Das Positive vorweg: Als Abenteuergeschichte ist der Roman durchaus lesbar, da die Jagd quer durch ein untergehendes römisches Europa immerhin nicht einer gewissen Spannung und auch teilweise Atmosphäre entbehrt.
Leider bleiben ein Großteil der Charaktere recht blass, über sie weiß man kaum mehr als den Namen, und, wenn sie am Ende den unvermeidlichen Heldentod sterben, kommen keine besonderen Emotionen auf.
Das besagte Ende kommt dann auch erstaunlich schnell und war mir eindeutig zu spannungsarm (ja, es gibt eine Schlacht - aber vergleiche man die und die Kämpfe mal mit denen eines David Gemmell !).
Was den geschichtlichen Hintergrund angeht, so bringt Manfredi die damalige Lage der (Ex-)Reichsgebiete weitestgehend gut herüber: Der allgegenwärtige Verfall und die zum Teil schlimme Lage der Bevölkerung, eine machtlose Zentralgewalt usw.
Nun, was mich jedoch, ähnlich wie an dem Film "King Arthur" gestört hat, sind die Beschreibungen der sogenannten "Barbaren", der Germanen. Während es in besagtem Film so eine Art spätantike Nazis waren, sind es hier ebenfalls mordgierige Horden, deren Lieblingsbeschäftigung nach dem Frühstück es zu sein scheint, erstmal ein paar Unschuldige zu foltern und umzubringen. Und natürlich sind sie allein für den Untergang Roms verantwortlich, jenes "Leuchtfeuers der Zivilisation".
Dazu, um die Sache nicht zu lang werden zu lassen, sei nur eins gesagt: Roms Untergang wurde zum größten Teil von innen herbeigeführt. Endlose Bürgerkriege und damit einhergehende Hungersnöte und Seuchen dezimierten die Bevölkerung weit schlimmer, als es irgendein äußerer Feind gekonnt hätte. Unzählige Bauern wurden zu Leibeigenen auf ihrem eigenen Land, da sie die überhöhten Steuern nicht bezahlen konnten. Die germanischen Völker gaben dem ohnehin bereits stürzenden Riesen auf tönernen Füßen nur den letzten Schubs. Nur ein Beispiel, um dies zu untermauern: Am Beginn der Völkerwanderung stand die Schlacht von Adrianopel, 378 A.D. Obgleich das römische Reich noch (nachweislich) mehrere hunderttausend Mann unter Waffen hatte, war es nicht mehr in der Lage, ca. fünfzehntausend Goten (!) über die Grenze zurückzudrängen.
Manfredis Roman hätte, was die von ihm beschriebene römische (gesellschaftliche) Elite angeht, besser in eine Geschichte in der hohen Kaiserzeit gepasst. Und daß solche Strukturen noch in einem Britannien existieren, das die Römer seit zwei Generationen verlassen haben, ist wohl reine Fantasie.
Und dann wäre da noch die Sache mit einer plötzlich auftauchenden Legion in der Endschlacht - äußerst unglaubwürdig.
Zuletzt noch eine Bemerkung zu Seite 396, auf der behauptet wird, Flavius Aetius sei auf den katalaunischen Feldern gefallen: Da hätte Manfredi besser genauer recherchiert - denn der letzte "Wahre Römer" wurde durch Kaiser Valentinian 454 A.D. hinterrücks ermordet, was auch ein Symbol für den Verfall des Reiches ist.
Fazit: Ein etwas blasser, aber noch lesbarer Roman zum Thema Spätantike.