Der deutsche Titel "Die letzte Schöpfung" und verschiedene Danksagungen der Autorin für Einblicke in die Arbeitsweise der CIA (und dafür, dass sie stets gebremst wurde, wenn die Fantasie mit ihr durchging), die Abläufe im Krankenhaus und auf der Unfallstation, die Welt des Computer-Hackings und die Verwendung spanischer Begriffe erwecken gewisse Genreassoziationen und hohe substanzielle Erwartungen. Die vom Bastei Lübbe Verlag verliehenen (eigenen) Prädikate "Thriller" und "Spitzentitel des Monats", sowie der Kommentar der New York Times ("Eine Achterbahnfahrt ohne Bremse") sind noch zusätzliche Teaser, die neben einem wissenschaftlich fundierten, auch ein hochspannendes Leseerlebnis avisieren. Wer jedoch einen echten Knaller à la Michael Cordy ("Nazareth Gen", "Mutation" oder "Lucifer")oder im Stile von Denis Maquet's "Der Zorn" erwartet, wird enttäuscht sein. Selbst "Unsichtbare Feind" von Peter Clement bietet mehr zum Thema Genmanipulation.
Leider ist Patricia Lewin's Erstlingswerk in Bezug auf eine inhaltliche Tiefe recht enttäuschend. Obgleich Gentechnologie und Humanmedizin tragende Elemente des Romans sind, werden sie nur recht oberflächlich tangiert. Die Autorin die früher bei IBM (!) beschäftigt war schreibt zudem von Dateien-Downloading und meint damit hingegen eine Datensicherung ("brennen") auf CD-ROM. Ihr Gebrauch des Spanischen geht über die Worte "amigo" und "ninos" kaum hinaus. Bis auf einen Hinweis auf die Operation "Desert Storm" (1991), die sich zwölf Jahre vor der Romanhandlung ereignete, hat das Buch auch historisch nichts zu bieten.....
Die Romanhandlung basiert auf einer Folge von persönlichen und (geheim)dienstlichen Verstrickungen, Lügen, Missverständnissen und Charaden, die erst nach und nach eine allmähliche Entwirrung erfahren. Dabei werden vermeintliche Feinde schnell zu Verbündeten und Freunde zu erbitterten Widersachern. Der Roman bedient sich des bewährten und paradoxen Szenarios eines Wissenschaftlers, der zum Wohle der Menschheit keine ethischen Grenzen kennt und sich zudem im Würgegriff eines machtbesessener Geheimdienstlers, eines profitgierigen Politikers und deren skrupellosen Söldner befindet.
Der zwar flüssig lesbare, jedoch stark konstruierte Roman bietet trotz reichhaltiger Schiess- und Sprengstoffaction und finalem Showdown doch zu wenig für einen echten Thriller aus den Sparten Medizin, Gentechnologie, Agenten und Politik. Die Vergangenheitsbewältigung seines Protagonisten "Ethan Decker" mit seiner Flucht vor Verantwortung und Ehefrau, seine Veränderung, sowie das Schicksal der Kinder verleihen dem Roman, der im Original den treffenderen Titel "Blind Run" trägt, hingegen eine sozio-psychologische Dimension für die eine Bewertung mit 3 Amazonsternen angemessen ist.