Ich liebe Venedig-Krimis aber ich war sehr enttäuscht. Die Sprache ist hölzern und läßt keine Stimmung entstehen, die Figuren sind grotesk und überkandidelt, dabei aber immer irgendwie leblos. Sie sprechen wie Puppen, sie handeln völlig irrational, aber anscheindend fühlen sie nicht und wenn, dann sind die Gefühle nicht nachvollziebar. Man weiss natürlich nicht, wie weit der Übersetzer die Schuld daran trägt, man müsste das Buch mal im Original lesen aber das tu ich mir bestimmt nicht an.
Der Detektiv Urbino Macintyre (was für ein Name!) ist ein ziemlich schräger Vogel, wehleidig, ewiger Hausfreund der 20 Jahre älteren ungeheuer reichen Contessa da Capo-Zendrini. Deren Figur ist noch das Beste, aber auch sie wird nicht lebendig sondern wirkt sehr überkandidelt und steif. Die Hauptfigur in diesem Buch ist ein alter sterbender Amerikaner, der in der letzten Gondel Venedigs dahinvegetiert und nur noch mit seinem scharfen Verstand und mithilfe seines sinistren Dieners seine intellektuellen makabren Spielchen treibt. Ein paar teils tumbe, teils gestörte Venezianer dürfen nicht fehlen, um als Verdächtige in der Kulisse aufzutauchen, das rettet aber auch nichts mehr an diesem verkorksten Buch.