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Die letzte Insel.
 
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Die letzte Insel. [Gebundene Ausgabe]

Christian Mähr , Claudia Steinitz
2.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (2 Kundenrezensionen)

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Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Tote auf Pauschalurlaub

Christian Mährs Roman «Die letzte Insel»

Mirakel und Phantastisches haben es leicht in Kinderbüchern und in der Malerei. Da müssen Lausbuben und Fabelwesen nicht unter dem Diktat der Wahrscheinlichkeit leben. Peter Pan kennt eine «Insel, die es nicht gibt», und den fliegenden Bräutigamen von Chagall glaubt man ihre Schwerelosigkeit. Schwerer haben es die Wunder in solcher Literatur, die sich als Kunst für die Grossen versteht. Da sollte eine trittfeste Sprache die wunderlichen Akte absichern, selbst wenn sie als Träume deklariert werden könnten. Dies ist nicht immer der Fall in Christian Mährs Roman «Die letzte Insel». Was da in einem Urlaubsparadies im Atlantik an metaphysischem Spuk rund um die Pauschaltouristen geschieht, wird mit zu vielen schalen Sätzen garniert, von der Standardsorte «Sie trank den Kaffee aus und verliess das Hotel». Der stilistische und der fabulierende Ehrgeiz halten einander nicht die Balance.

An Fabulierlust fehlt es Christian Mähr wahrlich nicht. Auch hat er die sprachliche Simplizität des Romans plausibel abgesichert: Der Held und Ich-Erzähler ist nicht nur ein dicklicher Urlauber, sondern auch Autor von einem Dutzend recht erfolgreicher Unterhaltungsromane, der nun in einer Schreibkrise steckt. Seine Freundin eskortiert ihn durch den üblichen Touristenalltag, aber bald erscheinen Zeichen und Wunder. Eine «Insel, die es nicht gibt», taucht auf, die auf keiner Landkarte verzeichnet ist, die nur für fünf Auserwählte sichtbar ist. Von dorther kommt schliesslich eine Invasion der Toten, die sich auf den Badestränden tummeln. Sie werden nur von den fünf Auserwählten gesehen und gehen durch die anderen Feriengäste «hindurch», stecken sie mit einem tödlichen Fieber an, so dass bald die Helikopter der Armee zur Seuchenbekämpfung über dem Pauschalparadies knattern. So dass der Leser sich fragt, ob er nicht doch an einen der Dutzendromane des larmoyant erzählenden Helden geraten ist.

Die atlantische Ferieninsel wimmelt von Figuren aus der österreichischen Gegenwart, vom Millionenbetrüger bis zur Sensationsjournalistin, wie sie selten die Wirklichkeit und häufiger die Boulevardpresse gebiert. An denen reibt sich die grantig müde Ironie des Erzählers, und das ist noch der anregendere Aspekt seiner Misanthropie. Aufreizend langweilig wird es, wenn er die Metaphysik gar zu sehr strapaziert, ohne sich selbst sprachlich anzustrengen, wenn er sich missmutig unter den Gästen aus dem Jenseits umhört. Da «sagte der junge, tote Mann» irgendwas, und dann «mischte der ältere tote Mann sich ein». So plätschert die Form dahin, bis der Inhalt wieder mit einem Spezialeffekt aufwartet, etwa mit dem Auftreten eines mysteriösen Sängers mit «gewissen Fähigkeiten», die an die Taten des Heilands heranreichen.

Nicht die Sprache des Erzählers Christian Mähr vollbringt das halbe Wunder, dass der Roman dennoch bis zum Schluss anregt. Es ist die Neugier auf die unberechenbaren Wendungen der Handlung, die zum Weiterlesen treibt, auf die Tricks und Einfälle, selbst wenn sie nach Schund und Hollywood aussehen. Es ist auch die Lust an der kuriosen literarischen Katastrophe, die zum Durchhalten anstachelt, die Hoffnung und der Zweifel, dass der Autor doch noch die Kurve kriegt. Aber nach so viel Übernatürlichkeit gibt es bei diesem Buch natürlich kein Nachleben jenseits der letzten Seite, kein Nachblättern, kein Suchen und Wiederfinden von bewundernswert kunstvollen oder einfachen Textpassagen. Die Mirakel wurden alle anderswo verpulvert.

Franz Haas

Kurzbeschreibung

Ich sehe was, was du nicht siehst. Was wie ein Kinderspiel beginnt, endet gefährlich: Die letzte Insel. Ein Buch zum Augenreiben.
"Natürlich gibt es keine Inseln, die es nicht gibt." Dennoch taucht vor den Augen einiger Urlauber eine Insel im Atlantik auf, die keine Karte verzeichnet: das sagenhafte San Borondon. Seltsamerweise können nur wenige die Insel sehen - eine kurios zusammengewürfelte Gruppe macht sich auf die Überfahrt, um dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Einer von ihnen kehrt nicht zurück.
Christian Mähr erzählt, gestützt auf eine kanarische Legende, die Wundergeschichte eines Eilands zwischen Toteninsel und Paradies. Die letzte Insel führt mit lapidarer Komik eine unbekannte Nebenwelt vor Augen. Erst ihr bedrohliches Geheimnis erschüttert die Gelassenheit des Erzählers: Wenn das Schicksal der bekannten Welt auf dem Spiel steht, reicht Ironie allein nicht aus. Er muss die Sache selbst in die Hand nehmen.

Auszug aus Die letzte Insel. von Christian Mähr. Copyright © 2001. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.

Ankunft Ich bin wieder hier. Ich habe mich überwunden. Ich hätte auch daheim bleiben können. Daheim. Wie das klingt! Daheim mag vieles anders sein als hier, vor allem aber ist es kalt. Man kann über dieses Reiseziel sagen, was man will; kalt war es nie. Neblig manchmal, diesig und feucht im Landesinneren, aber nie kalt. Wenn es schneit - sehr selten schneit es auf den höchsten Bergen - packen die Einheimischen die kleinen Kinder ins Auto und fahren von den Küstenorten in die Berge, um den Schnee vorzuführen. Die Touristen bleiben am Strand in der Sonne liegen. Sie kennen Schnee, sie haben keinen Bedarf an Schnee, sonst wären sie ja nicht hier. Der Schnee in den Bergen hält sich immer nur für Stunden, eine Verrücktheit, eine Laune der Natur, kommt alle Jubeljahre einmal vor. Ich habe beim letzten Mal keinen Schnee gesehen. Ich habe anderes gesehen. Wegen des Schnees wäre ich nicht zurückgekommen. Ich habe jetzt ein anderes Zimmer als damals. Nummer neunzehn war schon besetzt. Ein Paar aus Düsseldorf, junge Leute. Sie sehen ein bißchen verloren aus. Der Rummel fehlt, das Nachtleben, wie sie es im Urlaub gewohnt sind. Warum sind sie dann hergefahren? Sie müssen doch wissen, daß es keine Remmidemmi-Insel ist; steht in jedem Prospekt, erzählt man uns in jedem Reisebüro. Wollen sie sich aussprechen, eine Krise überwinden? Das interessiert mich, obwohl es das nicht sollte. Achtzehn liegt am einen Ende des Traktes, ich wohne am anderen, das ist schade, die Zimmer neben und unter mir sind leer, Senora Eyzaguirre verteilt ihre Apartments nach dem Prinzip des größtmöglichen Abstands zwischen den Mietern, warum nur, ich hätte nichts gegen Gesellschaft, das würde mich ablenken - aber damit fängt es ja schon an: Ich bin nicht hier, belanglose Urlaubsbekanntschaften zu machen, auch nicht zur Erholung gekommen, ich habe Dinge in Erfahrung zu bringen, andere zu erledigen ... Und ich habe Angst. Ich würde mich gern mit dem Düsseldorfer Paar unterhalten, ein wenig Abwechslung, etwas Menschliches - die Zimmer gleichen sich alle, meines erinnert mich an Nummer neunzehn, wie mich die übrigen achtunddreißig an Nummer neunzehn erinnern würden, wo ich mit Barbara gewohnt habe. Die Eyzaguirre hat mich gleich erkannt. Wir standen in der Rezeption voreinander und haben uns angestarrt. Keiner hat gelächelt. "Wo ist Ihre Frau?" hat sie dann gefragt. "Weg", habe ich geantwortet. Wieso eigentlich? Es geht sie im Grunde nichts an. Dann ist ihr Mann aus dem Büro gekommen. Er hat auch nicht gelächelt, aber mir die Hand gegeben und gesagt: "Guten Tag, Senor." Mit einer gewissen Würde. Der Händedruck war warm und fest. Eyzaguirre hat sich nichts vorzuwerfen. Wir kamen dann doch ins Gespräch. Die Geschäfte gingen schlecht, erfuhr ich. Das hat mich gewundert. Wenn in einem Touristenort etwas passiert, ist die Saison gelaufen, natürlich, menschlich verständlich. Die Medien sind voll davon. Wer hat schuld? Ein paar Tage, zwei Wochen vielleicht. Aber dann? Mit dem Abtransport der Leichensäcke und dem Eintreffen der ersten Planierraupe setzt doch die Normalität wieder ein und steigert sich quentchenweise, bis übers Jahr der langjährige Pegelstand ordinärer Gewöhnlichkeit erreicht ist. Warum sollte die nächste Saison verhaut sein? Dabei haben sie hier nicht einmal eine Planierraupe gebraucht, nicht eine. Häuser sind auch nicht kaputt gegangen, wie bei einem Lawinenunglück. Ein Lawinenunglück ist es wirklich nicht gewesen. Und alles ist Jahre her. Ich habe ihn das gefragt. Er hat nur die Achseln gezuckt und gesagt: "Gehen Sie in den Ort, sehen Sie selbst." Und zum erstenmal gelächelt. "Es wird wieder", hat er gesagt, "alles wird wieder gut." "Das beruhigt mich, zu hören", habe ich gesagt. Ich habe meinen Koffer ins Apartment getragen, aufs Bett gestellt ..."
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