Die CDU ist eine erstaunliche Partei: Sie ist gleichzeitig für und gegen Steuererhöhungen, für mehr Bildung mit mehr Einschränkungen, christlich und überkonfessionell zugleich, für Krieg und Frieden, für Zukunft und Vergangenheit, gegen Nazis und gegen Naziverbote. Und der Vorsitzenden gelingt es dennoch, den Eindruck einer Richtung zu vermitteln. Ein Wunder?
Mariam Lau untersucht, wie es der CDU gelungen ist, sich zu modernisieren, ohne ihre traditionelle Klientel zu verprellen. Dabei wird deutlich, dass Angela Merkel den von Helmut Kohl eingeschlagenen Weg der Ent-Ideologisierung aus der konservativen Ecke hin zu Mehrheiten konsequent weiter gegangen ist.
Das Buch ist nach den Themen Wirtschaft, Ökologie, Familie, Außenpolitik und Religion gegliedert. Die Autorin schildert in erster Linie persönliche Eindrücke von vielen CDU-Politikern, die durchgehend rücksichtsvoll und freundlich dargestellt werden. Der Name von Heiner Geißler wird jedoch mehrmals falsch geschrieben.
Das Buch liefert Innenansichten der Partei, einschließlich ihrer Beschränktheiten. So setzt die Autorin die heutige Linkspartei kurzerhand mit der SED gleich (S. 46). Den 68ern wirft sie "gefährliche Angriffe auf die Kleinfamilie" vor (S. 49). Frau von der Leyen wäre eine "Hassfigur der Linken", da sie aus gutem Hause stammte (S. 58). Als Schilderung der Stimmung von CDU-Mitgliedern wäre das nützlich, doch als Beschreibung der Realität taugt das weniger. Ein gepflegtes Feindbild mag ja helfen, die CDU zusammenzuhalten. Doch Frau Lau, die sich hier als Journalistin sieht, identifiziert sich so sehr mit dem beschriebenen Objekt, dass der kritische Abstand fehlt.
Von daher vollzieht dieses Buch zwar die vergangene Modernisierung der CDU nach, es bringt aber keine Denkanstöße für die zukünftige Entwicklung der Partei.