Niko Kazantzakis war ein mutiger Mann - zur Zeit der Veröffenlichung des Buches war es noch ein Sakrileg, so etwas über unser aller Herrn Jesus zu schreiben. Nicht nur, daß er Jesus als schwächlichen, zerrissenen Menschen darstellt, der im Auftrag der Römer Kreuze für seine Landsleute zimmert und hilft, diese an diesselben zu nageln. Als wäre das nicht genug begehrt er auch noch eine Hure!
Aber trotz allem ist etwas Besonderes an diesem Mann, der eigentlich lieber eine Familie gründen, mit seinen Kindern spielen und zuhause seine Äcker und Weinberge pflegen möchte, statt mit seinen Jüngern umherzuziehen und zu den Leuten vom Reich Gottes zu sprechen.
Auch seine Jünger sind nicht brav, fromm und folgsam dargestellt. Einige sind ganz schön rüde, gewaltbereit und aufmüpfig - wie im richtigen Leben! Aber Jesus geht seinen vorherbestimmten Weg trotz aller Zweifel und innerer Zerrissenheit.
Selbst am Kreuz träumt Jesus von einer Ehe statt von seiner göttlichen Mission beseelt zu sein.
Ein lesenswerter, mit überraschenden Aspekten gespickter Roman, der das Menschliche in Jesus und seinen Gefolgsleuten betont, statt ihn und sie als unnahbare, dem Leben entrückte Heilige darzustellen.