorenzugehen drohen. Einer der Teilnehmer der Expedition schreibt, als kaum noch Hoffnung auf Rettung ist, in sein Notizheft (ein authentisches Zitat, das Ransmayr übernommen hat): „Mein ganzes Sinnen und Trachten geht nur darauf aus, die Journale derart deponieren zu können, dass sie im kommenden Jahr aufgefunden werden …“

Ransmayr, der sich lange Zeit mit dem Gedanken trug, Ovids „Metamorphosen“, das Buch der Mythen und Verwandlungen, neu zu übersetzen, mag sich eines Tages gefragt haben: Was würde fehlen, wenn dieses Werk der Weltliteratur nie geschrieben worden oder verschollen wäre? Abwegig ist dieses Gedankenspiel keineswegs, denn der Dichter Ovid (43 v. Chr. bis um 18 n. Chr.) wurde verbannt, er musste sein geliebtes Rom verlassen, aus Schmerz und Empörung darüber verbrannte er demonstrativ eine Abschrift seiner „Metamorphosen“. Genug historischer Stoff, um ein neues Spiel der Verwandlungen in Gang zu setzen.
Bei Ransmayr wird Ovid, mit seinem Beinamen Naso genannt, wegen einer politischen Unbotmäßigkeit bis ans Schwarze Meer gejagt. Von seinen sagenumwobenen „Metamorphosen“ existieren hier im Roman nur Gerüchte, bald heißt es daheim in Rom, der Dichter sei gestorben. Sein Freund Cotta macht sich auf, um Autor und Werk im fernen, gottverlassenen Tomi nachzuspüren. Er gerät in eine bizarre Szenerie, und er wird, wie es scheint, selbst Teil der sagenumwobenen Dichtung, ein Verwandelter. Das alles ist in einer sehr kunstvollen, kristallklaren und marmorkalten Sprache gezeichnet; von Wärme und Wohlbehagen keine Spur. Ransmayrs Roman ist eine abgründige Endzeitvision: „Bücher verschimmelten, verbrannten, zerfielen zu Asche und Staub; Steinmale kippten als formloser Schutt in die Halden zurück, und selbst in Basalt gemeißelte Zeichen verschwanden unter der Geduld von Schnecken. Die Erfindung der Wirklichkeit bedurfte keiner Aufzeichnungen mehr.“

Wie von weit her betrachtet, aus einer fernen Zukunft, kommt diese „Letzte Welt“ daher – als ob bei einer Zeitmaschine die Feinabstimmung nicht richtig funktioniert hat: Echos aus verschiedenen Epochen überlagern sich. Der historische Ort ist nicht exakt zu bestimmen. Ein Rom am Beginn unserer Zeitrechnung, in dem es Telefone gibt? Eine Stadt namens Tomi, neben der der Olymp aus dem Boden wächst? Wann war das? Wann wird das sein? Auch die Zeiten sind in steter Verwandlung begriffen.

Im Grunde enthält der Anfang des Romans schon das Bauprinzip der „Letzten Welt“: „Ein Orkan, das war ein Vogelschwarm hoch oben in der Nacht; ein weißer Schwarm, der rauschend näher kam und plötzlich nur noch die Krone einer ungeheuren Welle war, die auf das Schiff zusprang.“ Kein Zustand ist von Dauer, oder wie es bei Ovid (in der Prosaübersetzung Michael von Albrechts) heißt: „Es gibt im ganzen Weltkreis nichts Beständiges. Alles ist im Fluss, und jedes Bild wird gestaltet, während es vorübergeht. Ja, auch die Zeiten gleiten in ständiger Bewegung dahin, nicht anders als ein Strom. Denn stillstehen kann weder der Fluss noch die flüchtige Stunde, sondern wie die Woge von der Woge getrieben wird und im Herankommen zugleich gedrängt wird und die Vorgängerin verdrängt, so fliehen die Zeiten und folgen zugleich. Stets sind sie neu; denn was vordem gewesen ist, das ist vorüber; es wird, was nicht war, und jeder Augenblick entsteht neu.“

Ransmayr, der im österreichischen Wels geboren wurde, arbeitete zunächst als Reporter, und er hat die Form der Reportage auch späterhin gepflegt, nachdem er als Romanschriftsteller längst Erfolge verzeichnen konnte. Er ist alles andere als ein Stubenhocker, dessen Werke lediglich im Umgang mit anderen Büchern entstehen. Er geht hinaus, spricht mit Menschen, liebt aber auch die Einsamkeit, die Natur fernab der Zivilisation; er braucht Raum und Zeit, um seine Bücher entstehen zu lassen. Lange Wanderungen sind ihm wichtiger als die ständige Präsenz auf dem Buchmarkt. Auf die Frage nach dem nächsten Roman antwortete er drei Jahre nach Erscheinen der „Letzten Welt“ fast ein wenig unwirsch: „Darauf können Sie lange warten. Ich habe keine Ambition, so schnell in irgendeine Art von Öffentlichkeit zurückzukehren. Es gibt doch keinen größeren Luxus, als Zeit zu haben und mit einer Arbeit auch über Jahre hinweg allein zu sein.“ Der Ovid in seinem Roman, so erklärte mir Ransmayr 1991 in einem der seltenen Interviews, die er autorisiert hat, sei alles andere als ein Held, sondern ein „luxussüchtiger, beifallsüchtiger Mann“. Sein Naso sei einer, „der unter Sonnenschirmen in der Nähe der großen Stadien sitzt und verzückt dem Aufrauschen des Beifalls lauscht und dieses Rauschen als Musik empfindet“. Aber die Wahrheit, die Größe seiner Dichtung bleibe von seiner Eitelkeit – ¬„einer kindischen, maßlosen Eitelkeit“ – unberührt.

In Ransmayrs Roman hält Publius Ovidius Naso seine Rede im neuen, aus Kalkstein und Marmorblöcken aufgetürmten Stadion Roms, zur Zeit des Kaisers Augustus. Rund 200 000 Römer verfolgen die aufrührerische Parabel von der Pest, vom Volk, das vergeht und durch Heere von Ameisen wieder körperliche Gestalt gewinnt, als Sklavenvolk aufersteht, eine Rede über die Bewohner von Aegina – dem römischen Volk nicht unähnlich, wie Naso am Ende eigens betont. Zwar hat Augustus, der Herr des Römischen Reiches, die Ansprache verschlafen und beschenkt den Dichter wie die Lobredner mit silberbeschlagenem Zaumzeug, doch am Hof beginnt eine Zeit der Dossiers und Aktenvermerke. Von Augustus gibt es auch später keinen Kommentar zu Ovids Rede. Eine undeutliche Handbewegung am Fenster, durch das er ein Nashorn in seinem Garten beobachtet: Das ist alles, was von ihm kommt. Diese Handbewegung aber wird am Hof beredet und interpretiert. Eine Deutung setzt sich durch und verfestigt sich zum Strafspruch: Verbannung für Naso, den Dichter – an die Grenze des Reiches, jenseits aller Zivilisation.

Jahre später macht sich Cotta auf die Reise. Die Schiffspassage nach Tomi ist beschwerlich, erschöpft taumelt Cotta an Land. Die Suche nach dem Dichter gestaltet sich schwierig. Ja, man habe von ihm gehört, ihn gesehen, sagen die Bewohner, die Tereus, Fama oder Arachne heißen, doch mehr ist aus ihnen nicht herauszubekommen. In der Ruinenstadt Trachila findet Cotta die erste Spur, ein Steinmal, an dessen Spitze ein beschrifteter Stofffetzen hängt. Aber lässt sich auf Cottas Wahrnehmungen überhaupt bauen? Merkwürdige Verwandlungen geschehen um ihn her. Er selbst scheint ein anderer zu werden. Oder wird auch er, fern von Rom, ganz einfach verrückt? Am Ende wird Tomi für ihn zu einer menschenleeren Welt, einer Stadt, die unter der Vegetation zu verschwinden beginnt.

Ransmayrs Roman geht frei mit den historischen Fakten und literarischen Vorbildern um. Der römische Dichter Ovid hat natürlich niemals in Mikrofone gesprochen, er hat gewiss auch keine aufrührerischen Reden gehalten. Er stand die meiste Zeit seines Lebens mit dem Kaiserhaus auf gutem Fuß. Wäre er nicht Dichter geworden – es hätte ihm eine politische Karriere gewinkt. In den „Metamorphosen“, seinem Hauptwerk, feiert er den regierenden Augustus als Krönung der Menschheitsgeschichte, als Kaiser, der es verdiene, ein Gott zu werden. Freilich wäre Ovid ohne Weiteres imstande gewesen, eine große Rede zu halten: Er hatte wie jeder Römer eine gründliche rhetorische Ausbildung erhalten.
Und Ovid ist auch tatsächlich verbannt worden – im Jahre 8 unserer Zeitrechnung, nach Tomi ans Schwarze Meer (dem heutigen Constanta). Warum, weiß man nicht genau. Offiziell hieß es, dass Ovids „Liebeskunst“ Augustus, der die Ehe aufgewertet wissen wollte, missfallen habe – das freizügige Werk war allerdings schon Jahre zuvor erschienen. Fast gleichzeitig mit dem Dichter wurde eine Enkelin des Kaisers verbannt; das führte zu der Vermutung, Ovid könne womöglich etwas über deren Lebenswandel ausgeplaudert haben. Seit vielen Jahren hatte der Dichter als prominenter und geachteter Mann in Rom gelebt, bevor ihn das Urteil traf: keine regelrechte Verbannung, da er Haus und Vermögen behalten durfte – aber doch der endgültige Abschied von der geliebten Stadt.

Und so war es wohl eher eine Verklärung, wenn Goethe in seinen „Maximen und Reflexionen“ schrieb: „Ovid blieb klassisch auch im Exil: Er sucht sein Unglück nicht in sich, sondern in seiner Entfernung von der Hauptstadt der Welt.“ Einer der wenigen in Rom, die dem Verbannten die Treue hielten, war sein Freund Cotta Maximus Messalinus. Nachgereist freilich ist er dem Dichter nicht.

Der Roman „Die letzte Welt“ beginnt mit der fiktiven Reise Cottas nach Tomi. Schon der erste Satz gibt das Tempo vor, schon hier klingt unaufdringlich das Motiv der Verwandlung an (der Vogelschwarm, der eine Welle ist). Was vorher geschehen ist, die Verbannung Nasos, wird in Rückblenden eingefügt. Ovid selbst taucht, außer in den Erinnerungen Cottas und der Bewohner von Tomi, im Roman nicht auf. Einmal scheint es zwar, als hätte Cotta ihn gefunden – doch das ist eine Täuschung, von Ransmayr großartig in Szene gesetzt.

Der Verlust ist der Ausgangspunkt dieses Romans. Cotta sucht Gewissheit über das Schicksal seines Freundes, sucht Spuren des Dichters, ein wenig gewiss auch das Abenteuer, gelangweilt von der Metropole Rom. Gesucht wird hier vor allem ein Buch, ein Buch, von dem nur wir wissen, dass es existiert. Wer „Die letzte Welt“ mit der Lektüre der „Metamorphosen“ im Hintergrund liest, vermag zu erkennen, dass im Laufe von Cottas Suche die Grenzen zwischen dem Suchenden und dem Gesuchten verschwimmen.

Es gibt keine Auflösung, nur ewige Verwandlung in diesem Roman, neue Rätsel auf jeder Stufe, immerwährenden Verlust und Neugewinn. Ein Buch über das Ende – aber welches Ende? Ein Buch über den Fluss der Zeit – doch eine Bewegung in welcher Richtung? Ein Buch über den Verlust der Dichtung – und neue Dichtung! Am Ende bleiben lauter Fragen: Hat sich der Kreis geschlossen? Sind wir wieder am Anfang? Ist der Film rückwärts gelaufen? Der Olymp überragt erneut die Welt, jener Berg, den Götterzorn zu Beginn von Ovids „Metamorphosen“, noch vor der Geburt der Menschheit, zertrümmert hat. Die Welt wird wieder Natur, und der Bürger Roms, der Verrückte, der Suchende, verschwindet in ihr.

Auch der Schriftsteller Ransmayr ist einer, der gern verschwindet, sich aus dem Getriebe der Welt (und des Literaturbetriebs) zurückzieht. Und wie er es vor 15 Jahren angekündigte, hat er sich für seine Romane viel Zeit gelas¬sen. Erst 1995, sieben Jahre nach der „Letzten Welt“, erschien sein traumverloren-zeitenthobenes Nachkriegs¬fres¬ko „Morbus Kitahara“, und noch einmal elf Jahre sind vergangen, bis er im Herbst 2006 wieder mit einem Roman zur Stelle ist: „Der fliegende Berg“. In der Zeit dazwischen publizierte er kleinere Prosabücher mit Reden und autobiografischen Texten wie „Die dritte Luft“ (1997) oder „Geständnisse eines Touristen“ (2004) und ein Theaterstück („Die Unsichtbare“), das 2001 bei den Salzburger Festspielen uraufgeführt wurde.

Öffentliche Auftritte sind ihm – anders dem Ovid seines Romans – ein Greuel: Er sei ja kein „Prediger, kein Redner, sondern eben Schriftsteller“, sagte er schon 1991 in unserem Gespräch. Er bevorzuge „das Gegenteil davon“, für ihn ist das „der Erzählraum, in dem der Schriftsteller mit sich und seiner Sprache, seinen Geschichten allein ist und sich alle Zeit, alle erforderliche Zeit, nehmen kann, um das, was er sagen will, zum Ausdruck, zur Sprache zu bringen, zu seiner Sprache. Am Ende einer solchen Anstrengung steht vielleicht ein Roman, eine Erzählung, irgendeine literarische Arbeit, die im günstigsten Fall eine Art Museum lichter Momente ist, die sich über die Jahre hin eingestellt haben.“ Und Ransmayr fügte rasch hinzu: „Aber wie viele lichte Momente hat man schon!“

Nachwort von Volker Hage zu Die letzte Welt. SPIEGEL-Edition Band 25 -- Der Spiegel -- Dieser Text bezieht sich auf eine vergriffene oder nicht verfügbare Ausgabe dieses Titels.

Rezension

Copyright: Aus Das Buch der 1000 Bücher (Harenberg Verlag)

Die letzte Welt
OA 1988 Form Roman Epoche Postmoderne
Die letzte Welt von Christoph Ransmayr stellt eine postmoderne Auseinandersetzung mit den Metamorphosen (entst. 1–8) von R Ovid dar, jenem epischen Sagengedicht, das eine Vielzahl von Verwandlungsmythen aus der griechischen und römischen Kultur zu einem Gesamtwerk verknüpft. Durch Transformationen und Bezüge zur Gegenwartskultur nimmt der Roman eine Neugestaltung des Prinzips der Verwandlung vor.
Inhalt: Der römische Bürger Cotta bricht in die am Schwarzen Meer gelegene Provinzstadt Tomi auf, um dort nach dem Dichter Ovid und einer letzten Fassung von dessen Hauptwerk, den Metamorphosen, zu suchen. Die graue Stadt am Rande des römischen Reichs, deren Bewohner von der Eisengewinnung leben, ist ein Ort des Verfalls, der von Überschwemmungen und Erosionen heimgesucht wird. An diesen Ort war Ovid wegen einer gesellschaftskritischen Rede und seines als staatsfeindlich eingestuften Werks vom Imperator Augustus verbannt worden. Vor seiner Abreise hatte der Dichter die Manuskripte seiner Metamorphosen verbrannt; er selbst soll Gerüchten zufolge inzwischen verstorben sein. Einige Stofffetzen, die Cotta in der Umgebung von Tomi findet, bestärken diesen jedoch in der Vermutung, dass Ovid noch am Leben sei oder zumindest in der Verbannung an seinem Werk weitergearbeitet habe. Pythagoras, Ovids ehemaliger Diener, führt Cotta zu einem Platz mit Steinmonumenten, in denen die Schlussverse der Metamorphosen eingraviert sind. Von der schönen, aber an Schuppenflecken leidenden Echo erfährt Cotta von Ovids Projekt eines Buchs der Steine, in dem sich das Ende der Welt ankündige, und in den Teppichen der taubstummen Weberin Arachne finden sich weitere Motive von Ovids Erzählungen. Mit den Bewohnern von Tomi gehen unterdessen Verwandlungen vor sich, sie versteinern oder verwandeln sich in Tiere; die Stadt selbst wird nach und nach von Pflanzen überwuchert.
Aufbau: Der Roman blendet verschiedene Referenzsysteme ineinander, zu denen das Zeitalter des Kaisers Augustus, bestimmte Phänomene der Gegenwart, insbesondere aus dem Bereich moderner Medien, sowie das im Anhang erläuterte »ovidische Repertoire« gehören. So werden etwa die Reden der Großveranstaltungen in Rom mit Mikrophonen übertragen, und in Tomi begegnet Cotta dem Filmvorführer Cyparis, der selbst eine Figur Ovids ist und dessen Filme ebenfalls Motive aus dem Werk des Dichters enthalten. Die sinnfälligen Szenerien in der Gegend von Tomi verknüpfen antike und mythologische Momente mit solchen der modernen Industriegesellschaft. Den ovidischen Metamorphosen folgend, gestaltet Die letzte Welt das Prinzip der Verwandlung gleichermaßen als Gegenstand des Erzählens und als literarische Verfahrensweise. In seiner Verknüpfung verschiedener Zeiten und Mythen setzt der Roman das Prinzip der Verwandlung an die Stelle eines kontinuierlichen Geschichtsverlaufs. Die Welt Ovids erscheint als ein Gegenentwurf zu dem von Rom repräsentierten »Reich der Notwendigkeit und der Vernunft«, welches eine »Dauer und Unwandelbarkeit der Macht« intendiert. Das von Cotta gesuchte Werk Ovids, die Metamorphosen, zeigt sich am Ende in jenem Verwandlungsprozess, der sich in der Welt von Tomi vollzogen hat, deren Bewohner letztlich allesamt Transformationen von Figuren Ovids sind. In dieses Werk gehen schließlich auch Cotta und Ovid selbst ein. Die Fiktion erweist sich so als Wirklichkeit und die Wirklichkeit als Fiktion.
Wirkung: Die letzte Welt gehört zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Büchern der Gegenwart und wurde in mehr als 20 Sprachen übersetzt. Nachdem das Buch bei seinem Erscheinen in vielen Feuilletons gewürdigt wurde, hat es inzwischen auch ein breites Interesse in der Literaturwissenschaft auf sich gezogen. D. G.

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Kundenrezensionen

Die hilfreichsten Kundenrezensionen
22 von 23 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Faszinierende Annäherung an einen Klassiker 6. September 1999
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Mit diesem Roman, der Ransmayr internationale Beachtung einbrachte, ist dem Autoren eine faszinierend komplexe Auseinandersetzung mit dem Werk "Metamorphosen" des römischen Dichters Ovid gelungen. Wie in seinem späteren Werk verschlingt Ransmayr geschickt Realität und Fiktion miteinander, so dass das Ergebnis gleichzeitig plausibel wie phantastisch erscheint.

In "Die letzte Welt" lässt der Autor den Römer Cotta nach Tomi reisen, um dort nach Spuren des dorthin verbannten Ovid zu suchen. Ihn selbst findet er nicht, dafür gerät er aber zunehmend in die Welt des Ovid selbst. Er trifft Figuren aus dessen "Metamorphosen" und entfernt sich immer mehr von der Realität, während er tiefer und tiefer in die künstliche Welt Ovids eintaucht.

Wie in den anderen Werken Ransmayrs fasziniert auch hier die Sprache, die den düsteren Grundton der Erzählung hervorragend vermittelt und bereits allein den Leser zu fesseln weiß. Die Beschreibung der trostlosen Landschaften um Tomi, der unwirtlichen Gegebenheiten und der verschrobenen Einwohner des Örtchens am Ende der Welt ist einzigartig und würde in einer anderen Formulierung viel verlieren.

Sehr hilfreich ist auch das angehängte ovidische Repertoire, das den mit Ovids Werk nicht vertrauten Leser in dessen Geschichten und Figuren einführt und die Vermischung der Geschichten Ransmayrs und Ovids erst deutlich macht. Somit dient "Die letzte Welt" auch als Lehrbuch, welches die Bedeutung von Ovids Werk im alten Rom veranschaulicht. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)

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16 von 17 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Auf den Spuren Ovids 14. Dezember 2003
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Ransmayrs Roman ist in inhaltlicher und stilistischer Hinsicht ein Meisterwerk- ein moderner Klassiker. Der römische Staatsbürger Cotta begibt sich auf die Reise an den Verbannungsort des Dichters Ovid Tomis (Konstanza) am schwarzen Meer. Er will dem Gerücht nachgehen, dass Ovid in seinem Exil gestorben sei.
In der düsteren, trostlosen Hafenstadt fern von der Hauptstadt Rom begegnet Cotta auf seiner Suche nach Ovid vielen Personen und Orten, die den Geist und die Anwesenheit des Dichters aufleben lassen, z. B. die taubstumme Weberin Arachne, deren Wandteppiche die Geschichten aus Ovids Werk „Metamorphoses" erzählen.
Alles in Tomi ist in einem Übergangszustand, einem Zustand der Verwandlung: Die Jahreszeiten verwandeln die Stadt von einer Eiswüste in eine trockene und heiße Stadt, der wandernde Schuppenfleck auf Echos Gestalt, die Filme, die vom fahrenden Cyparis in der Stadt gezeigt werden- alles Begegnungen mit den in den 250 Geschichten der Metamorphosen von Ovid erzählten Verwandlungen.
Ransmayr löst dies stilistisch meisterhaft, indem er die handelnden Personen nach antiken Helden benennt und sich an jene Charaktere anlehnt. So verwebt er die Mythologie der Metamorphosen mit der Realität in Tomi und schafft eine zauberhafte zwischen Mythos und Wirklichkeit schwebende Welt, die immer wieder die Begegnung mit dem Dichter Ovid bereithält.
Auch beim dritten Lesedurchgang noch Entdeckungen neuer Raffinessen!
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7 von 7 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
3.0 von 5 Sternen Geschichte und Moderne phantasievoll vereint 14. März 2001
Von Ein Kunde
Format:Taschenbuch
Geschichte und Neuzeit vereinigen sich anspruchsvoll und geschickt in der "Letzten Welt". Sowohl Elemente aus Ovids "Metamorphosen", als auch Geschehnisse aus dem 20. Jahrhundert, wie z.B. der 2. Weltkrieg werden verarbeitet.Die Lektüre ist ohne Zweifel anspruchsvoll, da viele Zeitsprünge und Einschübe die fortlaufende Handlung unterbrechen. An einigen Stellen wird das Lesen langatmig, da kurze Zeitabschnitte sehr ausführlich thematisiert werden. Die "Letzte Welt" basiert auf Ovids "Metamorphosen", die immerwieder im Verlauf der Handlung aufgegriffen und dem Stil von Ransmayr angepasst werden. Dennoch sind Vorkenntnisse nicht unbedingt erforderlich, da das Werk in sich schlüssig ist. Vernunft, Gleichgültigkeit und Phantasie werden gekonnt gegenübergestellt und auch der Leser sollte einiges an Vorstellungsvermögen mitbringen, denn nicht alles ist rational erklärbar. Für eingefleischte Leser ist dieses Werk auf jeden Fall interessant und empfehlenswert.
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6 von 6 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
5.0 von 5 Sternen Dicht und verschwommen 19. März 2000
Format:Taschenbuch
führt Christoph Ransmayr seine Leser in eine Welt, die sich in der Vielgestaltigkeit und phantasievollen Farbigkeit ganz am inspirierenden Vorbild orientiert. Ganz bestimmt, leicht fällt die Lektüre nicht, aber gleichwohl wie man dieses Buch beurteilt, regt es doch so sehr an oder auf, das weit über normale Gleichgültigkeit zu faszinieren weiß.

Als Beispiel hierfür möchte ich noch anmerken, daß es mir und meinen damaligen Mitschülern schon bei der ersten Begegnung mit dem Werk dieses Schriftstellers, als wir im Deutschunterricht "Die Schrecken des Eises und der Finsternis" lasen, ähnlich erging. Obwohl unter 26 Schülern nur zwei das Buch rundweg begeistert aufnehmen konnten und mehr als die Hälfte die Lektüre als "schrecklich" empfand, beschäftigten sich alle sehr intensiv und kontovers mit Ransmayr. Gerade die Mitschüler, die mit dem Stil und dem Inhalt ihre Schwierigkeiten hatten, wie etwa mit der bei oberflächlicher Beschäftigung spannungslos erscheinenden Handlung oder der Menge an eigener Phantasie die das Lesen noch erfordert, konnten durch die unwissenschaftliche und unkonventionelle Diskussion, die sich daraus ergab, die entscheidenden Hinweise finden, die der ganzen Klasse einen tiefen Zugang zu einem so spröden Werk ermöglichten. In dreizehn Jahren Schule habe ich so etwas bei keinem anderen Autor erlebt.

Doppelt gelesen hält wohl besser.

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Die neuesten Kundenrezensionen
5.0 von 5 Sternen Einer der ganz großen Romane!
"Die letzte Welt" ist ein Roman, bei dem man schon nach wenigen Kapiteln traurig ist, dass er einmal zu Ende sein wird. Lesen Sie weiter...
Vor 2 Monaten von lektorita veröffentlicht
3.0 von 5 Sternen postmoderne Mythologie...
Als Altphilologiestudentin hat mich an diesem Roman in erster Linie Ransmayrs Umgang mit den "Metamorphosen" interessiert, sowie sein Umgang mit der legendären und... Lesen Sie weiter...
Vor 4 Monaten von Shub_Niggurath veröffentlicht
5.0 von 5 Sternen Die letzte Welt - Eine Kostbarkeit für Ovidkenner
Das Buch von Christoph Ransmayr ist eine besondere Kostbarkeit für Ovidkenner u7nd wird unter Freunden weitergereicht. Lesen Sie weiter...
Vor 4 Monaten von Dr. Theodor Zindler veröffentlicht
2.0 von 5 Sternen Gefällt mir nicht
Als Film mag das Buch vielleicht noch fesseln, wenn er denn nicht zu "schlonzig" gemacht wird. Aber geschrieben hat es mich überhaupt nicht berührt oder interessiert. Lesen Sie weiter...
Vor 5 Monaten von Manuela Schwab veröffentlicht
3.0 von 5 Sternen Zwischen Traum und Wirklichkeit
In einer faszinierend wunderschönen, bilderreichen Sprache stellt der Österreicher Christoph Ransmayr mit seinem an die "Metamorphosen" (Verwandlungsgeschichten aus der... Lesen Sie weiter...
Vor 6 Monaten von Gerlinde Oberneder veröffentlicht
3.0 von 5 Sternen Postmoderne Reise
Beginnen wir mit den Formalien und mit "Amazon": Nein, Anita Albus ist NICHT die Autorin des Romans "Die letzte Welt", das ist immer noch Christoph Ransmayr. Lesen Sie weiter...
Vor 7 Monaten von Nelson DeSanto veröffentlicht
1.0 von 5 Sternen Langweiliger Gebildetenroman
"Die letzte Welt" hat für mich leider keinerlei Eigenwert. Nichtkenner von Ovids Werk, werden es schwer haben, mit diesem Roman viel anfangen zu können, doch auch Kennern... Lesen Sie weiter...
Vor 17 Monaten von LukeSkywalker veröffentlicht
5.0 von 5 Sternen sprachliches Meisterwerk!
Eine faszinierend gewobener Roman, der mit Raum und Zeit, Fikton und Geschichte spielt, mit sprachlicher Raffinesse einzigartig umgesetzt! Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 14. April 2010 von esc
4.0 von 5 Sternen Die letzte Welt - eine Reise durch die Geschichte und die Gesellschaft
Christoph Ransmayrs Roman "Die letzte Welt" - ein spannender Einblick in die Geschichte des Dichters Ovid, ebenso ein Einblick in die Gesellschaft. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 8. April 2010 von Katharina Hartenstein
5.0 von 5 Sternen Die Macht der Sprache
Nachdem ich dieses als erstes Buch von Christoph Ransmayr gelesen hatte, war ich gefangen. Eine solche Macht des sprachlichen Ausdrucks hatte ich lange nicht gelesen. Lesen Sie weiter...
Veröffentlicht am 6. Februar 2009 von Thomas Schnura
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