"Die letzte Sure" ist in meinen Augen ein sehr gelungenes Debut und ein sehr ungewöhnlicher Krimi:
Nouf, die streng behütete Tochter einer reichen saudischen Familie verschwindet aus dem Anwesen der Familie. Der Wüstenführer Nayir, ein Freund eines der Söhne, erhält den Auftrag Nouf mit einem Suchtrupp ausfindig zu machen. Ein anderer Suchtrupp findet in der Zwischenzeit allerdings die Leiche der Sechzehnjährigen. Der Gerichtsmediziner befindet auf einen nicht gewaltsamen Tod. Die Verlobte eines der Söhne der Familie, Katya, unterstützt Nayir bei der Suche nach der wahren Todesursache. Nayir ist sehr traditionell eingestellt und kann zunächst den Gedanken nicht ertragen, dass eine Frau ihm bei seinen Ermittlungen behilflich ist...
Gleich zu Beginn des Romanes ist mir Ferraris wunderschöne Ausdrucksweise aufgefallen. Sie trifft die arabische, uns manchmal doch "blumig" erscheinende, Ausdrucksweise auf den Punkt, ohne dabei schwülstig zu wirken. "Die letzte Sure" ist voller Kontraste: Konservative und verschleierte Frauen vs. Junge Mädchen in Bikinis auf Jetski; Moscheen vs. Gebetsteppiche mit GPS; Wüste vs. Häuser mit Pool. Für mich hat das einen grossen Teil der Faszination ausgemacht.
Ferraris zollt dem Islam grossen Respekt, zeigt aber auch die Dinge auf, die Nicht-Muslimen immer wieder auffallen bzw. seltsam erscheinen: Z.B. absolute Geschlechtertrennung (sogar beim Zoobesuch!)und Sprechverbot für Frauen in Gegenwart von Männern. Gleichzeitig weist sie aber auch sowohl im Roman als auch im Interview am Ende des Buches darauf hin, dass die Dinge, die Nicht-Muslimen ins Auge fallen auch diejenigen Dinge sind, die auch den Muslimen selbst häufig Probleme bereiten. Sie weiss, wovon sie "spricht": Sie war mit einem saudi-palästinischen Beduinen verheiratet und hat kurz nach dem ersten Golfkrieg im strenggläubigen Saudi-Arabien gelebt.
Hätte mir dann und wann Erläuterungen bzw. ein Glossar zu den von ihr verwendeten arabischen Begriffen gewünscht, denn nicht alle Begriffe werden im Text erläutert. Vielleicht ändert sich das ja aber im Nachfolgeband, an dem Ferraris bereits arbeitet. Ich freue mich sehr darauf!