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Die letzte Fenstergiraffe. Ein Revolutions-Alphabet
 
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Die letzte Fenstergiraffe. Ein Revolutions-Alphabet [Gebundene Ausgabe]

Peter Zilahy , Terézia Mora
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 180 Seiten
  • Verlag: Eichborn; Auflage: 1., Aufl. (September 2004)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3821807555
  • ISBN-13: 978-3821807553
  • Größe und/oder Gewicht: 21,8 x 14,2 x 2 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 1.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 336.032 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

Produktbeschreibungen

Neue Zürcher Zeitung

Lerne zu schweben - Péter Zilahys Roman «Die letzte Fenstergiraffe» Von Paul Jandl War man Ungar und jung zur rechten Zeit, dann war die Welt in Ordnung. Von Ablak bis Zsiráf, von Fenster bis Giraffe führte ein Kinderlexikon der siebziger Jahre in die Tatsachen des Universums ein. Neben kindgerecht formulierten Grundweisheiten des real existierenden Sozialismus gab es offensichtlich genügend Platz für dunkle Aphorismen. «Wenn wir etwas loslassen, bleibt es nie von alleine stehen», heisst es da. Oder: «Wer nach Osten geht, hat den Westen im Rücken.» Das bunt illustrierte Wörterbuch «Ablak-Zsiráf» muss aus der Feder eines philosophischen Geistes stammen. Diesem zumindest verwandt ist der junge ungarische Schriftsteller Péter Zilahy, Jahrgang 1970. Sein Lexikon-Roman «Die letzte Fenstergiraffe» ist der ungeniert hoffnungsvolle Versuch, sich die mitteleuropäische Welt noch einmal zusammen zu denken. Von A bis Z. BELGRAD ALS FLUCHTPUNKT Eintrag für Eintrag gräbt sich das Buch in die Geschichte und kehrt zurück in die Gegenwart Serbiens Ende der neunziger Jahre. Mit dem Balkanexpress ist der Erzähler von Budapest nach Belgrad gefahren. Weil es in Serbien bei regionalen Wahlen zu massivem Betrug gekommen war, gingen dort die Studenten auf die Strasse. Von November 1996 bis Februar 1997 dauerten die fröhlich-anarchischen Demonstrationen gegen das Milosevic-Regime. Belgrad, das ist der Fluchtpunkt in Zilahys Roman. Die strategisch wichtige, von Donau und Save umflossene Stadt war über Jahrhunderte historischer Schauplatz. Die Daten der Geschichte führt Péter Zilahy an. 1997 heisst es schliesslich unter den Belgrader Demonstranten: «Lerne zu schweben.» Es ist ein melancholischer Optimismus, der bei diesem winterlichen Revolutionsversuch durchschlägt. Man zieht durch die Strassen und provoziert die Polizisten. Viel mehr ist es nicht. Es ist ein Taumel, der mit Zilahys furiosem Gang durch die Geschichte einiges gemein hat. Man unterhält sich unter Demonstranten, «kurzer Schlenker zur Selbstmordstatistik, zu Mohács, Amselfeld, Trianon». A wie Arany, ungarisch für Gold. So beginnt der Roman. Hat es das goldene Zeitalter Europas je gegeben? In Péter Zilahys Buch steigt die Temperatur, wenn von jener Epoche die Rede ist, in denen die Namen der südosteuropäischen Länder noch nicht wie lexikalische Einträge nebeneinander lagen. Die k. u. k. Monarchie als gültiger Beweis, dass ein vereinigtes Europa vielleicht schon damals möglich gewesen wäre? So weit, eine rückwärtsgewandte Utopie zu formulieren, geht Zilahys Roman nicht. Hier werden keine grossen Thesen aufgestellt. «Die letzte Fenstergiraffe» läuft, formal und im Inhalt, auf die trockene und doch mit einigem akrobatischem Geschick präsentierte Pointe hinaus, dass ein Ganzes nicht mehr zu haben ist. Milorad Pavic, der Schriftsteller, der sich während der Balkankriege zum serbisch-nationalistischen Kanzelredner aufgeschwungen hat, war auch bei den Belgrader Studentendemonstrationen. 1997 bereits geläutert, hält er eine Rede. Der alte Herr schreibt dem jungen ungarischen Dichterkollegen eine Widmung in ein Buch. Vielleicht ist das ja auch als Vermächtnis zu verstehen. Denn Péter Zilahys kunstvoll abschweifende «Fenstergiraffe» hat viel von Pavics Poetik des nichtlinearen Erzählens. Allzu weit von Pavics Kunst, Romane als Kreuzworträtsel, als Handbücher für Wahrsagerei oder – eben – Wörterbücher zu tarnen, ist Péter Zilahy nicht entfernt. Ganz in Pavics Sinn hat der junge Ungar eine produktive Schwäche für die heimlichen Ordnungen des Zufalls. Er stellt Theorien über eine geschichtsmächtige «grosse B-Weltachse» auf, die von Babylon über Byzanz bis Berlin und Brüssel reicht. Und er rührt das Personal der Geschichte zusammen, bis alles das tatsächlich etwas bedeutet. Biografisch verbindet Gavrilo Princip, den Sarajewo-Attentäter, so manches mit Josip Broz Tito, Jugoslawiens mächtigem Mann. Auch Leo Trotzki und Bram Stoker treffen in einem ausgewählten historischen Moment auf dem Balkan zusammen. Trotzki ist Kriegsberichterstatter, Bram Stoker exportiert mit dem «Vampir» eines der wenigen serbischen Wörter, die es später schaffen, in den Sprachschatz der Welt aufgenommen zu werden. Vampir, ausgerechnet. EUROPA, ACH WAS Ach, Europa? Europa, ach was. Das Pathos der Geschichtsversessenheit wird in Zilahys Buch sehr bewusst und auch provokativ unterlaufen. «Die letzte Fenstergiraffe» mag der Entwicklung eines geographischen Raums nachspüren. Doch das Buch ist auch ein Entwicklungsroman im klassischen Sinn. 1996, zur Zeit der Belgrader Demonstrationen, war Péter Zilahy gerade sechsundzwanzig Jahre alt. Und es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die Belgrader Erfahrungen auch das Ende einer Ich-Werdung bedeuten. Das Z des Buches, das ist auch Zilahy. «Mit herzlichen Grüssen, dein Freund Peter», so endet der Roman. Die Bilanz ist eindeutig: «So einen Winter wird es nicht mehr geben und so einen Frühling auch nicht. Vielleicht werde ich auch nicht mehr so voller Vertrauen sein.» Wenn Péter Zilahy mit seinem Roman bis tief an die europäischen Wurzeln gräbt, dann tut er das auch, um die eigene Herkunft zu ergründen. Buda und Belgrad sind in gemeinsamen historischen Erfahrungen verschwistert. Die Verwandtschaft des Erzählers ist in den siebziger Jahren mit heiterem Sinn gegen die Umstände verschworen. Über die Jugendzeit heisst es bei Péter Zilahy ebenso lapidar wie gültig: «Mein Vater war das Beste am alten System. Er lebte im real existierenden Sozialismus, als existiere der gar nicht.» SANFTES LEUCHTEN Mit der Beschreibung einer ungarischen Kindheit beginnt der Roman sanft zu leuchten. Sprachlich sensibel und von Terézia Mora punktgenau übersetzt, wird dann das Milieu des Kommunismus in all seinem Aberwitz gezeigt. Dass das «Ablak-Zsiráf» zu seinen Verdiensten zählt, ist ein schwacher, aber anhaltender Trost. Péter Zilahy, der junge ungarische Schriftsteller, wird mit seinem provokant-unpathetischen Europa-Lexikon künftig auch im deutschsprachigen Raum zu führen sein. Mit herzlichen Grüssen und unter Z.

Kurzbeschreibung

"So, wie es Catch 22 um den Wahnsinn des Krieges geht, geht es in Die letzte Fenstergiraffe den Wahnsinn des Alltags in einer Diktatur" Frank PrescottEin Buch, das uns eine ganze Welt eröffnet - und zudem eines der spannendsten literarischen Debüts der letzten Jahre."So etwas Originelles habe ich seit fünfzehn Jahren nicht mehr gelesen", meint der ungarische Autor Mihßly Kornis über Peter Zilahys literarisches Debüt, und in der Tat - dem Autor ist ein kleines Wunder gelungen. In kurzen Szenen von großer Sprachmagie erzählt er von den turbulenten Demonstrationen gegen Milosevic, vom Umsturz in Ungarn, von der Befreiung Rumäniens, von historischen Kränkungen und uralten Feindschaft zwischen den Völkern des Ostens, von der Euphorie der Wendejahre und von dem was bei uns schon fast in Vergessenheit geraten ist: wieviel die Hoffnung auf demokratische Grundwerte für die bedeuten kann, denen sie nicht so selbstverständlich sind wie uns. Auf raffinierte Weise spielt Zilahy in diesem literaris chen Kabinettstück über das politische Erwachsen werden mit der Form eines Kinder-ABCs. Seinem elementaren Mix aus Wörterbuch, Reportage, Roman, Essay, Erlebnisbericht und geschichtlichem Handbuch gelingt es, ein lebendiges Mosaik des verwirrend vielgestaltigen Osteuropa zu entwerfen, durchzogen vom Geruch der Freiheit.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
Anders als erwartet 11. Oktober 2010
Format:Gebundene Ausgabe
Dieser eine Punkt ist sehr subjektiv, da dieses Buch schlichtweg eine Geschmacksfrage darstellt.

Ich habe mir eigentlich kleine, liebe, lustige Geschichten erwartet und bin dann recht enttäuscht worden.
Zilahy schreibt sehr... modern. Wahrscheinlich ist es eine Art von Humor, vielleicht soll es auch nur Kunst sein - ich komme nicht so recht dahinter, weil mir diese Schreibart schlichtweg nicht gefällt.

Damit man sich ein Bild machen kann:
"Nach 20 Jahren fragte mich jemand danach, erst da kam ich dahinter, dass das erste und das letzte Wort, Alpha und Omega, das Fenster und die Giraffe waren, ablak und zsiráf. Ja. Das Fenster ist der Anfang, durch das Fenster kommt das Licht, die Giraffe ist das endlich Endlose, der Surrealismus, brennende Giraffen, wir werden ewig leben!"

Es geht natürlich auch um viel Geschichtliches, was dann der letzte Anreiz war dieses Buch weiterzulesen, weil mich das Thema einfach sehr interessiert. Aber wenn es auf die Art "An der Belgrader Klitoris scheiterte Großungarn" vermittelt wird, dann lese ich doch lieber ein trockeneres Geschichtsbuch.

Wie gesagt, es gibt sicher Leute, denen dieses Buch gefällt. Ich musste das Buch allerdings schon nach wenigen Seiten weglegen, weil es mich so unglaublich genervt hat.
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