Ich fass es nicht! Dieser impertinente Eulenspiegel treibt Spielchen mit seinen Lesern, dass ihnen die Augen tränen, und die sind auch noch höchst begeistert und lassen ein ganzes Wochenende lang das Geschirr ungespült, die Wäsche ungewaschen, die Teppiche ungesaugt, weil sie das Buch kaum aus der Hand legen können bis sie es fertiggelesen haben ---- mir jedenfalls ging es so - mal wieder, wie immer bei Remins Krimis.
Mittlerweile hält Nicolas Remin seine Leser offenbar für genügend geschult, dass sie auch Gedankensprünge über sechs Jahrhunderte hinweg meistern, und ihre Nerven für so gestählt, dass sie nur einen kurzen, aber heftigen Schwächeanfall erleiden, wenn der arme Bossi....... nein, weiter wird nichts verraten.
Über den Verlauf des Inhalts schreibe ich nicht, denn ich möchte anderen Lesern nicht die Spannung nehmen.
Aber über meinen Eindruck von Remins Schreibe kann ich berichten: blitzgescheite und fesselnde Schreibweise, ein umwerfender subtiler Humor - teilweise rabenschwarz, Personen, die so lebendig beschrieben sind, dass ich das Gefühl habe, sie zu kennen, fesselnde Spannung und mittendrin wieder Commissario Tron, der verarmte Graf, in einem zerfallenden Palast am Canal Grande lebend, der in fadenscheinigem Gehrock und abgegriffenem Zylinderhut Mitte des neunzehnten Jahrhunderts in seiner Polizeigondel durch Venedigs Kanäle gleitet (was dieses Mal allerdings durch widrige Umstände nicht möglich ist) und gar schaurige Mordfälle löst: sympathisch, gütig und erfrischenderweise alles andere als ein perfekter Krimiheld.
Und natürlich kitzelt Remin seine Leser auch wieder mit einem "Hundefall".
Nicolas Remin riskiert in dieser Geschichte schwindelerregende Höhenflüge, und da ist es klar, dass zum Schluss eine, sagen wir mal, eher profane Auflösung zusammengeschraubt werden muss, um wieder auf den Boden zu kommen. Ist so also ganz ok. Schließlich wäre es schwer vorstellbar, dass der gewisse -- hm -- Gegenstand sein weiteres Dasein auf einem Kaminsims oder so fristen würde.
Auf jeden Fall ist Remins sechster Band mit der spritzigen und eleganten Sprache, der fachmännischen Recherche und dem intelligenten Humor wieder ein wahrer Lichtblick.
Noch ein Hinweis:
Dass man die Krimis von Nicolas Remin mit einem gewissen Augenzwinkern lesen muss, sollte inzwischen klar sein. Wer also bierernsten und peinlichst genauen Realismus erwartet, der ist hier fehlgelandet.