Bislang konnte man sich bei Charlotte Link auf eine relativ einfache Gleichung verlassen:
Erschien ein Buch zunächst gebunden, lohnte sich immer ein zweiter Blick. Dahinter verbargen sich - nicht immer aber meist - so lesenswerte Unterhaltungsromane wie "Die Rosenzüchterin", "Das Echo der Schuld" oder "Das Haus der Schwester".
Handelte es sich allerdings bei Link-Neuerscheinungen um Taschenbücher, war der Lesefrust meist vorprogrammiert. Zwar meist recht spannende, aber mit der heißen Nadel gestrickte fadenscheinige Stories, bei denen nach den letzten Seiten meist einfach nur Ärger blieb.
Gekauft habe ich trotzdem bisher jedes Buch von Charlotte Link, so auch das neue Taschenbuch "Die letzte Spur".
Ein Buch für die größere Leselaune, immerhin knapp 640 Seiten.
Und dieses Mal ging die anfangs beschriebene Gleichung nicht auf.
Denn hier handelt es sich um bestes Schmökerfutter.
Eine ausgeklügelte Handlung, wechselnde unverdächtige Verdächtige, schnelle Schnitte und ein verblüffendes Ende halten den Leser hier in atemloser Spannung.
Elaine Dawson verschwand auf dem Weg nach Gibraltar. Dort wollte sie an der Hochzeit ihrer Freundin Rosanna teilnehmen, kam aber nie dort an. Wegen starken Nebels konnte die Maschine nicht starten, sie verbrachte die Nacht bei einem hilfsbereiten Fremden und ist seither wie vom Erdboden verschluckt.
Ihr schwerbehinderter Bruder ist fest davon überzeugt, dass Marc Reeve, der Elaine Obdach gewährte, sie umgebracht hat.
Fünf Jahre später nutzt Elaines alte Freundin Rosanna - die einstige Braut - eine Recherche, um aus ihrer unglücklichen Ehe auf Gibraltar ausbrechen zu können. Sie rollt den Fall erneut auf und gerät selbst in Gefahr.
Wie gewohnt spinnt Charlotte Link eine Reihe von Fäden, die am Ende alle ineinander laufen.
Auch das Personal dieses Thrillers ist dem Link-Leser vertraut. Es gibt - wie immer - einen unberechenbaren Stalker, psychisch Verwirrte und unerschrocken-handelnde starke Frauenfiguren.
Freilich ist dieser Roman alles andere als Nobelpreisverdächtig. Auch wenn es sprachlich schon mal knirscht (bei Formulierungen wie "Fielder zündete sich eine Zigarette an, nachdem er den beiden Frauen das Päckchen hingehalten hatte und abschlägig beschieden worden war") --
wer einfach nur für ein paar Stunden Entspannung mit Spannung sucht, ist bei Charlotte Link auch dieses Mal gut aufgehoben!