Wolfgang Schorlau ist für mich ein Garant für spannende, informative Krimis, die nie weit entfernt sind von der Realität. Auch diesmal greift der Autor in seinem Buch heiße Themen auf und vermischt sie mit einer fiktiven Handlung. Herausgekommen ist für mich ein sehr glaubhafter, gut konstruierter Krimi, der mir das bestätigt hat, was ich schon lange vermutete.
Dirk Assmuss, Europachef des Pharmariesen Peterson & Peterson,wird in Berlin entführt und in einem Kellerraum gefangengehalten. Jeden Tag erscheint ein vermummter Mann und stellt ihm Fragen über die Machenschaften der Pharmafirmen. Gibt er nichtssagende Antworten, verabschiedet sich der Mann und kehrt erst am nächsten Tag wieder zurück. Assmuss begreift, dass er die Wahrheit über die Machenschaften des Pharmakonzerns preisgeben muss, um seine Freiheit wiederzuerlangen.
Zeitgleich wird ein Professor der Charite, Bernhard Voss, unter dem Verdacht der Entführung, Vergewaltigung und Ermordung eines fünfzehnjährigen Mädchens verhaftet.Er wird im Gefängnis Moabit festgesetzt, trotz vehementer Leugnung dieser Tat. Sein Anwalt Lehmann engagiert den Privatermittler Dengler, um ihm dabei zu helfen entkräftende Argumente zu finden,die die Unschuld seines Mandanten beweisen.Dengler begibt sich widerwillig nach Berlin, da er gerade nach 3 wöchigem Aufenthalt in New York froh ist, seine Freundin Olga wiederzusehen.In Berlin begibt sich Dengler auf Spurensuche, die für ihn mehr als gefährlich wird.
Mich hat das neue Buch von W. Schorlau wieder voll fasziniert. Hauptthema dieses Buches, das in einzelnen Kapiteln die die jeweils agierenden Personen beschreibt, aufgeteilt ist,sind die kriminellen Machenschaften der Pharmaindustrie. Der Leser erfährt mit welch perfiden, schon fast kriminellen Mitteln die einzelnen Konzerne(hier wird nur die fiktive Firma Peterson& Person beschrieben)ihre Umsätze immer mehr in die Höhe treiben.30-40 % Gewinn, im Gegensatz zu anderen Wirtschaftunternehmen, die mit 3-7% zufrieden sein müssen, geben ihren Marktstrategien recht. Ärzte,die mit Prämien bestochen werden,Studien,die manipuliert werden und großangelegte Werbekampagnen führen zu diesen Ergebnissen mit steigender Tendenz, denn Kranke wird es immer geben und letztendlich zahlt der Patient doppelt, denn der Patient zahlt teure Krankenkassebeiträge, die durch diese Machenschaften und die überbordende Bürokratie immer höher werden und darf im Falle einer Krebserkrankkung noch hohe Eigenleistungen erbringen, für Medikamente, die letztendlich keinen großen Heilerfolg versprechen.Auf dem Rücken der Ängste der Patienten werden Milliarden verdient.
50 % der Ärzte, so Studien, machen bei diesen Machenschaften mit. Als Leser stellt man sich die Frage woran liegt das?Liegt es daran, dass die Gewinnspannen der niedergelassenen Ärzte in den letzten Jahren zurückgegangen sind? Ist die Moral unserer Gesellschaft schon so verdorben, dass man aus dem Elend Profit schlägt?Was bedeutet ein Menschenleben?Was bedeutet Ethik und ein würdevolles Sterben diesen Profitgeiern?Unterstützen wir durch unser Gesundheitssystem die Machenschaften der Pharmakonzerne?Ist dies der Grund, warum im Ausland nicht die Preise wie in Deutschland erzielt werden, da es dort keine Krankenkasse gibt?
Gott sei dank sind es nur "50 %" laut Studien, was noch 50% zuviel sind, aber ich mag einfach nicht glauben, dass einfache Hausärzte da mitmischen, zumal sie durch die Budgetierung dazu gezwungen werden ihre Arzneimittelkosten immer mehr zu senken, wenn sie nicht Gefahr laufen wollen einen großen Teil selbst bezahlen zu müssen. Gerade die jungen Ärzte , so heißt es in diesem Buch, wehren sich gegen solchen Einflussnahme und das gibt mir die Hoffnung, dass wir noch nicht verloren sind, trotz einer starken Lobby der Pharmaindustrie.
Ich glaube , dass dieses Buch, dem eine fantastische Recherche vorangegangen ist,zum Nachdenken und zum Diskutieren Anlass gibt und das finde ich gut.Außerdem hat Schorlau neben der Pharmaindustrie auch die Machenschaften der Politik und der Polizei im Fall Stuttgart 21 auf den Prüfstand gestellt. Vieles weiß man schon aus der Presse, aber ich fand es gelungen, wie Schorlau diesen Aspekt in seine Geschichte mit eingebunden hat, was ja schon fast zwingend war, da Dengler ja aus Stuttgart kommt.
Für mich kann ich nur sagen, dass ich diesen Krimi verschlungen habe und froh bin, dass es Schriftsteller gibt, die so informative und spannende Themen aufgreifen,die große Teile unserer Bevölkerung betreffen und sich damit kritisch auseinandersetzen.
Ich freue mich auf den nächsten Fall Denglers,