Ich kann mich meinen Vorrednern nur anschließen. Etwaige Verkaufserfolge kann ich mir nur mit der Umschlaggestaltung und der gut gemachten Inhaltsangabe erklären, aufgrund derer ich ebenfalls dieses Buch gekauft habe. Der Autor vermittelt nicht wirklich eine Identifikation mit den Protagonisten, in meinen Augen tödlich für einen Roman der leichteren Klasse. Die Figuren sind sämtlich eindimensional, ohne jegliche Entwicklung oder auch nur halbwegs tiefere Emotionen. Sie geben sich schablonenhaft und hölzern, der Juwelier ist in seiner seichten Unentschiedenheit im Hinblick auf die zwei Frauen ein charakterschwacher Unsympath. Emotionale Verstrickungen werden versachlicht und mit ein paar dürren Sätzen versucht zu erklären - Lösung natürlich inbegriffen. Nach einer Seite sind die verletzten Frauen wieder in der Spur. Achja, das Entführungsopfer muss tatsächlich für ca. 15 Seiten in psychologische Behandlung und ist gar nicht sie selbst - was unser Juwelier gar nicht verstehen kann (gibt sich aber natürlich schnell wieder).
Das Ende ist noch eine Schippe unsäglicher und auch auf ein paar wenige Seiten dahingeklatscht. Fragen sie mich nicht, aufgrund welcher Motivation mir es gelungen ist, dieses Werk zuende zu lesen. Ich kann jedenfalls nicht glauben, dass dieses Buch in Spanien ein Bestseller war.
Wer wirklich einen Roman voller Mystik, dichter Atmosphere und Historie lesen möchte, sollte sich an Reverte und seinen "Der Club Dumas" = "Die neun Pforten" halten - wenn wir denn in Spanien bleiben wollen. Ein wirklich tolles Buch, welches den Film um Längen schlägt: Der Film ist lediglich ein Ausriss aus dem Buch, der Club Dumas kommt erstaunlicher Weise dort nicht vor(zumindest nicht tragend), auch das Ende ist ein ganz anderes - viel stimmiger. Nehmt das - ihr werdet es nicht bereuen.