Die Geschichte klingt eigentlich ganz interessant: Junger Musiker findet eine unbekannte Partitur vón Vivaldi, die eine verschlüsselte Botschaft an eine ominöse Geheimgesellschaft enthält und gerät bei der Lösung des Rätsels zwischen alle Fronten.
So weit so gut, doch was Harris daraus gemacht hat, ist weniger gut. Die Handlung ist vorhersehbar, mitunter kündigt sich jede Wendung der Ereignisse seitenlang an. Subtile Hinweise, die sich erst bei mehrmaligem Lesen offenbaren sind HarrisŽ Sache scheinbar nciht. Spannung kommt so nicht auf, zumal Harris auch jedes Ereignis aus verschiedenen Blickwinkeln erklärt, etwa wenn die handelnden Personen sich gegenseitig auf den neuesten Stand bringen oder wenn die Hauptfigur seitenlang nciht das Offensichtliche erfassen kann und herumrätselt. Das ermüdet, weil der Leser das bereits weiß.
Die Dialoge wirken zudem arg künstlich und hölzern, kein Mensch spricht so. Dazu kommt eine Liebesgschichte, die simpler nicht gestrickt sein könnte. Sie dient wohl dazu, die Handlung aufzulockern, was aber fehl schlägt. Ebenso simpel sind die Figuren gestrickt: Hier der unbedarfte, verliebte Musiker, von Herzen gut und ohne Fehl und Tadel, ebenso seine Angebetete, deren Mutter und deren Liebhaber. Auf der anderen Seite die finsteren Geheimgesellschaften und ihre Mitglieder: dunkel, verschlagen, listig und in sich zerstritten. Kein Verräter und kein interessanter oder gar vielschichtiger Charakter hüben wie drüben.
Das sprachliche Niveau des Romans passt sich dem literarischen voll an. Harris schreibt umständlich, langatmig und baut viele Nebensätze ein, deren Informationsgehalt gegen Null geht. Beispiel: Die "Räume.....waren zu seinem Herrschaftsgebiet geworden, wo er nach Lust und Laune schalten und walten konnt, wie er es für richtig hielt." Mindestens der letzte Nebensatz ist dabei überflüssig. Auf diese Art ermüdet man beim Lesen schnell und ist versucht, Abschnitte zu überspringen. Dazu kommen eine blasse Sprache, wenige und wenn dann unpassende sprachliche Bilder und eine Reihe kleinerer Grammatikfehler, was auch an der Übersetzung liegen kann.
Auf sachliche Mängel muss hier nciht mehr eingegangen werden, andere Rezensenten haben das bereits ausführlich getan.
Fazit: Lahm erzählte und spannungsarme Geschichte ohne jede Überaschung und ohne literarische Klasse. Schade drum, aber nicht empfehlenswert.